Polit-Schonzeit ist vorbei. Über das Ende des Corona-Friedens auch in Schrems.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 27. Mai 2020 (04:12)

In Schrems ist also die Debatte über Online-Übertragungen von Gemeinderats-Sitzungen aus dem Stadtamt neu aufgeflammt, die Opposition nimmt SP-Stadtchef Harrer diesbezüglich geschlossen in die Mangel.

Die Sache an sich ist es vermutlich nicht, weswegen sich Harrer Sorgen machen müsste: Die Sitzungen sind jetzt schon nach öffentlicher Ankündigung für jedermann zugänglich, trotzdem ist der NÖN-Mitarbeiter auch in Schrems mitunter der einzige Zuhörer im Saal. Nachberichte dazu mit dem Stichwort „Gemeinderat“ zu titulieren ist keine gute Idee: Spätestens seit Online-„Tools“ die Zugriffe auf Artikel schonungslos offenlegen, ist die wenig zugkräftige Wirkung des Wortes auf breite Bevölkerungs-Schichten hinreichend dokumentiert – obwohl im Gemeinderat natürlich Dinge diskutiert und beschlossen werden, die für die Bevölkerung mitunter ganz direkte Auswirkungen haben. Die Aussicht darauf, dass eine größere Schar an Schremsern die digitalisierte Sitzung dem Hauptabendprogramm vorzieht, muss also tendenziell dennoch als gering eingeschätzt werden.

Trotzdem werden beim SP-Bürgermeister allmählich die Alarmsysteme anschlagen: Corona hat den Wirbel um Harrers umstritten abgesicherte Machtposition nach Verlust der absoluten Mehrheit nur vorübergehend lahmgelegt, gegessen ist die Sache für die Opposition sicher noch nicht. In die Karten spielt ihr, was Corona auf jeden Fall noch anrichten wird: Die Zeiten werden finanziell härter, der Spielraum für wichtige Projekte geringer – und im gleichen Ausmaß wird die Angriffsfläche auf einen Stadtchef größer.