Hoheneich

Erstellt am 24. November 2017, 04:39

von Markus Lohninger

Neue Probleme nach dem Stidl-Wehr-Abriss. Brücke ist denkmalgeschützt: Zubetonieren des Braunau-Durchlasses im Zuge des Wehr-Abrisses war nicht genehmigt.

Der zubetonierte Durchfluss der Braunaubach-Brücke auf Höhe Silbernagel beschäftigt seit voriger Woche das Bundesdenkmalamt BDA.  |  privat

Die heftige Auseinandersetzung zur Zukunft der Stidl-Wehranlage an der Braunaubrücke in Hoheneich hatte in 14 Jahren allerhand verbrannte Erde hinterlassen, ehe die Bezirkshauptmannschaft Ende September endgültig den Abriss der Anlage veranlasst hatte.

Zu Ende ist die leidige Causa damit aber noch immer nicht: Seit wenigen Tagen beschäftigt sich das Bundesdenkmalamt mit der im selben Atemzug veranlassten Zubetonierung eines Brückendurchlasses in Richtung Firma Silbernagel (die NÖN berichtete über die Maßnahme).

Die zwischen 17. und 18. Jahrhundert geschaffene, massive Steinbrücke über den Braunaubach (aber nicht die Wehr selbst) fällt nämlich in das anno 1923 per Verordnung nach §2a erlassene Denkmalschutzgesetz.

Und am Zustand der Brücke darf ohne Zustimmung des Denkmalamtes (BDA), wie Stephan Bstieler von der „Abteilung für Spezialmaterien“ auf NÖN-Nachfrage bestätigt, nichts verändert werden: „Bei unter Schutz stehenden Denkmalen ist grundsätzlich jede Veränderung, die den Bestand, die überlieferte Erscheinung oder künstlerische Wirkung beeinflussen könnte, ohne Bewilligung des Bundesdenkmalamtes laut Denkmalschutzgesetz verboten.“

„Wäre der Schutz-Aspekt früher gebracht worden, dann hätte das die Sache vielleicht vom Start weg in eine andere Richtung laufen lassen.“ VP-Bürgermeister Grümeyer

Wolle jemand etwas an einem Denkmal ändern, so müsse er sein Vorhaben dem BDA darlegen – und das Amt müsse die genannten Argumente gegenüber den Gründen abwägen, die „für die unveränderte Erhaltung des Denkmals sprechen“. Im Fall der Hoheneicher Brücke habe es aber weder ein solches Bewilligungsansuchen, noch irgendwelche Vorgespräche gegeben, beteuert Stephan Bstieler: Man werde sich daher, durch die Bevölkerung auf den Fall aufmerksam gemacht, um die „Klärung der Angelegenheit kümmern“.

Bezirkshauptmann spielt Ball ans BDA zurück

Seitens der Bezirkshauptmannschaft spielt Stefan Grusch den Ball allerdings ans BDA zurück. Dieses habe es zweimal unterlassen, die Behörde als Eigentümerin der Brücke über die Unterschutzstellung zu informieren, sagt der Bezirkshauptmann: Nach der vorläufigen Unterschutzstellung 1923 hätte es anno 1999, als das Denkmalamt die Denkmäler definitiv festgelegt habe, eine Benachrichtigung geben müssen – und dann noch einmal im Jahr 2003 im Zuge der wasserrechtlichen Vorkehrungen, die nun zum Wehr-Abriss führten. „Es mangelte an der Informations-Weitergabe, ich sehe kein Verschulden von Gemeinde oder Bezirkshauptmannschaft“, betont Grusch.

privat

Bürgermeister Christian Grümeyer (ÖVP) bedauert gegenüber der NÖN, dass der Schutz-Aspekt nicht schon während der Endlos-Debatte aus der Bevölkerung eingebracht wurde. „Das hätte die Sache vielleicht vom Start weg in eine andere Richtung laufen lassen“, sagt er. Seitens der Marktgemeinde – die als Eigentümerin der Wehr-Anlage an die 25.000 Euro für den Abriss hinblättern hatte müssen – will er sich aber in die nunmehrige Angelegenheit nicht einmischen „Wir sind nur die Zahler. Jetzt sind Bezirkshauptmannschaft und Denkmalamt am Zug.“

Seitens des BDA in Wien will sich der stellvertretende Abteilungsleiter für Spezialmaterien Bstieler zur Frage, ob man einer Zubetonierung im Fall einer Anfrage zustimmen hätte können, bzw. was nach der erfolgten Maßnahme getan werden könne, nicht äußern. Bezirkshauptmann Grusch kündigt für kommende Woche Vor-Ort-Gespräche mit der Gemeindeführung an. Dabei soll geprüft werden, inwiefern den Aspekten des Denkmalschutzes entsprochen werden könne. Mögliche Maßnahmen sollen dann auch mit dem BDA besprochen werden.

Offen dürfte dennoch eine nicht unwesentliche Frage bleiben: Wer wird angesichts des rechtlich diffizilen Hintergrundes für die Kosten aufkommen?