Heidenreichstein

Update am 06. Februar 2019, 15:06

von Franz Dangl, Michael Schwab, Karin Widhalm und Markus Lohninger

Waldviertler Disco-Chefs sind über Bluttat empört. Waldviertler Disco-Chefs sind geschockt – sie heben Sicherheit in Lokalen hervor.

Hans-Peter Zottl von der Discothek Concorde in Gerweis zeigt sich über die Bluttat des Discogastes geschockt.  |  Archiv - René Denk

Der Wirbel um die Szenen vor der Disco „Ypsilon“ in Heidenreichstein am 3. Februar, die den Schwarzenauer Bernhard Ziegler (31) das Leben hätten kosten können, ist noch nicht abgeklungen. Nach dem blutigen Angriff eines wegen der Belästigung von Frauen des Lokals verwiesenen Afghanen (23) und dem auf Facebook über 22.000 Mal geteilten bzw. kommentierten Bericht des Opfers – das im Gmünder Bezirk vor allem auch als Fußballer beim Landesligisten Amaliendorf bekannt ist – drängen sich Fragen auf: Wie steht es um die Themen Gewalt und Sicherheit in den Discos des Waldviertels? Wie rüsten sich die Betreiber gegen Krawallbrüder, welche Entwicklungen sehen sie?

Disco-Chef Joachim Nöbauer betont im NÖN-Gespräch, generell keine Steigerung von Straftaten oder Gewaltakten in Heidenreichstein wahrzunehmen. Ausschreitungen im Lokal würden dank Security verlässlich im Keim erstickt. „Auch diesmal haben die Security-Leute den Unruhestifter sofort des Hauses verwiesen. Mit so einer Eskalation konnte jedoch nicht gerechnet werden, obwohl der Mann schon beim Verlassen der Disco mit Gegenständen um sich warf“, sagt Nöbauer. Seitens der Disco sei man in Sachen Alkohol jedenfalls penibel darauf bedacht, die Gesetze einzuhalten. „Jugendliche unter 16 Jahren haben keinen Zutritt. ‚Harte’ Getränke bzw. Tabakkonsum sind erst ab 18 Jahren erlaubt, darauf wird hohes Augenmerk gelegt“, sagt Nöbauer, der mit seinem Team der Sicherheit und dem Wohlergehen der Gäste hohe Priorität einräumt.

Die Eskalation in der Burgstadt ist auch in anderen Waldviertler Discos Thema. Empört zeigt sich etwa Martin Zimierski, einer der Betreiber der „Evebar“. „Das ist ein Wahnsinn.“ Handgreiflichkeiten kämen in Vitis so gut wie nicht vor, denn: „Wir führen eine Türpolitik.“ Aggressive Nachteulen dürfen erst gar nicht die Schwelle übertreten.

Das fruchtet: „Ich kann mich in den letzten eineinhalb Jahren an keinen Vorfall erinnern“. Passiert doch etwas, setzt es Disco-Verweise bis zum Hausverbot. Die fünf Securitys würden die „Handvoll Wiederholungstäter“ bestens kennen, sagt Zimierski: „Wir sind auf jeden Fall auf die Sicherheit unserer Gäste bedacht – sie sagen uns auch immer wieder, dass sie sich bei uns wohlfühlen.“

Geschockt ist auch der Betreiber der Disco Concorde in Gerweis (Bezirk Zwettl), Hans-Peter Zottl: „Bisher hörte man von solchen Vorfällen nur aus Großstädten. Das Schlimmste, was in unserer Disco im Laufe von 23 Jahren passierte, war, dass jemand einem anderen eine Bierflasche auf den Kopf schlug“. Einen generellen Anstieg der Gewaltbereitsschaft stellt auch er nicht fest. Gäste, die sich daneben benehmen, andere Besucher belästigen oder Raufereien anzetteln, werden von den Securitys sofort des Lokals verwiesen. „Bestimmte, waldviertelweit bekannte Kandidaten dürfen erst gar nicht in die Disco rein“, fügt Zottl hinzu.

„Hat nichts mit der Nationalität zu tun“

Personen den Zutritt nur aufgrund ihrer Nationalität zu verweigern, kommt für Zottl nicht infrage. „Vor einem Jahrzehnt hatten wir mit Türken aus St. Pölten Probleme, die laufend Raufereien starteten. Damals ließen wir generell keine Türken mehr rein. Das wollen wir aber nicht wieder tun, es wäre die allerletzte Option“, stellt er klar. Auf eine Ausländer-Debatte lässt sich auch der „Ypsilon“-Chef nicht ein: „Das hat nichts mit der Nationalität zu tun, ist mehr dem übermäßigen Alkoholkonsum geschuldet.“

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