Ende von NBG-Fiber in Gmünd: 70 Dienstnehmer betroffen

Erstellt am 18. November 2022 | 15:08
Lesezeit: 4 Min
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Das jüngste Baby in der NBG-Familie konnte den Kinderschuhen nicht entwachsen.
Foto: M. Lohninger
Letzte Klappe für Gmünder Glasfaser-Rohlingswerk: Kontrolliertes Herunterfahren in den nächsten Wochen. Neben den 48 Beschäftigten der NBG-Fiber GmbH verloren etwas mehr als 20 weitere Dienstnehmer aus der NBG-Familie im Zuge notwendiger Restrukturierungen ihre Jobs.
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Die Meldung auf NÖN.at hatte Ende September Wellen geschlagen: Die NBG-Fiber GmbH, die 2019 mit dem Bau eines Glasfaser-Rohlingswerkes in Gmünd begonnen hatte, kündigte die Insolvenz an, die Rede war bald von etwa 37 Millionen Schulden. Jetzt wurde aus dem Sanierungs- ein Konkursverfahren, der Betrieb wird heruntergefahren. Die Dienstverhältnisse von 38 der 48 Beschäftigten mussten per 17. November gelöst werden, nur das zum Herunterfahren des Betriebes benötigte Personal blieb an Bord.

„Kein Investor, der das Unternehmen in seiner Gesamtheit übernehmen hätte können oder wollen“ Masseverwalterin Martina Withoff

Ein Fortbetrieb sei nicht möglich gewesen, sagt die Masseverwalterin Martina Withoff zur NÖN. Weil: „Es konnte kein Investor gefunden werden, der das Unternehmen in seiner Gesamtheit übernehmen hätte können oder wollen.“ Durch den Schuldnervertreter sei daher am 16. November der Sanierungsplan zurückgezogen worden, danach musste Withoff die Abänderung vom Sanierungs- zum Konkursverfahren am Landesgericht Krems und Teilbereichsschließung beantragen. Jetzt gehe es um die „bestmögliche Verwertung des Maschinenparks und der Liegenschaft“ im Interesse der Gläubiger. Teilweise müssten dabei bestehende Eigentumsrechte berücksichtigt werden.

Chemische Prozesse: Herunterfahren nimmt bis zu zwei Monate in Anspruch

AK-Bezirksstellenleiter Michael Preissl berichtet von der Betriebsversammlung am 17. November, in der die Beschäftigten über die kommenden Schritte informiert wurden. Die 38 „berechtigt vorzeitig ausgetretenen“ Dienstnehmer erhalten offene Gelder und Ansprüche aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds, Selbiges wird für die zehn noch im Betrieb verbliebenen Beschäftigten nach deren Austritten gelten. Der Prozess des kontrollierten Herunterfahrens im Glaswerk werde aufgrund einer Reihe an gewerberechtlichen Auflagen etwa eineinhalb bis zwei Monate in Anspruch nehmen.

Hohe Energiekosten - und monatelange Produktionskosten für Ausschuss

Geschäftsführer Karl Bauer sprach bei der Betriebsversammlung von einer Vision, deren Realisierung durch die äußeren Umstände leider nicht möglich gewesen sei. Er hatte das Scheitern des Rohlingswerkes mit Errichtungskosten von mehr als 65 Millionen Euro gegenüber der NÖN unter anderem auf versiebenfachte Energiekosten seit dem Spatenstich 2019 in einer extrem energieintensiven Sparte zurückgeführt – Kosten, die wegen einer nur in Europa existenten Energiekrise am Weltmarkt nicht hereinzubekommen seien.
Bauer hatte allerdings auch auf eine massive Verzögerung bei der Feinjustierung des in 280 Lkw-Fuhren angelieferten und vor Ort installierten Maschinenparks verwiesen: Mehr als ein Drittel der gefertigten Glas-Rohkörper – aus denen später in eigenen Werken die feine Glasfaser gezogen wird – sei zum Zeitpunkt der Insolvenz noch nicht nutzbar gewesen, habe also Kosten aufgeworfen, ohne einen Ertrag zu bringen. Eigentlich hätte die Produktion schon Mitte des Vorjahres auf Hochtouren laufen sollen.

Restrukturierung auch in der NBG Holding GmbH

Die NBG-Fiber GmbH ist wie berichtet zu etwa 61 Prozent im Besitz der NBG Fiber Holding GmbH, die wiederum zu 90 Prozent der Privatperson Karl Bauer gehört. Einen juristischen Zusammenhang zwischen NBG Fiber und der NBG Holding GmbH, die ebenfalls mit Sitz in Gmünd eine Reihe an Gesellschaften im Glasfaser-Bereich von der Röhrchenproduktion über Dienstleistungen bis zur Sensorik vereint, gibt es an sich nicht. Aber, so Bauer zur NÖN: Innerhalb der NBG Holding GmbH seien rund um das Rohlingswerk Strukturen von Qualitätsmanagement über Logistik bis Buchhaltung ausgebaut worden, daher habe hier seit Ende September ein Restrukturierungs-Prozess vorgenommen werden müssen. Im Zuge dessen mussten demnach auch hier etwas mehr als 20 Mitarbeiter abgebaut werden.

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