Fernlehre: Wie ist die Stimmung im Bezirk Gmünd?. Es ist für Schüler, Lehrer und Eltern herausfordernd. Eine Zwischenbilanz nach mehreren Wochen digitalen Unterrichts.

Von Anna Hohenbichler und Karin Pollak. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:24)
Für die 7. Klassen des Gymnasiums  stand am Montag Mathematik am Stundenplan – freilich digital.
privat

Das Zuhause ist gleichzeitig die Schule, das Wohnzimmer dient als Klassenzimmer, der Esstisch schon längst auch als Schultisch. Das bleibt vorerst auch so: Stand bis vor kurzem eine Rückkehr der Schüler noch im Jänner im Raum, geht das Distance Learning nun doch bis zu den Semesterferien weiter. Wie läuft das Homeschooling im Bezirk?

„Das Homeschooling funktioniert gut“, meint Christian Skoll, Direktor der Mittelschule für Musik und Ökologie in Gmünd und der Mittelschule Bad Großpertholz sowie des Volksschulverbandes Bad Großpertholz/St. Martin. Aber: „Anstrengend und mühsam ist das für alle – auch für die Lehrer. Sie betreuen Schüler in der Schule und im Fernunterricht.“ Dazu kommt die Vorbereitung, Korrektur der erledigten Arbeitsblätter und die Kommunikation mit den Eltern. Trotz der vielen Tage im Distance-Learning gebe es aber wenig Defizite zum Lehrplan.

Eine Basis zur Benotung des ersten Halbjahres sei da: „Es gab Schularbeiten, Referate und die Mitarbeit. Es wird sicherlich etwas kulanter benotet, aber es handelt sich ja um eine Schulnachricht“, sagt Skoll: „Wir sitzen alle im selben Boot und wären froh, wenn Schule wieder normal funktionieren könnte. Wie die Schüler zu ihren Schulnachrichten kommen werden, ist derzeit noch unklar.“

Buchstaben-Lernen dauert länger als üblich

Den Lehrern fehle beim Distance Learning die direkte Rückmeldung der Schüler, resümiert Hubert Prinz, Direktor der Mittelschule Weitra und der Volksschulen Weitra, Unserfrau und Harbach: „Vor Ort kann jeder Lehrer sofort reagieren, wenn ein Schüler Probleme mit dem Lernstoff hat.“ Für die Schulnachrichten könne er „pädagogisch vertretbare Noten“ zusichern – auch für Volksschüler, wo das „Buchstaben-Lernen etwas länger als üblich dauert“.

Stimmung bei Eltern schlecht

„Ich trau mich gar niemanden mehr zu fragen, wie es geht. Die Resignation ist sehr groß“, sagt indes Thomas Miksch, Elternvereins-Obmann der Volksschule Gmünd: „Bei weiteren Lockdowns wäre vieles möglich, was Erleichterungen für alle Betroffenen bringen würde. Aber die versprochenen Laptops für die Volksschüler sind noch immer nicht da, auch die Lernplattform gibt es noch nicht. Krisen zeigen einmal Schwachstellen auf – und die gibt es. Leider ist seit dem Frühjahr dahingehend nichts passiert.“

Er spricht sich für eine erneute „Sommerschule“ aus, die es auch im Vorjahr schon gab – und die jenen Schülern helfe, die unterm Schuljahr auf der Strecke geblieben sind.

Höhere Schulen: Wie bleibt die Motivation?

Der praktische Umgang mit der digitalen Lehre ist für die älteren Schüler meist das geringste Problem. Der Unterricht über Microsoft Teams funktioniere gut, sagt Schulzentrum-Sprecherin Pauline Wais. Aber: Die Motivation sei anfangs noch größer gewesen. „Man vermisst den normalen Schulalltag schon, auch die Kommunikation mit Schulkollegen fehlt“, betont sie.

Die Matura ist dabei im Hinterkopf: „Wenn man daran denkt, dass der Stoff für die Matura wichtig ist, motiviert einen das auch fürs Lernen.“ Die Lehrer seien aber eine große Stütze hinsichtlich der Motivation.

Trotzdem: Was hilft, um den Kopf beim digitalen Lernen nicht in den Sand zu stecken? „Ich schreibe mir eine tägliche To-do-Liste, stehe eine Stunde vor dem Unterricht auf, um genug Zeit zum Frühstücken zu haben und denke mir, dass es irgendwann wieder besser wird.“

Auch Bewegung hilft

Dass Struktur und ein fixer Tagesablauf wichtig im Homeschooling sind, bestätigt auch Gym-Schulsprecherin Liliane Binder: „Je länger wir nicht im normalen Tagesablauf der Schule sind, umso schwieriger wird es mit der Motivation.“ Ihr selbst helfe Sport und Bewegung an der frischen Luft. Und – um den sozialen Kontakt nicht ganz zu verlieren – Telefonate und Videokonferenzen mit Schulkollegen.

Dabei können dann freilich auch schulische Fragen geklärt werden.

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