Frank-Reisen-Chef: „Situation ist dramatisch“. Frank-Reisen-Chef Wurz: Der Crash Frank-Reisen, mit etwa 90 Beschäftigten größtes Waldviertler Bus- & Reisebüro-Unternehmen, brach durch Covid-19 in kürzester Zeit das Hauptgeschäftsfeld weg. Geschäftsführer Christoph Wurz sprach mit NÖN-Waldviertel-Chef Markus Lohninger. des Reisegeschäftes, das Risiko der Kurzarbeit, Kundentreue. Hoffnung.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 01. April 2020 (05:28)
zVg

NÖN: Die NÖN hat in ihrem Beitrag über die Auswirkungen der da noch jungen Coronakrise auf das Reiseprogramm von Frank-Reisen die Wucht der Ereignisse hautnah miterlebt: Der an einem Tag verfasste Artikel war schon am nächsten nicht mehr gültig. Wie blicken Sie auf die Tage zurück, als das Reisegeschäft kurzerhand zusammengebrochen ist?

Christoph Wurz: Der Frühling war quasi ausgebucht, wir hatten richtig gute Busreisen. Niemand kann etwas dafür, aber innerhalb von vier Tagen war alles zerstört. Seither heißt es, gebuchte Reisen bis Ende April rückabzuwickeln, den Kontakt mit Kunden aufzunehmen, Reservierungen zu stornieren. Unsere Branche hat es mit voller Wucht erwischt, die Situation ist wirklich dramatisch. Wir mussten die Belegschaft reduzieren, weil wir in einigen Bereichen keinen Umsatz und für einige wirklich keine Arbeit haben.

Kurzarbeit war kein Thema?

Wurz: Wenn null hereinkommt, kann man null ausgeben. Wir müssten für Kurzarbeit drei Monate lang Gehälter vorauszahlen und alle Mitarbeiter danach sofort normal weiter beschäftigen – obwohl nicht absehbar ist, in welche Richtung sich die Branche etwa bei geschlossenen Grenzen entwickelt. Würden wir Kurzarbeit umsetzen, dann würden wir die gesamte Firma aufs Spiel setzen! Für unsere Branche gibt es kein ausreichendes Unterstützungs-Modell.

Was macht die Situation eines Reiseveranstalters in dieser Zeit besonders?

Christoph Wurz ist Geschäftsführer von Frank-Reisen mit Sitz in Waidhofen.
frankreisen.at

Wurz: Reiseveranstalter müssen Ausgaben aktuell ein zweites Mal zahlen. Im Vorfeld müssen Reisemesse, Katalog-Produktion, Werbung oder der gesamte organisatorische Bereich finanziert werden. Anzahlungen von Kunden für Reisen sind das Geld, mit dem wir arbeiten können, auch um Gehälter, Mieten oder den Fuhrpark zu finanzieren. Jetzt zahlen wir Kundengelder zurück, ohne dass sich die Ausgaben geändert hätten. Wir haben bereits einige Hunderttausend Euro an Kunden rücküberwiesen. Es ist nicht absehbar, wann das Reisegeschäft wieder anlaufen kann…

Wie viele Beschäftigte bindet der organisatorische Bereich normal?

Wurz: Wir reden hier von 16 Mitarbeitern. Sechs davon sind ganzjährig primär damit beschäftigt, unsere Reiseprogramme zusammenzustellen. Wir veranstalten in Eigenregie um die 400 Gruppenreisen pro Jahr, erstellen Reiseverläufe, organisieren alle Bereiche vom Transport über das Hotel bis zum Reiseleiter. Jetzt stehen viele Busse – wir wissen gar nicht, wie lange noch.

Muss man sich um die Zukunft von Frank-Reisen Sorgen machen?

Wurz: Manche Firmen in der Branche werden das Virus vermutlich nicht überleben, für Frank-Reisen bin ich aber aufgrund unserer insgesamt gesunden Struktur sehr zuversichtlich. Wir haben vor der Coronakrise gottseidank Reserven aufbauen können, dadurch bleibt der Betrieb liquidatorisch stabil. Aber es ist ein riesiger Schaden entstanden, aus aktueller Sicht sind nach einem wirklich sehr guten Jahr mindestens 30 Arbeitsplätze gefährdet.

Frank-Reisen hat immerhin das Plus des laufenden Linienbus-Verkehrs neben dem Reisegeschäft…

Wurz: …dass wir mehrere Standbeine haben, kommt uns jetzt zugute: 40 Linienbusse sind noch unterwegs, ein Großteil der Buslenker kann noch arbeiten. Der Linienverkehr bringt uns durch diese harte Zeit.

Gibt es auch positive Erkenntnisse aus der Coronakrise?

Wurz: Absolut. Ich nehme eine unglaubliche Treue vieler Kunden wahr, die uns per Telefon, Mail oder Post aufmuntern, die angezahltes Geld oft als Guthaben stehen lassen. Ich bin sehr dankbar dafür. Wer möchte, bekommt sein Geld für eine abgesagte Reise natürlich unkompliziert zurück. Lieber ist uns, wenn Kunden ihre Reise in den Herbst verschieben. Die Ereignisse zeigen den starken Zusammenhalt mit langjährigen Kunden und auch in der Belegschaft auf. Die Mitarbeiter haben dem Maßnahmenpaket, das getroffen werden musste, freiwillig zugestimmt. Wir alle freuen uns auf den Moment, in dem es wieder losgeht!