Waldschenke: Wirtin und Lokal feiern Jubiläum. Doris Schreiber und „ihre“ Waldschenke werden 50. Wirtin und Gasthaus verbindet mehr als nur das Geburtsjahr.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 09. September 2021 (04:53)

Es wird viele Gastwirte geben, die eng mit ihrem Lokal verbunden sind. Dass sie in dem Jahr geboren wurden, in dem das Gasthaus entstanden ist, dürfte aber wesentlich seltener vorkommen. Das selbe „Geburtsjahr“ ist nur eines der Dinge, die Doris Schreiber mit ihrer Waldschenke in Kurzschwarza verbindet: Beide werden heuer 50 und begehen das mit einem Fest am kommenden Wochenende. In der NÖN blickt Schreiber auf diese bewegten Jahrzehnte zurück. Vom Wallfahren, einem zukunftsträchtigen Abend am Hochstand und Zukunftswünschen.

Kapelle brachte Wallfahrer – und Gäste für die Waldschenke

Dass es die Waldschenke überhaupt gibt, ist der kleinen – bis heute sorgfältig instand gehaltenen – Kapelle St. Johann im Walde zu verdanken: Seit jeher zieht sie viele Wallfahrer an. Als damaliger Obmann des Verschönerungsvereins begann Josef Schreiber gemeinsam mit seiner Gattin Anna 1971 mit dem Ausschenken von Getränken an die Wallfahrer.

Im Verein sei er auf Skepsis gestoßen, erzählt seine Enkelin: „Und dann hat der Opa gesagt: Mach ich es eben alleine.“ Die Aktion fand so großen Anklang, dass der Getränkestand von Jahr zu Jahr gewachsen ist und bald zur Schutzhütte wurde. „Die war kleiner als unsere jetzige Gaststube“, sagt Doris Schreiber. Ganz zu schweigen davon, dass es keinen Strom, aber ein Plumpsklo, gab. Der Grundstein für die heutige Waldschenke war in doppelter Hinsicht gelegt: „Ich bin in das hineingeboren. Es ist, als hätte Opa das für mich gemacht“, erzählt sie.

Die Nacht, in der die Welt zusammengebrochen ist

 Die Waldschenke wurde mit den Jahren größer, Doris Schreiber auch. 1980 übernahmen schließlich ihre Eltern Franz und Martha, die fünf Jahre später den nächsten Zubau starteten. Strom gab es auch da noch keinen: „Es war schön und urig. Das ist eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen“, sagt Doris Schreiber. 1988 ereignete sich eine ihrer traurigsten Erinnerungen: Die Nacht vom 1. auf 2. November wurde zum Schicksalsschlag für die Wirtsfamilie, denn die Waldschenke brannte durch Brandstiftung nieder.

Die Tochter absolvierte zu diesem Zeitpunkt schon ihre Lehre zur Köchin und Kellnerin in Treffling bei Linz. „Als ich nach Hause gekommen bin und das gesehen habe, ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Gleichzeitig erkannte ich damals, dass ich für das hier geschaffen bin.“ Ihr Vater Franz zweifelte am Wiederaufbau, war berufstätig und betreute nebenbei eine Landwirtschaft.

Beide passionierte Jäger, saßen Doris und Franz Schreiber eines Abends gemeinsam am Hochstand. „Da sagte er zu mir: ‚Wenn ich wüsste, dass du weitermachst, würde ich es wiederaufbauen.‘ Ich sagte ihm zu.“ 1989 wurde die Waldschenke auf 300 m² neu eröffnet.

Treffpunkt mit Auszeichnungen

 Schon früh diente die Waldschenke als Treffpunkt: Über 40 Jahre bot sie einem Pferdemarkt einen Standort. „Das hat uns national und international bekannt gemacht“, sagt Schreiber.

Auch das Harmonikafest der musikalischen Familie wurde legendär, viele hätten hier überhaupt erst zur Musik gefunden, meint sie. Feierlichkeiten wurden insgesamt mehr, einige Male war das Fernsehen zu Gast. Ein Highlight: die Live-Übertragung von „Mei liabste Weis“ im Jahr 2005. Doris Schreiber hat die Waldschenke 2009 von ihren Eltern übernommen, sie 2015 nochmal um 300 m² erweitert: „Ich wollte ein angenehmes Arbeiten für meine Mitarbeiter und mich ermöglichen“, sagt sie. Gemeinsam mit dem Team hat sich Familie Schreiber 2003 in die NÖ Wirtshauskultur gekocht und ist Trägerin der Karpfenhaube.

Die Waldschenke wurde erwachsen, die Wirtin auch 

Doris Schreiber hat sich zehn Jahre als „Frau in der Wirtschaft“ engagiert, ist aktuell Wirtesprecherin und Wirtschaftskammer-Obfrau im Bezirk. „Dadurch konnte ich viele verschiedene Branchen und Firmen kennenlernen. Diese Vielfalt im Bezirk Gmünd erfüllt mich in dieser Funktion mit viel Stolz“, sagt sie.

Ganz nebenbei hat sie 2014 Sohn Alexander zur Welt gebracht: „Ich freue mich, dass er so großes Interesse an der Waldschenke hat. Ich werde ihn bei allem unterstützen, was er später einmal damit macht. Ob es ein Gasthaus bleibt, wird sich zeigen.“ Zukunftswünsche hält die Wirtin insgesamt recht offen, einen gibt es dann aber doch: „Nie stehen zu bleiben.“