Forstwirtschaftsmeister Laier: „Wald braucht aktives Bewirtschaften“

Erstellt am 23. September 2022 | 04:09
Lesezeit: 4 Min
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Land- und Forstwirtschaftsmeister Josef Laier ist auch Eurojack-Sportler und Erwachsenentrainer.
Foto: Firma Stihl
Forstwirtschaftsmeister über „klimafitten“ Wald, Aufforstung und seine Workshops.
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Was braucht es, um einen „klimafitten Wald“ zu bekommen? Darüber sprach NÖN-Redakteurin Karin Pollak mit Land- und Forstwirtschaftsmeister Josef Laier, Eurojack-Sportler und Erwachsenentrainer in der Forstwirtschaftspraxis aus Oberlembach, der nun auch Workshops zum Thema abhält.

NÖN: Was versteht man unter einem klimafitten Wald?

Josef Laier: Ein klimafitter Wald kann einfach mit den Umwelteinflüssen besser umgehen, übersteht Wasserknappheit und Temperaturschwankungen besser. Vorrangig braucht es eine aktive Bewirtschaftung – man muss die Wälder einmal beherzt durchforsten. Käferholz muss so rasch als möglich entfernt werden und auch jene Bäume, von denen eine Gefahr für die Waldbesucher ausgeht.

Welche Vorteile schafft man durch aktive Bewirtschaftung?

Laier: Wenn für die Bäume ausreichend Platz geschaffen wird, bringt das viel Licht in Wälder, was zu einer Grünschicht am Waldboden führt. Hier finden die Wildtiere Futter, es gibt daher weniger Verbissschäden an den Bäumen. Die Wasserspeicherfähigkeit verbessert sich, und durch die bessere Nährstoffaufschließung bildet sich schneller Humus. Gibt man einem Baum mehr Platz, wird er nicht mehr von angrenzenden Bäumen bedrängt, dadurch kann sich das Kronendach besser entwickeln und in die Breite wachsen. Die Krone ist ja der Motor eines Baumes. Ist sie gesund und vital, ist der Baum klimafit. Gleichzeitig kann natürlich vorkommenden Mischbaumarten der Vorzug gegeben werden. Der Wald wird somit auch artenreicher.

Nach welchen Kriterien sucht man Bäume aus, die im Wald verbleiben sollen?

Laier: Wir reden in der Durchforstung von „Zukunftsbäumen“, die auch über 100 Jahre alt werden dürften. Ein Waldbesitzer sollte sich ansehen, welche seiner Bäume sich dafür überhaupt eignen. Erst dann sollte man mit der aktiven Durchforstung beginnen. Fakt ist: Die Gesamtwuchsleistung einer Fläche ist immer gleich, egal ob viele oder nur wenige Bäume darauf stehen. Weniger Bäume auf einer Fläche entwickeln sich besser als viele Bäume auf einer gleichgroßen Fläche. Studien belegen das.

Was sollen Waldbesitzer noch berücksichtigen?

Laier: Jeder sollte sich einmal die Frage stellen, wie alt ein Wald überhaupt werden soll. Bisher ging man von einem Zielbestandsalter von gut 100 Jahren aus. Durch Klimawandel und Umwelteinflüsse macht es Sinn, einen Wald nur mehr 60 Jahre alt werden zu lassen. Also muss man den Wald stark durchforsten. Damit kann man auch Schäden durch Borkenkäfer und Wind minimieren. Wichtig ist, dass verschiedene Holzarten bestehen bleiben, die Waldbesitzer nutzen können und das Kleinklima erträglicher machen. Ein Wald senkt Temperaturen und hält Wind ab.

Durch den Borkenkäfer entstanden viele freie Waldflächen. Wie geht man dabei vor?

Laier: Hier geht es relativ einfach, einen Mischwald zu setzen. Natürlich muss man die Bodenbeschaffenheit berücksichtigen und für den Standort geeignete Bäume wählen. Landwirtschaftskammern und Bezirkshauptmannschaften helfen bei der Auswahl der Setzlinge und Anträgen für Förderungen aus dem Waldfonds, in der Fachschule Edelhof kann bei Seminaren und Fachtagen die Waldbewirtschaftung erlernt werden. Neu geschaffener klimafitter Wald braucht viel Pflege und Aufmerksamkeit. Ausmähen und Kontrolle des Verbissschutzes sind Aufgaben eines jeden Waldbesitzers.

Wie ist Ihre Einschätzung über den Zustand der Wälder?

Laier: Es gibt liebevollst bewirtschaftete Wälder und welche, in denen gar nichts passiert. Tendenziell haben wir große Durchforstungsrückstände, die behoben gehören – auch mit Harvestern, wenn sie bei idealem Wetter in Wäldern werken. Eines muss sich jeder Waldbesitzer vor Augen führen: Ein Waldbesitz ist eine gesellschaftliche Verantwortung.

Ein gut gepflegter Wald leistet große und wertvolle Beiträge zum Klimaschutz. Deshalb muss man mit dieser Ressource bestmöglich umgehen, damit auch in Zukunft Wald zur Erholung und für die Produktion von Zeitungspapier oder Dachstühlen genützt werden kann. Die Teilnehmer meiner Workshops waren ganz erstaunt, als ich sie aufforderte, eigene Ideen für die Schaffung eines klimafitten Waldes einzubringen. Ich will zum Nachdenken anregen, damit auch Visionen entstehen können. Auch das Forstgesetz hat dafür Spielräume.

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