Leyrer+Graf: Mehr Personal und Umsatz denn je. 50 % mehr Mitarbeiter und 80 % mehr Umsatz binnen fünf Jahren: Leyrer+Graf-CEO Stefan Graf über Beschäftigung, Freizeit, Konjunktur – und Rankings.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 27. Februar 2019 (05:01)
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L+G-Chef Stefan Graf: „Wachstum ist nicht das Ziel. Trotzdem geschieht es, wenn ein System in einem Unternehmen dazu führt.“

Umwälzungen in der Geschäftsführung, Höchststände bei Beschäftigten (2.116) und Umsatz (360 Millionen Euro) – der Motor brummt in der Unternehmensgruppe Leyrer+Graf mit Sitz in Gmünd. Als Draufgabe wurde CEO Stefan Graf im jüngsten Ranking des Fachblattes „Solid“ für die „Top-200-Manager“ der Bau- und Immobilienbranche die Nummer eins Niederösterreichs und Achter in Österreich. NÖN-Waldviertel-Chef Markus Lohninger sprach mit ihm.

NÖN: Eine mehr als 30-köpfige Expertenjury hat Sie unter 500 Managern der Bau- und Immobilienbranche an die bundesweit achte und landesweit erste Stelle gereiht. Was bedeutet dieses Ergebnis? Was kommt als Nächstes?
Stefan Graf: Ich hatte mich schon im Vorjahr über den 23. Platz gefreut, bin nun natürlich positiv überrascht und fühle mich geehrt – immerhin resultiert das Ranking aus einem Punktesystem, in dem es um Aspekte wie Bekanntheit, Bedeutung oder Vernetzung geht. Das wird in der Branche sehr wohl wahrgenommen, ich bekam bereits mehrere Gratulationen. Ein bestimmter Platz in einem Ranking ist aber kein Ziel: Ich sehe es vielmehr als ein Barometer für die Positionierung des Unternehmens in der Branche.

Was macht einen Manager, einen Betrieb, besser oder schlechter?
Graf: Alle kochen mit demselben Wasser, arbeiten mit ähnlichen Zutaten – den Ausschlag geben betriebswirtschaftliche und unternehmerische Aspekte. Wir orientieren uns nicht an anderen, gehen unseren eigenen Weg: Trotzdem verfolgt man mit, wo andere stehen und wie sie am Markt agieren.

Wie Leyrer+Graf agiert, das kann man auch am Firmensitz in Gmünd mitverfolgen: Seit Jahren wird hier praktisch immer ausgebaut. Es scheint nur in eine Richtung zu gehen – nach oben.
Graf: Ja, der Umsatz schnellte seit 2013 von knapp unter 200 Millionen Euro um etwa 80 Prozent nach oben – 2018 werden es nach Abschluss der letzten Kostenrechnungsläufe fast 360 Millionen Euro sein. Das bestätigt uns, gibt Beschäftigung, wodurch wir gegen Oktober/November 2018 mit 2.116 Mitarbeitern den bisherigen Höchststand verzeichneten – 700 mehr als vor fünf Jahren. Heuer wird die letzte Drittel-Übernahme von Ploier+Hörmann abgeschlossen, dadurch stoßen weitere etwa 80 Mitarbeiter und zehn Millionen Euro Umsatz zur Leyrer+Graf-Unternehmensgruppe. Eine solche Entwicklung muss aber organisatorisch bewältigt werden: Doppelter Umsatz bedeutet in manchen Bereichen mehr als doppelten Aufwand. Die Komplexität nimmt zu.

Inwiefern ist davon die Zentrale in Gmünd betroffen? Was bewirkt der aktuelle Büro-Zubau?
Graf: Als Bauunternehmen sind wir notwendigerweise auf viele Standorte verteilt. Es braucht aber einen zentralen Punkt, an dem die Fäden zusammenlaufen. In der Unternehmenszentrale in Gmünd arbeiten mittlerweile 180 Angestellte, teils schon dicht aneinandergedrängt. Mit dem Zubau befreien wir uns, schaffen mehr Raum und zusätzliche Reserveflächen für mehrere Jahre.

Was sind die Eckdaten des Zubaus? Inwieweit sind die bestehenden Büros davon betroffen?
Graf: Ein zusätzlicher Gebäudetrakt wird eingezogen, dafür wurde auch die alte Dienstwohnung, in der meine Familie bis 1989 gelebt hatte, abgerissen. Wir wollen für Investitionskosten von 5,5 Millionen Euro etwa 2.000 m² Nutzfläche auf drei Ebenen neu schaffen. Dadurch entstehen Besprechungszimmer, Begegnungszonen und etwa 45 zusätzliche Büroräume, auch mein Büro wird übersiedelt. Im Zuge des Zubaus wird auch das komplette Bestandsgebäude klimatisiert und technisch auf den neuesten Stand gebracht.

Wie stehen Sie als Arbeitgeber eigentlich zu Debatten wie jener um den Karfreitag als Feiertag?
Graf: Der Tag fällt heuer in eine „kurze Woche“, an der bei uns freitags sowieso alle frei haben. Er wird aber zuvor eingearbeitet, die Wochenarbeitszeit würde also um den Halbtag reduziert. Generell finde ich, dass sich die Gesellschaft in Österreich bereits sehr viel Freizeit gönnt. Die Jahresarbeitszeit fällt zugunsten der Freizeit, viele Donnerstag-Feiertage unterbrechen noch dazu den normalen Arbeitsfluss, das ist eine Herausforderung im internationalen Wettbewerb. Uns muss klar sein, dass mit der reduzierten Arbeitszeit auch die Wertschöpfung und dadurch am Ende auch der Wohlstand sinkt.

