„Kulanzlösung“ ist: Ohne VOR-Busticket fahren. Verkauf nur bei Automaten oder online. Kundenservice riet: „Fahren Sie umsonst“.

Von Karin Pollak. Erstellt am 15. Januar 2021 (05:34)
VOR-Tickets gibt es derzeit nur online oder am Automaten: eine Corona-Schutzmaßnahme für die Fahrer.
VOR/W. Peranek

In einem Gewissenskonflikt stand die Litschauerin Annemarie Heimbach dieser Tage: Sie musste mit dem Bus nach Wien fahren, zur Fahrkarte ist sie aber trotz intensiver Bemühungen nicht gekommen. Letztendlich wurde ihr vom Verkehrsverbund Ostregion zum „Schwarzfahren“ geraten.

Kein Ticketautomat in der Nähe

„Ich habe schon im Vorfeld meiner geplanten Busfahrt in Erfahrung gebracht, dass es beim Buslenker während des Lockdowns keine Tickets zu kaufen gibt. Da ich nicht ‚schwarzfahren‘ wollte, wandte ich mich an das VOR-Kundenservice“, berichtet Heimbach. Dort habe man sie auf den Online-Ticketverkauf oder einen Fahrkarten-Automaten beim nächstgelegenen Bahnhof verwiesen.

„Der Online-Ticketkauf scheitert, da ich keine Kreditkarte besitze. Der nächste Bahnhof mit einem Ticketautomaten ist jener in Gmünd. Der ist 25 Kilometer von mir entfernt und dort komme ich auch nur mit dem Bus hin.“ Das habe sie dem netten Herrn von der VOR-Auskunft erklärt. Seine Antwort: „Das ist ein besonderer Fall, steigen Sie in den Bus nach Wien ein und fahren´S umsonst, das ist ein Kulanzfall.“

Ganz traute die Litschauerin der Auskunft nicht, sie wandte sich an die NÖN: „Ich bin sicher nicht die einzige ältere Frau, die in Lockdown-Zeiten mit dem Bus fahren muss. Könnte man da nicht eine seniorenfreundliche Alternative anbieten?“

VOR-Sprecherin Christina Bachmaier bestätigt das Geschilderte. „Diese Maßnahme wurde zur Sicherheit der Buslenker und Buskunden getroffen“, sagt Bachmaier. Dass man Annemarie Heimbach zum „Schwarzfahren“ geraten habe, sei wirklich eine „Kulanzlösung“ während des „harten Lockdowns“ gewesen: „Wenn es offensichtlich ist, dass ältere Personen zu keinem Busticket gelangen können, dann ist das eine Alternative, die auch bei Kontrollen im Bus zu keinen Problemen führen wird. Wenn diese Personen aber bei größeren Bahnhöfen oder Personenkassen nachweislich vorbeigekommen sind, und dort kein Ticket gekauft haben, dann wird es schon ein Problem.“ Im genannten Fall wäre das bei der Heimfahrt von Wien der Fall gewesen, weil es dort viele Möglichkeiten zum Ticketkauf gibt.

Hilfe am Gemeindeamt

Eine „seniorentaugliche Alternative“ gebe es laut Bachmaier sehr wohl: Man könne Angehörige, Freunde oder Nachbarn bitten, ein Ticket übers Internet zu kaufen und auszudrucken, „dabei helfen vermutlich auch die Mitarbeiter am Gemeindeamt“. Und noch einen Tipp hat sie: „Wir bieten auch Tagestickets an, diese gelten für Fahrten mit Bus, Bahn und Wiener Linien.“

Kaufen kann man diese Tickets aber derzeit auch nur online oder bei Ticketautomaten...