Ein Leben mit und für die Pferde in Großneusiedl. Fast sein ganzes Leben lang beschäftigt sich Franz Grünbeck mit Pferden. Seine Seminare sind auch im Ausland begehrt.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 16. Mai 2021 (04:21)
Gemeinsam Pferde stehlen? Mit seiner Lebensgefährtin Anita Gabler lebt Franz Grünbeck am Pferde-Therapiezentrum in Großneusiedl. Neben sieben eigenen Pferden gehört auch ihr Hund zur Familie.
 
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Neugierig sind die Blicke der Menschen und ihrer Pferde, als eine Besucherin die große Reithalle betritt und auf der Zuschauertribüne Platz nimmt. Für einen Moment scheinen sie von ihren Übungen abgelenkt zu sein. Hoffentlich nicht zu sehr? „Letzte Übung für heute“, sagt Franz Grünbeck. Fünf vierbeinige und etwa doppelt so viele zweibeinige Kursteilnehmer hat er zu Gast. Zum Vorzeigen wählt er einen Hengst, erklärt an ihm die Übung und führt ihn gekonnt. Pferde und Pferdebesitzer beobachten ihn konzentriert, vielleicht auch ein bisschen überfragt. Der Seminartag war lang.

Vor etwa zehn Jahren hat Franz Grünbeck seinen ersten Lehrgang nach dem Konzept des „Horse Bodyforming“ ausgebildet. Die NÖN besuchte seinen Pferdehof in Großneusiedl.

Landwirtschaft wurde zu Pferde-Therapiezentrum

Vor 20 Jahren hat Franz Grünbeck die Halle gebaut. Stallanlagen, Lagerhallen und Trainingsbereiche umfassen etwa ein halbes Hektar. „Wir haben hier eine spezialisierte Anlage, deren Schwerpunkt im Bereich Pferdegesundheit liegt“, erklärt er. Ursprünglich war das ein landwirtschaftlicher Betrieb. Grünbeck ist hier aufgewachsen, bezeichnet sich als „Original-Großneusiedler“.

Seine Seminarteilnehmer bringen eigene Pferde mit. Am Hof wäre Platz für 20 Fremdpferde, sagt er. Sieben eigene haben er und seine Lebensgefährtin Anita Gabler. Die Stuten und Wallache leben in einem „Sozial integrativen Bewegungsstall“ – sprich alle gemeinsam auf einem gepflegten Areal mit überdachten und freien Flächen.

Internationale Instruktoren

Was Franz Grünbeck hauptsächlich anbietet, sind Instruktoren-Ausbildungen nach seinem „Horse Bodyforming“-Konzept. Danach dürfen die Instruktoren selbst nach dem Konzept von Franz Grünbeck unterrichten. Teilnehmer kommen auch aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Erst vor kurzem habe eine Teilnehmerin wieder den weiten Weg von Hamburg nach Großneusiedl angetreten, erzählt er. Und spricht von rund 500 Nächtigungen im Jahr, die durch seine Seminare zustande kommen. Dass auch zu Coronazeiten Seminare stattfinden dürfen, liege an der beruflichen Ausbildung. „Negative Covid-Testergebnisse und regelmäßiges Lüften sehen wir dafür als Voraussetzung“, betont Grünbeck.

Ein ganzes Leben „Pferdenarr“

Zarte 19 Jahre jung war Franz Grünbeck, als er sein erstes eigenes Pferd bekommen hat. Mit den Tieren beschäftigt er sich aber schon seit über 40 Jahren, ist zudem gelernter Hufschmied. Zum Westernreiten hat es ihn seinerzeit in die USA verschlagen. „Ich habe mein Know-how international weiterentwickelt, es steckt viel Forschungsarbeit dahinter“, sagt er.

Anita Gabler ist inzwischen viel mehr als seine Lebensgefährtin: Sie unterstützt den Betrieb im Backoffice, kümmert sich um Organisation und Administration. Waren die Pferde anfangs nur ihr Hobby, ist es nun eine Vollzeit-Beschäftigung. „Das ist sehr spannend“, sagt sie und lacht: „Der Pferdenarr ist aber schon Franz.“ Was gefällt ihm an den Tieren? „Pferde sind faszinierende Wesen und die ausbilden zu dürfen, ist der tollste Beruf, den ich mir vorstellen kann“, sagt er. So kam es, dass er sich vor gut zehn Jahren mit „Horse Bodyforming“ selbständig gemacht hat.

Anfänglicher Gegenwind

Das ist ein von Franz Grünbeck entwickeltes Trainingskonzept, das fasziale Bewegungseinschränkungen bei Pferden lösen und ihre Stabilisationsmuskulatur stärken soll. Nicht selten arbeitet er mit Pferden, die als „austherapiert“ gelten, nach dem Training aber neue Lebensqualität erlangen. Dem zugrunde liegen zwei Patente von ihm: der „Horse Bodyformer“ und das „Mobility Bridle“.

Dass die Anfangszeit einige Herausforderungen parat hatte, gibt Franz Grünbeck zu. Besonders am österreichischen Markt sei die Skepsis groß gewesen, er habe es dann über den deutschen Markt versucht. „In Österreich konnten sich viele Leute nicht vorstellen, dass das Konzept wirkt“, blickt er zurück. Diesen Gegenwind scheint er heute überwunden zu haben.

Zurück in die Reithalle

 Als Franz Grünbeck dort die letzte Übung des Tages vorgezeigt hat, schien es, als würde das Pferd ganz genau das machen, was er von ihm erwartet. Die Arbeit mit dem Pferd sei letztlich auch eine Arbeit mit seinem Besitzer, sagt Grünbeck. So überfragt die Gesichter beim Üben anfangs noch ausgesehen haben: Nach einigen Wiederholungen zeigt sich die Verbesserung deutlich – bei Mensch und Pferd.