"NACHTstreifZUG" im Strickereimuseum . In der Region rund um Litschau blühte einst das Strickerei-Gewerbe. Heute unvorstellbar, aber damals verdiente beinahe die gesamte Bevölkerung mit der Produktion von Handschuhen, Socken, Mützen und Schals ihren Unterhalt. Beim "NACHTstreifZUG" am 5. Oktober kann man im Strickereimuseum und bei weiteren Litschauer Schmankerln einen Blick in diese Vergangenheit werfen.

Von Christian Freitag. Erstellt am 02. Oktober 2019 (10:08)
Christian Freitag
Laden zu einem Streifzug durch die Textil-Geschichte der Stadt Litschau: Reinhard Thür, Thomas Bajer, Amelie Seilern-Aspang, Martina Kainz, Ernestine Schuster, Maria Ergott und Anton Schalko (von links).

Ganze Familien waren in einer der zahlreichen Weberei- und Strickerei-Fabriken beschäftigt, so ziemlich in jedem Haus war eine Strickmaschine zu finden.

Dem gebürtigen Litschauer Anton Frühwirt gelang es 1882 den Wiener Fabrikanten Martin Kessler nach Litschau zu bringen, der in einem Privathaus die erste Strickwarenerzeugung im Ort einrichtete. Bereits zwei Jahre später siedelte sich in der Hörmannserstraße 1 die nächste Firma an, vielen Menschen noch als „Coop“ und „Schüller & Co“ in Erinnerung.

Christian Freitag
Das Strickereimuseum Litschau

Fabrik Nummer drei entstand am jetzigen Areal des jetzigen Landespflegeheims in der Wiener Straße. Auch in den Gebäuden am Stadtplatz 81 und in der Bahnhofstraße 8 waren ursprünglich Strickereibetriebe angesiedelt. „ Vielen Menschen noch gut bekannt ist zum Beispiel auch noch die Firma Preissler, die ihren Sitz im Inselweg hatte!“, erzählt Anton Schalko weiter, „Litschau besaß tatsächlich eine florierende Strickwarenerzeugung!“

Die fortlaufende, rasche Modernisierung der Technik und die Auslagerung der Textil-Produktion in Billiglohnländer hatten eine negative Auswirkung auf die heimische Wirtschaft, es existiert leider kein einziges der genannten Unternehmen mehr.

Einen lebhaften Eindruck aus dieser Epoche erhält man jedoch im Strickereimuseum in Litschau. Dieses wurde von einigen beherzten, ehemaligen Strickerei-Fachkräften liebevoll ins Leben gerufen und nach wie vor gepflegt und betreut. Vom alten Webstuhl über die älteste Strickmaschine, einer Lamb Knitting Machine, Baujahr 1865, die hauptsächlich für die Erzeugung von Socken und Handschuhen verwendet wurde, bis hin zum jüngsten Modell, einer Popp Achtschlossmaschine, Baujahr 1960, gibt es viele Exponate zu besichtigen.

„Interessantes über die Maschinen und deren Arbeitsweise und Weiterentwicklung kann man bei einer Führung durch das Museum von mir, Gerhard Benischek, Norbert Schalko oder Günter Neumaier erfahren“, lädt Anton Schalko ein. Eine besondere Möglichkeit, das Museum zu besichtigen, bietet im Rahmen der "Lange Nacht der Museen" am 5. Oktober bereits zum dritten Mal der "NACHTstreifZUG".

Bei dieser Veranstaltung kann man zudem an einer Spezialstadtführung teilnehmen, im Heimatmuseum einer Lesung lauschen, in der Topothek im großen Pfarrheim quasi in den Fotoalben von Oma und Opa stöbern und im Kulturbahnhof alte Filmaufnahmen ansehen. Und ganz besonders Romantisches bietet die Waldviertelbahn: An- und Abreisen kann man ab Gmünd mit einem Sonderzug!