"Bitte nicht berühren!" in Litschau. Fünf junge Menschen, für zwei Wochen in Boxen isoliert aber trotzdem auf der Suche nach Kontakt: Im Zuge des „Hin & Weg“-Theaterfestivals startete die Theatergruppe „kollekTief“ in Litschau ein gewagtes Experiment.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 02. August 2020 (12:23)

Manchen Litschauern sind sie vielleicht schon aufgefallen: Vor dem Hotel Königsleitn nahe dem Strandbad stehen seit kurzem fünf große Container mit Glasfront. Seit Samstag leben hier fünf junge Künstler von der Außenwelt abgeschnitten. Sie leben, schlafen, essen und arbeiten in den Boxen und können dabei rund um die Uhr beobachtet werden. Der einzige Kontakt findet mittels Mikrofon statt. So erzählen die Darsteller täglich neue Geschichten, singen und spielen. Unter dem mysteriösen Programmpunkt „Ritual“ verbirgt sich eine anfangs ruhige Tanzperformance, die schließlich crescendoartig immer ekstatischer wird.

Nach zwei Wochen ohne physischen Kontakt wird die Installation am 15. August ihr großes Finale finden. Die Anstrengungen der Isolation finden dann in einer gemeinsamen Performance in neuer Freiheit auf der Bühne des Herrenseetheaters statt. Am letzten Tag stehen die Boxen schließlich auch für Besucher zur Besichtigung offen.

Das Projekt wird von den jungen Theatergruppe „kollekTief“, namentlich Alina Schaller, Anna Marboe, Anton Widauer Felic Kammerer, Tilman Tuppy und Amelie Wimmer geplant und inszeniert. „COVID-19 betrifft alle Menschen gleich. Das Stück zeigt sehr überspitzt das neue Leben und ist ein Versuch, uns der Komplexität des Themas anzunähern“, meint Darstellerin Alina Schaller (unter anderem „Vorstadtweiber“).  Die Pläne für den Sommer waren eigentlich ganz andere, doch der Coronaausbruch brachte einige Veränderungen mit sich. „Wir hatten diesen Sommer für das Festival in Litschau ein Stück geplant, das von sehr viel Nähe lebt“, erzählt Reinhardt-Seminar-Student Anton Widauer. „Nun mussten wir uns um 180 Grad drehen und zeigen „Bitte nicht berühren“, ein Stück, das Nähe negiert und leben in Isolation vorführt“, ergänzt Schaller.