Klimavision: 135ha großer Solarpark statt Problemwald. Durch Klimawandel zerstörte Waldfläche wird zur Klimachance: Pläne für 135ha großen Solarpark mit Besucherzentrum!

Von Markus Lohninger. Erstellt am 30. September 2020 (06:08)
Zwischen Wald und Wasser: So könnte der „Solarpark Oberes Waldviertel“ eines Tages aussehen. Kirchbergs Gemeinderat sicherte den InitiatorenUnterstützung für das Großprojekt zu.
Symbolbild: Shutterstock/Jasper Code

Die Marktgemeinde Kirchberg am Walde könnte schon in wenigen Jahren als Ökostrom-Leuchtturmgemeinde im wahrsten Sinne weit über das Waldviertel hinaus strahlen: Auf einer Gesamtfläche von immerhin bis zu 135 Hektar Land wird an der Vision für einen „Solarpark Oberes Waldviertel“ getüftelt, auch ein eigenes Besucherzentrum ist geplant.

Der Gemeinderat sicherte dem Klimaschutzprojekt vorige Woche mit den Stimmen aus ÖVP, SPÖ & Bürgerliste und gegen die Stimme von FP-Mandatar David Böhm – der für eine Aufforstung plädiert hatte – seine volle Unterstützung zu. Damit kann das weitere Genehmigungsverfahren auf Bezirks- und Landesebene mit vielen Detailfragen seinen Lauf nehmen.

Im Klimaschaden die Chance erkennen

Projektinitiatoren sind die Solarexpertin Cornelia Daniel aus Brunn/Wild und Andreas Fischer-Ankern, Eigentümer des potenziell infrage kommenden Gebietes etwa dreieinhalb Kilometer außerhalb des Ortszentrums. Der Fichtenwald habe in diesem Bereich in den vergangenen 200 Jahren aufgrund der natürlichen Gegebenheiten nie seine volle Wuchshöhe erreicht, sagt Fischer-Ankern – zuletzt haben Stürme und Borkenkäfer-Invasionen tiefe Lücken aufgerissen. Eine Aufforstung hält er hier auch angesichts des Klimawandels für wenig zielführend.

Aber, Fischer-Ankern und Daniel möchten den Schaden zur Chance verwandeln. Der Solarpark in Kirchberg soll saubere, grüne Energie aus Photovoltaik liefern und zugleich wertvolle Ökosysteme wie die Natura 2000-Naturschutzgebiete der Waldviertler Teich- und Moorlandschaft schützen. So wurden schon vor der Behandlung der Vision im Gemeinderat umfangreiche naturschutzfachliche Erhebungen durchgeführt, der Landschaftsschutz geprüft und Konzepte für attraktive Biotope für die Tierwelt innerhalb des Solarparks erstellt.

Große Zustimmung aus der Gemeindepolitik

Für die Bevölkerung erwartet VP-Bürgermeister Karl Schützenhofer dank angrenzender Wälder und der großen Entfernung zum Ortszentrum keine Beeinträchtigung. Er ist aus einigen Gründen begeistert: Das Projekt diene der Regionalentwicklung, schaffe Arbeitsplätze während des Aufbaus und durch die spätere Grünraumpflege am weitflächigen Areal – und sei zudem ein wichtiges Mittel gegen den Klimawandel mit all den schmerzlichen Begleiterscheinungen wie Dürren, Stürmen oder Schädlingen.

„Es ist Zeit, aktiv etwas zu tun“, sagt Schützenhofer. Mit der breiten überparteilichen Zustimmung sei ein klares Zeichen gesetzt worden: „Wir wollen als Klimabündnisgemeinde die erfolgreiche Klimaschutzoffensive von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Landesregierung unterstützen – und das Waldviertel als Vorreiter im Klimaschutz positionieren.“

Land NÖ: Volle Sonnenkraft voraus!

Pernkopf hatte erst heuer eine Verzehnfachung der Stromgewinnung aus Sonnenkraft bis 2030 als erklärtes Ziel des Landes Niederösterreich genannt. Auch bundesweit werden derzeit etliche große Solarprojekte geplant, um die Klimaziele der Regierung zu erreichen.

Cornelia Daniel arbeitet seit vielen Jahren im Solarbereich, hat bereits große Projekte entwickelt und in ihrer beruflichen Tätigkeit den Initiator des international viel beachteten Kurswechsels der dänischen Ostsee-Insel Samsø zur klimaneutralen und energieautarken Öko-Insel kennengelernt.

Bei ihm hat sie sich anhand der Samsøer Energieakademie – die laut Betreiber jährlich 5.000 Interessierte aus aller Welt anlockt – Inspiration für eine weitere zentrale Dimension des geplanten Solarparks geholt: Daniel und Fischer-Ankern planen nach Fertigstellung den Bau eines Besucherzentrums für Schulklassen, Universitäten und Interessierte, der auch zur Belebung der Marktgemeinde und der Region beitragen soll.

Viele Fragen noch offen – inklusive Größe & Finanzierung

Noch ist es bis dahin freilich ein weiter Weg, auf dem nicht nur Fragen der Finanzierung und der definitiven Größe des „Solarpark Oberes Waldviertel“ geklärt werden müssen. „Viele sorgfältige Schritte müssen im behördlichen Genehmigungsverfahren erfolgen und eine Lösung erarbeitet werden, die gesamtheitlich eine positive Wirkung auf Klima-, Naturschutz und unsere Region hat“, sagen die Projektinitiatoren.

Weitere naturschutzrechtliche Prüfungen stehen an, genauso müssen Aspekte hinsichtlich Natur- und Artenschutz, Forst, Raumplanung, Energie- oder Baurecht abgesteckt werden.