Neue „Stern“-Stunde: Wechsel am Gmünder Schirm

Hotelier-Duo Christian Kölling/Mark Bauer will parallel zu Stern auch „Franzi‘s Schirm“ am Stadtplatz betreiben und neu beleben.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:17
„Stern“-Hotelchefs Christian Kölling (links) und Mark Bauer
Die „Stern“-Hotelchefs Christian Kölling (links) und Mark Bauer wagen den nächsten Schritt am Gmünder Stadtplatz: Sie wollen „Franzi‘s Schirm“ nach turbulenten Jahren endlich wieder in ruhige Gewässer führen und zum Anziehungspunkt machen.
Foto: kubator, Philipp Anderl

Bald 30 Jahre ist es her, seit Franziska Thaller nach Anregung durch den damaligen Gmünder Bürgermeister Alfred Drach mit einem kleinen Barbetrieb hinter dem Alten Rathaus gestartet hatte. Die Bar erlangte in der Folge als „Franzi‘s Schirm“ weithin Bekanntheit, wurde Schritt für Schritt zum winterfesten Massivbau erweitert. Die Freude, die Thaller als aktive Betreiberin damit hatte, blieb ihr nach 2013 im Ruhestand noch verwehrt. Mit dem bereits fünften Pächter zeichnet sich aber nun doch endlich eine Dauerlösung ab.

Das innovative Hotelier-Duo Christian Kölling und Mark Bauer, das mitten im Coronajahr 2020 den „Goldenen Stern“ am Stadtplatz gekauft und ihm danach als „Hotel & Restaurant Stern“ neues Leben eingehaucht hatte, kündigt für die Fußgängerzone eine neue „Stern-Stunde“ an. Es hat sich nun kurzfristig dazu entschlossen, auch den Schirm zu übernehmen und einer „Bar-Ikone ein völlig neues Image zu verleihen“. Alles sei sehr schnell gegangen, sagt Kölling: „Binnen weniger Stunden mussten wir uns entscheiden, ob wir die Schirmbar übernehmen möchten, und als dann schon die ersten Ideen sprudelten, war es rasch klar: Wir machen das!“

Ziel: Chefin vor Ort und dazu der Rückhalt vom Stern

Zur Wiederbelebung brauche es Mut, Ehrlichkeit sich und – auch hinsichtlich Produkt-Qualität – den Gästen gegenüber, Visionen, um das Ziel auch in schwierigen Zeiten nicht aus den Augen zu verlieren – und Ideen, um das Publikum immer wieder neu zu begeistern. Für die operative Umsetzung sind Kölling und Bauer derzeit dabei, eine neue Mitarbeiterin einzustellen, die vor Ort die Leitung innehat und für die Gäste als „Gesicht des Schirms“ wiedererkennbar ist. Der Rest sei mit dem Stern verknüpfbar, sagt Kölling: Das Hotel-Restaurant könne neben Logistik und Lager bedarfsabhängig auch weiteres Personal entsenden – ein großes Plus für Tage ungewisser Wetter-Entwicklung, die die Personalplanung am Schirm in der Vergangenheit wie berichtet immer zur Herausforderung gemacht hatten.

Die Verbindung von Schirm und Hotel-Restaurant Stern ist es, die auch Inhaberin „Franzi“ Thaller hoffen lässt, dass ihr Lebenswerk nun wirklich in eine Zukunft ohne Sorgen und Pächtersuchen geführt wird. „Mich freut vor allem auch, dass der Impuls von Christian und Mark selbst ausging“, übt sie sich nach den turbulenten Jahren – in denen sie mangels Alternativen an manchen Tagen wieder selbst hinter der Bar stehen musste – in sanfter Zuversicht.

Was sich das Duo unter einem „völlig neuen Image“ vorstellt, das wird noch nicht verraten. Das klare Ziel sei es aber, den Schirm wieder zum Treffpunkt, zu Kaffee- und Jausen-Anlaufstelle für Gmünder und Touristen zu machen, den Tourismus in der Region zu stärken, und – so Stern-Miteigentümer Mark Bauer – „mit unseren frischen Ideen der Stadt Gmünd dabei zu helfen, ihre schönen Plätze und Orte wieder zu beleben“. Angekündigt werden ganztägige Öffnungszeiten, die Verarbeitung heimischer Bio-Produkte sowie Präsentationen neuer Köstlichkeiten aus dem Waldviertel.

Richtig starten wollen Bauer und Kölling im April 2022, bis dahin ist eine Öffnung an Wochenenden oder zu Anlässen wie Weihnachten und Silvester denkbar – wenn das die Covid-Situation erlaubt.

Cool in die Pause: „Wissen jetzt, wie Lockdown geht“

Covid ist natürlich auch Thema im Stern. „Begeistert sind wir nicht über den Lockdown“, sagt Christian Kölling. Die Ehrfurcht davor sei aber geringer als beim ersten: „Wir wissen jetzt, wie Lockdown geht.“ Sämtliche geplante Weihnachtsfeiern seien schon vorm Wochenende abgesagt gewesen. Geöffnet ist vorläufig nur für berufsbedingte Nächtigungen. Am Wochenende herrschte wie in vielen Einrichtungen noch Vollbetrieb, schon am Freitagmittag waren alle Stuben vollbesetzt. Zugleich gingen auch wieder Bestellungen für Mahlzeiten zum Abholen in die Höhe.

Kurzarbeit ist aktuell kein Thema. Kölling: Das Geschäft sei im Sommer heftig gelaufen, „wir mussten fünf zusätzliche Leute im Service aufnehmen, können die drei Lockdown-Wochen mit dem Abbau von Überstunden und Urlauben überbrücken“. Werde die Auszeit verlängert, müsse wohl Kurzarbeit in Anspruch genommen werden – ein Personal-Abbau stehe aber nicht zur Debatte.

Der im Sommer eröffnete „Pop-Up-Garten“ im ehemaligen Hotel-Heurigen habe sich bei Events sehr bewährt, im Alltag noch weniger. Hier soll daher die freie Zeit zur Gestaltung eines Eventplanes genutzt werden, der zumindest jedes Wochenende ein Thema hat. Fix angekündigt wird dazu, sobald es rechtlich möglich ist, der Betrieb einer Punschhütte.