Gmünder: „Es gab keine schwierigen Schüler“. Entwicklungshelfer wurde er nicht, aber Gerhard Grubeck fand 1991 im zweisprachigen Gym Znaim eine andere Berufung.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 07. September 2019 (04:48)
privat
Gerhard Grubeck in Znaim.

„Die ersten Jahrgänge waren geprägt von extrem gescheiten und motivierten Schülern, die auch außerhalb der Schule den Kontakt suchten, ihn oft bis heute aufrecht erhalten. Es gab keine schwierigen Schüler.“ Gerhard „Hati“ Grubeck war nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einer der ersten Österreicher, die am zweisprachigen Gymnasium im südmährischen Znaim eingesetzt wurden – nach Wanderjahren an Gymnasien in Wien hatte der selbst nicht immer pflegeleichte Doktor der Philosophie und des Deutschen ein „wahres Eldorado“ vorgefunden. Der in Gmünd in Sichtweite zur toten Grenzen Aufgewachsene hatte 1991 auf der anderen Seite der nun offenen Grenze seine Berufung gefunden. Nach 28 Jahren wurde er nun in den Ruhestand verabschiedet.

1.000 Maturanten zur Matura begleitet

Entwicklungshelfer in Papua-Neuguinea hätte er werden wollen, blickt Grubeck auf seine Berufslaufbahn zurück. „Sie haben mich nicht genommen… vermutlich weil ich gesagt habe, dass ich die Menschen dort nicht zu Jesus bringen möchte.“ Nach Haupt- und Handelsschule in Gmünd startete er in der Raika, beim Militär bewegten ihn Freunde zum Studium. Er wechselte zur Raika nach Wien, holte nebenbei die Gym-Matura nach, startete an der Uni das Lehramtsstudium für Germanistik und Philosophie, schloss es schließlich mit dem Magister und auch Doktor ab. Für Mathematik, Publizistik und Politologie hatte er inskribiert, aber nicht abgeschlossen.

Den Lehrerberuf konnte er zunächst nicht einschlagen, sagt er: „Wegen eines Überschusses.“ Also begann er als Erzieher, half parallel dazu in fünf Jahren an insgesamt neun Wiener Gymnasien aus. Im „Standard“ las er nach der Ostöffnung 1989 schließlich von Plänen für ein österreichisches Gymnasium in Prag, herausgekommen ist ein Job in Znaim. „Das war nicht ganz so exotisch wie Papua-Neuguinea, aber ich wollte ins Ausland, und die Nähe zu Tschechien bzw. Tschechoslowakei war durch meine Kindheit immer da“, blickt Gerhard Grubeck zurück: „Als mich der Direktor bei der Begrüßung nach der beabsichtigten Dauer meiner Lehrertätigkeit in Znaim fragte, sagte ich ‚bis zur Pension‘ – ich habe mein Versprechen gehalten.“ So lange wie ihn habe es sonst in all den Jahren niemanden drüben gehalten.

 "40 von 80 Schülern konnten nicht aufgenommen werden“

Die zunächst noch stark vom Kommunismus geprägte Gesellschaft sei mit den Jahren offener geworden, Einkommen und Lebensstandard seien gestiegen – die Kosten freilich genauso. Das Interesse am deutschsprachigen Unterricht sei anfangs sehr hoch gelegen, „40 von 80 Schülern konnten nicht aufgenommen werden“. Das habe sich nun geändert, aus zwei deutschsprachigen Klassen pro Jahrgang wurde eine. Grubeck: „Englisch wird wichtiger. Österreich bleibt aber durch Jobs in Grenznähe noch ein Thema.“

Während der Woche lebte er in Znaim, brachte sich privat etwa durch Veranstaltungs-Organisationen ein, war zwischenzeitlich Lehrersprecher. Parallel dazu lehrte Grubeck ab 1999 und bis zur Pensionierung am Horner Gym (Oberstufe), war jahrelang Betreuer und später Prüfer für die Deutsch-Matura am BFI Gmünd und Sigmundsherberg. „Ich habe insgesamt an die tausend Menschen am Weg zur Matura begleitet“, rechnet er vor. „Viele Znaimer Absolventen machten international Karriere. Tschechen gehen generell lieber ins Ausland als Österreicher.“

Seine eigene Zeit im Ausland geht im heute schon ab. Nicht nur die Kneipen, sondern auch die Menschen in Znaim seien ihm ans Herz gewachsen. Was die Zukunft außer „ein bissl Relaxen und Seniorenkicken“ bringen mag, das weiß er noch nicht. Er könnte aber nach Papua-Neuguinea gehen. Er müsste dort nichts mehr tun, was er nicht tun möchte.