Bürgerbeteiligung: Ökostrom zum Nulltarif . Mit dem Geld privater Investoren wurden bereits etwa 40 PV-Anlagen installiert – die nach 13 Jahren kostenlos ins Eigentum der Dachbesitzer übergehen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 23. September 2018 (05:09)
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Der Bauhof von Großschönau liefert seit wenigen Tagen Sonnenstrom. Die Gemeinde zahlt dafür keinen Cent – und wird dennoch in 13 Jahren Eigentümerin der Anlage. Über das Finanzierungs-Modell freuen sich der geschäftsführende Gemeinderat & KEM-Lainsitztal-Obmann Klaus Stebal (links) und Bürgermeister Martin Bruckner.
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Ein Jahr ist es her, seit das Interesse für ein Bürgerbeteiligungs-Modell zur Errichtung von Photovoltaik-Anlagen innerhalb der Klima- und Energiemodellregion (KEM) Lainsitztal erhoben wurde. Die erfreuliche erste Zwischenbilanz: Etwa 40 so finanzierte Anlagen sind auf Dächern der KEM-Mitgliedsgemeinden Bad Großpertholz, Großschönau, Moorbad Harbach, St. Martin, Unserfrau-Altweitra und Weitra in Betrieb, auf etwa 8.000 m² Modulfläche wird nun Sonnenstrom für 350 Haushalte erzeugt.

Das jüngste, seit wenigen Tagen betriebsfertige Exemplar ist die große PV-Anlage am Dach des Bauhofes in Großschönau. Das Besondere daran und an allen anderen Anlagen der Initiative: Sie kostet den Dacheigentümer keinen Cent und geht dennoch nach 13 Jahren – zu ihrer erwarteten „Lebensmitte“ – inklusive des erzeugten Stroms komplett in deren Besitz über.

Geeignete Dächer auf Dörfertour erhoben

Abgewickelt werden alle Bereiche von der Finanzierung bis zu Errichtung und Betrieb über die Firma Helios. Das Geld kommt zunächst von privaten Investoren, die 2,2 Prozent Zinsen pro Jahr erhalten. Durch den produzierten Strom will Helios ihnen die insgesamt investierten 1,5 Millionen Euro innerhalb dieser ersten 13 Jahre zurückzahlen. Da die Anlagen danach noch ebenso lange kostenlosen Ökostrom für die Dacheigentümer liefern sollen, wird mit einer weiteren Wertschöpfung von 1,5 Millionen Euro gerechnet.

Der Löwenanteil der installierten Anlagen steht in der Marktgemeinde Großschönau, wo Bürgermeister Martin Bruckner (ÖVP) die Suche nach Dächern zur Chefsache erklärt hatte. „Ich bin durch das Gemeindegebiet gefahren, habe die größeren südseitigen Dächer erhoben und geprüft, welche Deckung, Neigungswinkel, Licht- bzw. Schattensituation und welches Alter sie haben“, sagt er. Besitzer perfekt geeigneter Flächen habe er voriges Jahr selbst zur Info-Veranstaltung in Weitra eingeladen.

Der einst im Rahmen der BIOEM geschlossene „Energiepakt Waldviertel 2030“ sieht es vor, die gesamte benötigte Energie im Waldviertel selbst zu erzeugen. Das ist noch längst nicht der Fall, die Sonnenstrom-Produktion müsste dafür um ein Vielfaches ausgebaut werden.