Bezirk Gmünd: Mehr als 30 Neuinfektionen in 48 Stunden. Auf der Achterbahnfahrt des Gmünder Bezirkes in Sachen Coronavirus geht es nach einigen vergleichbar entspannten Tagen plötzlich wieder steil nach oben: Mehr als 30 Neuinfektionen innerhalb von 48 Stunden stellen einen neuen Höchstwert seit Ausbruch der Pandemie dar. Dennoch: Vorerst keine Ampelfarbe Rot.

Von Markus Lohninger und Karin Pollak. Erstellt am 22. Oktober 2020 (19:48)
Markus Lohninger / Privat

„Wir kommen ans Limit“, beschreibt Bezirkshauptmann Stefan Grusch die Situation in der Behörde hinsichtlich der Aufarbeitung der Positivtestungen bis hin zur Kontakterhebung und Kontaktinformation. Den mehr als 30 Neuinfizierten innerhalb von 48 Stunden standen ihm zufolge nur neun Genesungen gegenüber, der Gmünder Bezirk zog laut Information der AGES in der Bilanz der Gesamtinfektionen mit 215 Covid-19-Fällen erstmals mit Nachbarbezirk Waidhofen gleich. 

Kein System hinter aktuellen Ausbreitungen 

Die Quellensuche gestaltet sich für Epidemieärzte und Behörde schwierig, erklärt Grusch: „Wir erkennen kein wirkliches zweites Cluster, kein System hinter der Ausbreitung. Die Verteilung innerhalb des Gmünder Bezirkes ist insgesamt hoch.“ Auch Gewerbebetriebe seien mehrfach von CoV-Infektionen betroffen. Den Bezirkshauptmann beschleicht dabei „das Gefühl, dass wir beim Contact Tracing nicht ganz vollständig informiert werden. Plötzlich arbeitet jeder Beschäftigte offiziell alleine.“ Zehn Tage Quarantäne auch von negativ getesteten Mitarbeitern bedeuten freilich mitunter eine betriebswirtschaftliche Belastung. 


Keine Probleme bei Pflege, Infektionen in Chor nur Einzelfälle

Bezirkshauptmann Grusch betont, dass der Gmünder Bezirk bis dato von Infektionswellen im Pflegebereich verschont geblieben sei. Gerüchte über eine stärkere Häufung im Kirchenchor der Pfarre Gmünd-Neustadt entkräftet dessen Chorleiter Christoph Maaß auf NÖN-Nachfrage. Er selbst ist an Covid-19 erkrankt, genauso auch eine Sängerin des Kirchenchores, die Infektionen seien unabhängig voneinander entstanden. Weitere Fälle gibt es laut Maaß in dem Zusammenhang aktuell aber nicht, auch nicht in der Allgemeinen Sonderschule, an der er als Religionslehrer tätig ist.

„Ich habe von meiner Erkrankung am 16. Oktober erfahren. Angesteckt hatte ich mich bei einem Konzert im Bezirk Zwettl, wo ich in meiner Funktion als Regionalkantor am Klavier mitgewirkt habe“, erzählt Maaß. Ihm gehe es gut, Symptome habe er keine.


Rote Ampel bleibt dem Bezirk neuerlich erspart

Dank der bis 20. Oktober stark rückläufigen Entwicklung bleibt der Gmünder Bezirk im Ampelsystem trotz der aktuellen Häufungen auf Orange – und das, obwohl Gmünd hinsichtlich der „7-Tage-Inzidenz“ aktuell mit dem Wert von 144 knapp über dem Bezirk Mödling liegt, der ab Freitag einer von fünf „roten“ Bezirken in Niederösterreich ist.