Südböhmische Blasmusik: UNESCO-Bewerbung naht. Trachtenkapelle Brand will Unterlagen für UNESCO-Zertifizierung der „Südböhmischen Blasmusiktradition“ beim Musikfestival abgeben.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 17. März 2019 (04:34)
Anna Hohenbichler
Ehrenmitglied Franz Macho (links) im Bild mit Jungmusikerin Hannah Oppel und Obmann Jürgen Uitz.

Welche Bedeutung hat traditionelle Blasmusik heute? Was lange als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wurde, droht mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten. Vor allem in der Trachtenkapelle Brand bildet die „südböhmische Blasmusik“ aber sogar den Schwerpunkt. Umso mehr ist man bemüht, diese Tradition als Kulturgut zu erhalten. Seit 2017 laufen wie berichtet die Arbeiten um eine Bewerbung zur Aufnahme der „Südböhmischen Blasmusiktradition“ in das österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Die Bewerbungsunterlagen sollen nun im Rahmen des diesjährigen Festivals „Der böhmische Traum“ von 7. bis 9. Juni offiziell abgegeben werden, die Entscheidung soll im Herbst fallen. Obmann Jürgen Uitz zur NÖN: „In unserem Besitz befinden sich etwa 150 Originalkompositionen des Komponisten Ladislav Kubeš, das ist sehr traditionelle Literatur. Leider greift man in der Blasmusikszene oft nicht mehr auf diese Klassiker zurück, sie drohen in Vergessenheit zu geraten.“ Für ihn ist klar, dass man den Wert dieser Musik bewahren muss, deshalb kam es auch zur Idee mit der UNESCO.

Eine Idee, die sehr viel Aufarbeitung und Arbeit mit sich brachte. Uitz spricht von 3645 gesammelten Dateien (Noten, Plakate, Fotos, Bücher usw.), die die Wichtigkeit des Kulturgutes belegen sollen. Für eine positive Eintragung müssen zahlreiche Richtlinien erfüllt und alles dokumentiert werden. „Wir haben viel Arbeitszeit investiert“, gesteht er. Unerlässlich seien insbesondere die Berichte älterer Musikerkollegen gewesen, die diese grenzüberschreitende musikalische Zusammenarbeit mit den südböhmischen Nachbarn quasi von Beginn an kennen.

„Nicht lange“ wurde zu drei Stunden…

Einer dieser Zeitzeugen war Bohuslav Marek, den Uitz interviewt hat. „Er konnte bestätigen, dass über ihn der Kontakt zwischen unserer Kapelle und Ladislav Kubeš zustande gekommen ist. Er war eine wichtige Schlüsselperson“, erläutert Jürgen Uitz. Das Gespräch bleibe als Highlight der Recherchearbeit in besonderer Erinnerung. „Marek war 96 Jahre alt, man hat mir gesagt, er könne nicht lange reden. Letztendlich ist er aufgeblüht, als er von damals erzählt hat, hat drei Stunden mit mir gesprochen“, erinnert er sich zurück. Im Februar ist Bohuslav Marek verstorben.

Auch die eigenen Ehrenmitglieder konnten viel erzählen. Franz Macho (86) erinnert sich etwa daran, wie er tschechoslowakische kommunistische Kommissäre „unterhielt“, sodass Kubeš und seine Kapelle problemlos musizieren konnten.

Den historischen Wert des Kulturerbes belegen und dessen Weiterentwicklung aufzeigen ist eine weitere Voraussetzung für die positive UNESCO-Aufnahme. Seitens der Trachtenkapelle Brand steht man diesbezüglich kurz vor der Gründung der Gruppierung „Kubešovanka“ - einem jungen Ensemble, das mit dieser traditionellen Musik im Original und mit modernen Adaptierungen arbeiten möchte.

Was ändert die Aufnahme ins Verzeichnis? Ziel der UNESCO als Unterorganisation der Vereinten Nationen ist, kulturelles Erbe sichtbarer zu machen, an junge Generationen weiterzugeben und so vor dem „Aussterben“ zu schützen. Im Falle der Bewerbung der Trachtenkapelle Brand geht es um die Bewahrung jener traditionellen Blasmusik, die in unserem Grenzgebiet seit Jahrzehnten heimisch ist. Hauptaugenmerk liegt am musikalischen Austausch zwischen der Kapelle und der südböhmischen Musiker – und Komponistenfamilie Kubeš.