Aichelberglifte: Letzte Frist verstrichen. Skigebiet ist bis auf Babylift-Bereich seit wenigen Tagen Geschichte. Verfahren müssten neu gestartet werden.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. September 2016 (05:47)
NOEN, shutterstock.com/D. Bindemanis
Warme Winter. Vor zwei Jahren stand die Zukunft der Aichelberglifte noch wegen fehlender Verträge als Voraussetzung für einen Ausbau zum Ganzjahres-Betrieb am Spiel. Vor wenigen Tagen ist nun auch das Recht, alle Lifttrassen und Pisten außer beim Babylift anders denn als Wald zu nutzen, erloschen.

Das größte und beliebteste Skigebiet des Waldviertels wird, etwa 50 Jahre nach seinem Aufbau, ab kommendem Winter maximal zur Mini-Anlage mit Babylift schrumpfen: „Ohne Rodungsbewilligung dürfen die Trassen für die Aichelberg-Schlepplifte nicht mehr benutzt werden, und es darf auch nicht mehr mit Skiern heruntergefahren werden“, erklärt Gmünds Bezirkshauptmann Johann Böhm auf NÖN-Nachfrage: „Alle Rodungsbewilligungen dafür sind erloschen. Die Anlage wird irgendwann entfernt werden müssen.“

NOEN, F: karlstift.info
Das Skigebiet steht vor einer höchst ungewissen Zukunft.

Ohne Rodungsbewilligungen dürfen Waldstücke nicht für waldfremde Zwecke genutzt werden – laufen sie aus, so sind die betroffenen Bereiche wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Im Fall der Aichelberglifte in Karlstift (Marktgemeinde Bad Großpertholz) lief die Bewilligung – die NÖN hatte über das drohende Szenario Anfang Juni exklusiv berichtet – vor wenigen Tagen ab. In seiner Behörde ging, wie Bezirkshauptmann Böhm beteuert, auch kein Ansuchen um Verlängerung ein.

Dazu hätte es nämlich die Pachtverträge mit den Grundstücks-Besitzern gebraucht. Und daran spießt es sich für Lifte-Betreiber Wolfgang Landl wie berichtet wegen zweier Kleingründe über insgesamt etwa 600 m 2 , die in die Trasse des 700 Meter langen Hauptliftes und die Standard-Abfahrt ragen – und somit auch für den von Landl im Jahr 2008 angekündigten, Millionen Euro teuren Ausbau zum Sommerbetrieb inklusive Berghotel, Kletterpark, Rollerbetrieb, Nachtrodelbahn mit Flutlicht und 4er-Sessellift entscheidend wären. Wenn die Winter wärmer werden, dann ist der Ausbau zum Dauerbetrieb aber als langfristiger Rettungsanker eine Voraussetzung zum Weitermachen – Landl hatte das schon im Herbst 2014 beteuert.

Ohne Rodungsbewilligung müssen die Pisten und Lifttrassen wieder aufgeforstet, verschiedene Bauten wie die Liftanlagen durch den Wald abgetragen werden. Davon ausgenommen ist in Karlstift neben dem Gasthaus lediglich der Babylift, der auf einem als Wiese gewidmeten Areal steht.

Landl: „Weiß noch nicht, wie es weitergeht“

Wolfgang Landl, dem die 1969 gegründete Aichelberglift Karlstift GmbH zu 99,72 Prozent gehört (den Rest hält die frühere EU-Abgeordnete Agnes Schierhuber), gibt sichim NÖN- Telefonat zerknirscht. Er sei ständig am Verhandeln, sagt er: „Ich weiß noch nicht, wie es weitergehen wird.“ Selbst die Frage, ob er im Zweifelsfall nur mit dem Babylift weitermachen würde, lässt Landl noch offen.

Von heute auf morgen sei mit der Aufforderung zur „Renaturierung“ nicht zu rechnen, sagt Bezirkshauptmann Böhm. Aber: „Wird ein neuerlicher Antrag zur Rodungsbewilligung inklusive aller notwendigen Verträge eingebracht, so heißt es zurück an den Start der behördlichen Verfahren. Dass diese bis zum kommenden Winter abgeschlossen werden, ist inzwischen kaum mehr möglich.“

In der Gerüchteküche kursiert unter mehreren Namen potenzieller Interessenten für einen Neustart das Waldgut Pfleiderer, dem große Teile des Skigebietes gehören. „Diese Gerüchte kommen uns auch zu Ohren, es ist aber nichts dran“, winkt Forstdirektor Bernhard Schießl gegenüber der NÖN ab. Aus seiner Sicht würde man einen Liftbetrieb grundsätzlich allerdings sehr gerne unterstützen.

Der Anwalt Edmund Kitzler hatte sich eine Zeit lang intensiv um einen „Plan B“ für die Zukunft des Skigebietes – im Idealfall mit Ausbau zum Ganzjahres-Betrieb – bemüht, obwohl er dem Unterfangen keine große Aussicht auf Erfolg beigemessen hatte. Kitzler 2014 zur NÖN: „Auch Krebspatienten sind schon geheilt worden.“ Noch wenige Wochen vor Ablauf der Rodungsgenehmigung habe es Verhandlungen wegen neuer Pachtverträge für Grundstücke gegeben, so Kitzler heute. Da sei es auch um strukturelle Veränderungen in der GmbH gegangen – seither wartet er vergeblich auf eine Benachrichtigung.

Vor fünf Wintern noch über 20.000 Skifahrer

Die drei Aichelberglifte hatten noch vor fünf Wintern mehr als 20.000 Skifahrer in das 8,5 km lange Streckennetz befördert, wobei laut Landl damals schon jede dritte Karte an einen Gast aus Tschechien verkauft wurde. Der Aichelberg bietet zudem als einzige Erhebung weit und breit eine ausreichend lange und steile Strecke, um als Austragungsort überregionaler Punkterennen in Frage zu kommen.

„Schade, wenn diese Anlage wirklich geschlossen werden müsste“, sagt Edmund Kitzler als begeisterter Hobbysportler und vor allem als Großpertholzer Gemeindebürger: „Wir kennen dann aber die Totengräber.“

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