Herausforderungen scheinen auch zunehmende Kurzfristigkeiten bei Auftragsvergaben zu sein. Wie geht ein Betrieb mit über 2.000 Beschäftigten damit um? Wie hält man die Reserven auch für große Projekte, ohne ständig Überkapazitäten zu provozieren?
Graf: Es stimmt, eine solche Tendenz wird mehr zum Thema, auch die Bauzeiten werden immer kürzer. Die Thematik betrifft an sich aber große Betriebe genauso wie kleine, bei größeren bekommen nur die Auswirkungen von Entscheidungen eine größere Dimension. Es ist eine große Kunst, personell für eine konstante Auslastung zu planen: Wir können nicht fix damit rechnen, für jedes Projekt den Zuschlag zu bekommen, müssen es aber einkalkulieren. Unsere Mitarbeiter gehen teilweise an ihre Grenzen, erbringen sehr hohe Leistungen. Wir schaffen diesen Spagat in der Regel, was die Latte für nachfolgende Ausschreibungen wieder nach oben legen kann. 2018 war allerdings ein Jahr der Höchstkonjunktur nicht nur für den Bau in Österreich – die Indikatoren zeigen, dass die Kurve eher wieder nach unten geht.

Prognosen treten nicht immer auch wirklich ein.
Graf: Sie führen aber doch mitunter zu selbsterfüllenden Prophezeiungen, wenn Pessimismus zu nachlassenden Investitionen führt. Am Bau kommen Konjunkturwellen im Regelfall durch laufende Aufträge etwas später an, daher haben wir auch für 2019 noch sehr gute Aussichten. Es ist immer ein Auf und Ab, darauf kann man sich einstellen. Die wichtige Frage ist: Welche Strukturen habe ich, um mit verschiedenen Situationen umgehen zu können?

Apropos Strukturen: Auf Führungsebene gab es zuletzt einige Umstellungen…
Graf: …das stimmt, wir mussten mitten in der Phase der Hochkonjunktur innerhalb eines Jahres das komplette Management- Board auswechseln. Durch einen sehr schmerzlichen Verlust wegen eines Todesfalls, eine Kündigung und eine Pensionierung blieb in der Geschäftsführung neben mir nur der bisherige Geschäftsführer der Graf-Holztechnik, welcher jedoch in ein neues Aufgabengebiet bei Leyrer+Graf wechselte und bei der Graf-Holztechnik selbst ersetzt werden musste. Ich bin sehr froh darüber, dass der Prozess seit wenigen Tagen abgeschlossen ist. Das Team findet zusammen, es macht Spaß, sich gemeinsam auf den Weg zu begeben. Einmal in der Woche kommen alle Geschäftsführer in Gmünd zusammen, das funktioniert gut. Präsenz an den Standorten ist wichtig – nicht, um zu kontrollieren, sondern um als Ansprechpartner für die Kollegen da zu sein und zuzuhören.

An Leyrer+Graf führt auch in den Ballungsräumen kaum ein Weg vorbei. Was sind die aktuellen Großprojekte?
Graf: Große Baustellen sind etwa die neue Autobahnmeisterei Bruck/Leitha an der A4-Ostautobahn als Generalunternehmer, das Hauptbaulos zum Ausbau der elf Kilometer langen Weinviertler Schnellstraße S3 zwischen Hollabrunn und Guntersdorf oder das Zentrallager und Logistikzentrum von Lidl Österreich in einer ARGE in Großebersdorf auf 155.000 m2 Fläche. Im Waldviertel sind wir unter anderem für die Baumeister- und Erdarbeiten zur 7.000 m2 großen Produktionshalle der Firma Pollmann in Vitis verantwortlich. Im Bezirk Gmünd ist Breitband das zentrale Thema.

Den Breitband-Ausbau erwarten viele bereits mit Sehnsucht. Was ist hier der Stand der Dinge?
Graf: Das anhaltende Winterwetter war eine Herausforderung… wir arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung.

Leyrer+Graf hat inklusive aller Beteiligungen derzeit 17 Standorte. Gibt es Überlegungen für eine weitere Expansion?
Graf: Eine Expansion um zusätzliche Standorte ist derzeit nicht notwendig. Es bieten sich allerdings einige Unternehmen von selbst für Übernahmen an, die Anfragen von Vermittlern sind deutlich gestiegen. Wenn sich Chancen mit Firmen bieten, die wirklich zu uns passen und gut integriert werden können, dann ergreifen wir sie gerne. Die eigenen Identitäten sollen dann durchaus fortbestehen. Das oberösterreichische Unternehmen Ploier+Hörmann war in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel, Standort und Marke blieben erhalten, der Personalstand konnte sogar aufgestockt werden.

Wo sind die Grenzen des Wachstums?
Graf: Wachstum ist nicht das Ziel, trotzdem geschieht es. Wann? Wenn ein System mit Kultur, Strategie, Organisation und Umsetzung in einem Unternehmen dazu führt. Umsatz und Ergebnis sind Messgrößen eines Erfolges. Natürlich ist die Konjunktur ein Teil dessen, aber Wachstum ist selbst in stark anziehender Konjunktur keine Selbstverständlichkeit.