Die Fakten waren nicht das Thema. Zu SP-Harrers Frage, was ein Stadtchef dem Volk in der Krise denn sagen könnte.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. Oktober 2020 (05:05)

Als hätten wir‘s nicht geahnt: Alle haben Fehler gemacht und damit, wieder einmal, der Stadt Schrems geschadet – der politische Mitbewerb, der Bezirkshauptmann, die Medien. Aber die Stadtführung? Die hat rund um den Hochzeits-Cluster alles richtig gemacht und muss nun trotzdem den Schädel hinhalten – obwohl, wie Bürgermeister Harrer einräumt, er die Halle heute nicht mehr vermieten würde. So könnte man dessen Aussagen im Gemeinderat einen Monat nach der Feier kurzfassen.

Ok, ignorieren wir den (ungelösten) Aspekt der Verantwortung für das ganze Malheur, um den es gegangen wäre. Kommen wir zum Umgang damit. Harrer zur Frage der Opposition, warum er im Chaos wochenlang geschwiegen hatte: „Was hätte ich sagen sollen?“ Er habe vom Bezirkshauptmann kaum Fakten bekommen. – In der schwersten Krise seit Jahren kann der Stadtchef seinem Volk absolut nichts per Flugblatt, Gemeinde-Homepage oder Presse-Statement mitteilen, weil er keine Fakten hat (die mit einem Anruf einzuholen wären)? Echt jetzt?

Wie wär‘s ungefähr damit: Ja, es gibt ein Problem. Irgendwann wird wohl die Schuldfrage zu klären sein. Aber vorerst heißt es, Ruhe zu bewahren, Schutzmaßnahmen weiter zu verstärken, Kontakte wo nur irgendwie möglich zu vermeiden. Es bringt uns alle nicht weiter, unbescholtene Mitbürger wegen ihrer Herkunft auf der Straße zu attackieren oder den kollektiven Virustod herbeizureden. Helfen wir doch zusammen, unterstützen wir Menschen, die jetzt in eine Notsituation geraten sind.

Für solche Worte eines Stadtvaters ist es unerheblich, ob es 50, 200 oder mehr Feiernde bzw. die Folge daraus 15 oder 60 Infizierte waren. Traurig, dass das auch vier Wochen später nicht gesickert ist.