Rettungshundebrigade: Was Tier und Mensch verbindet. Für die Hundestaffel Heidenreichstein ist das Ehrenamt ein tierisches Hobby – und ein Dienst an Angehörigen.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 07. Februar 2021 (03:24)
Ein gutes Team: Margot Prand, Sabine Anibas, Lilena Spießmaier, Barbara Schneider (vorne), Markus Sailer, Lucas Spießmaier, Manuel Miksch, Martin Brandtner, Michael Rössler und Michael Prand (hinten). Das Gruppenfoto der Staffel Heidenreichstein ist vor der Pandemie entstanden.
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Hund und Mensch als Team – dazwischen eine Menge Vertrauen, Erfahrung und Aufeinander-Verlassen-Können. Das sind die wichtigsten Komponenten, wenn Martin Brandtner und seine Kollegen von der Österreichischen Rettungshundebrigade (ÖRHB) zum Einsatz gerufen werden.

Aber wie werden Hund und Mensch ein so gutes Team, dass sie herausfordernde Einsätze meistern können?

Arbeit über Bezirks- und Regionsgrenzen hinweg

Martin Brandtner leitet die Staffel Heidenreichstein und ist Landeswirtschaftsreferent bei der ÖRHB. Er und seine „Finja“ sind bereits ein eingespieltes Team. Gemeinsam kommen sie der Hauptaufgabe der Rettungshundebrigade nach: der Suche vermisster Personen. In Heidenreichstein sind aktuell neun Personen tätig – alle ehrenamtlich. Das Einsatzgebiet beschränkt sich weder auf den Bezirk Gmünd, noch auf das Waldviertel: Hundeführer oder Helfer können nach ganz Niederösterreich und Wien gerufen werden. Weil: „Es kann ohnehin nicht immer jeder von der Arbeit weg“, sagt Brandtner.

Schnelles Handeln ist gefragt

Alarmieren kann die Rettungshundebrigade im Ernstfall jeder, es bedarf aber der Abstimmung mit der Exekutive, erklärt Brandtner. Gerufen wird sie in den meisten Fällen dann aber doch eher von Feuerwehr, Polizei oder Notruf NÖ. Die Hemmschwelle sei nämlich groß. Doch die Zeit drängt: Je frischer Spuren und Gerüche sind, umso einfacher ist die Arbeit für das Team aus Hund und Mensch in der Regel. „Was viele nicht wissen: Alle unsere Einsätze sind kostenlos. Wir urteilen auch nicht darüber, warum jemand weg ist. Wir wollen nur helfen – je schneller, desto besser.“

Was nicht so schnell geht, ist hingegen die Ausbildung

Bei der Rettungshundebrigade gibt es verschiedene Funktionen – nicht jede erfordert einen eigenen Hund. Auch Martin Brandtner ist anfangs als Helfer dazugekommen. „Man wächst dann von einem ins andere rein“, sagt er. Bis man mit einem Hund einsatzfähig ist, kann es schon mal zwei bis drei Jahre dauern. „Das heißt aber noch nicht, dass der Hund dann weiß, was er tun muss.“ Es braucht eben auch Erfahrung – bei Mensch und Tier.

Der erste Schritt zur Rettungshundebrigade ist die Kontaktaufnahme, alles weitere wird dann vereinbart. Am Anfang steht ein mehrmonatiges Schnuppern. Je nachdem, ob mit Vierbeiner oder ohne, gibt’s zwei Richtungen: Hundeführer oder Helfer. Voraussetzungen für Einsätze sind ein Mindestalter von 18 Jahren, absolvierte Landeseinsatzübung, Landesübung und ein aktueller Erste-Hilfe-Kurs. „Man darf nicht vergessen: Die Rettungshundeausbildung ist sehr zeitintensiv. Wir suchen immer Mitglieder, aber manche schreckt das eben ab“, sagt Brandtner. In Heidenreichstein wird zweimal pro Woche trainiert.

Ein Hobby, das verbindet

Die Tätigkeit bei der Rettungshundebrigade sei eine sinnvolle Beschäftigung mit dem eigenen Hund, betont Martin Brandtner. Und sie verbindet Hund und Mensch: „Der Hund lernt, dass er sich auf mich verlassen kann.“ Umgekehrt ist es auch so. Die Beziehung zwischen den Menschen ist genauso wichtig: „Wir sind in einer Gemeinschaft, wo jeder jeden unterstützt.“ Die Gruppe passt in Heidenreichstein: Gebürtig aus dem Bezirk Horn, hat Brandtner mehrere Jahre in der Burgstadt gelebt, bis er nach Hollabrunn gezogen ist. Dort gäbe es im Umkreis Hundestaffeln, die näher sind. Er wollte aber in Heidenreichstein bleiben. Das ist eben sein Team.

Für den Menschen kann die Tätigkeit sehr fordernd sein, schließlich ergibt nicht jede Suche ein glückliches Ende: „Aber wir machen es auch für die Angehörigen. Es kommt immer darauf an, wie man mit der Situation umgeht“, sagt Brandtner: „Ich muss immer damit rechnen, dass ich die gesuchte Person tot auffinde. Das ist mir selbst schon passiert. Aber die Angehörigen haben Gewissheit.“ Dafür gebe es auch Peer-Teams als Unterstützung.

Mit Covid kamen Spendenausfälle

Durchwachsen war das Vorjahr auch für die Rettungshundebrigade: weniger Prüfungen, weniger neue Mitglieder. „Wir haben auch ein verlorenes Jahr hinter uns. Aber wir müssen damit zurechtkommen, es wird wieder bessere Zeiten geben“, sagt Brandtner. Finanziert wird die Arbeit rein über Spenden. Die seien coronabedingt etwas gesunken – Spenden von Firmen gab es überhaupt kaum. Wer die Organisation unterstützen möchte, kann auch Trainingsgebiete wie Grundstücke oder alte Gebäude zur Verfügung stellen.

Der Hund im Mittelpunkt

Dass Martin Brandtners Australian Shepherd-Hündin Finja Freude an ihrer Arbeit hat, lässt sich schon auf dem Foto erkennen. „Es ist wichtig, dass der Hund daran Spaß hat“, weiß ihr Herrchen. Nicht jeder Hund eignet sich auch als Rettungshund: Er sollte eine gewisse Grundkondition haben – und von seinem Hundeführer auch getragen werden können. Finja ist mit ihren elf Jahren schon eine erfahrene Rettungshündin. Daneben bereits ein junges Tier auszubilden, will Brandtner nicht: „Sie hat so viel geleistet und soll auch weiterhin im Mittelpunkt stehen.“

Deshalb ist die Arbeit mit Hund auch noch nicht sein Hauptberuf geworden – obwohl er bereits konkrete Angebote erhalten habe. Der Nachteil daran: Er hätte einen Diensthund bekommen. „Da wäre mein eigener Hund zu kurz gekommen. Ich kann es mir aber grundsätzlich schon vorstellen.“ Auch darin äußert sich das Aufeinander-Verlassen-Können bei Martin Brandtner und Finja.

Und wenn die Zeit ihres Teams eines Tages vorbei ist? Daran will er noch nicht denken: „Ein Leben ohne Hund kann ich mir vielleicht für eine Zeit lang vorstellen, aber auf Dauer sicher nicht.“