Badeschluss für letztes Freibecken?. Die Opposition schäumt: Gemeindeführung hält das große, alte Becken im Strandbad Litschau für nicht mehr erhaltbar. Ein letztes Jahr Schonfrist.

Von Sebastian Dangl und Markus Lohninger. Erstellt am 15. September 2021 (05:15)
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Die Tage des Litschauer Sportbeckens könnten gezählt sein.
Christine Deutsch

Das letzte öffentliche Outdoor-Schwimmbecken im Bezirk Gmünd außerhalb des Solebades steht nach über 40 Jahren auf höchst wackligen Säulen: Nach dem Durchrechnen mehrerer Optionen für ein Zukunftskonzept zum Strandbad Litschau kam die Gemeindeführung zum Schluss, dass das Becken nicht mehr erhaltbar sei. Im Gemeinderat entbrannte dazu eine heftige Debatte. Zwei Mini-Chancen leben noch.

Selbst die Minimalvariante kostet min. 250.000 Euro

Mehrfach hatte die NÖN schon über die schwierigen, weil kostenintensiven Herausforderungen für Sportbecken und Bädertechnik berichtet. 2016 wurde erstmals eine Arbeitsgruppe dazu ins Leben gerufen, die im Vorjahr von einer weiteren Arge „Zukunfts-Konzept Strandbad Litschau“ abgelöst wurde. Kalkuliert war damals mit einem Budgetrahmen von maximal 300.000 Euro zur Realisierung diverser Neu-, Um- oder Zubauten für das gesamte Strandbad worden.

Damit ist nach Kostenschätzungen der Firma Kamp Wasser- und Filtertechnik nun keine von drei potenziellen Becken-Lösungen richtig in Einklang zu bringen. Ein nur noch halb so großes Mehrzweckbecken kostet mindestens 790.000 Euro, hieß es im Gemeinderat. Will man die aktuelle Größe beibehalten, müsse man gar mindestens 1,3 Millionen Euro investieren. Selbst die reine Techniksanierung belaufe sich auf 250.000 Euro – das Problem eines alten Beckens wäre damit aber noch nicht aus der Welt geschaffen.

SPÖ-Holzweber: Becken als „Alleinstellungsmerkmal“ erhalten!

Dass die Beckenanlage ersatzlos fallen soll, verärgerte vor allem SPÖ-Stadtrat Gerhard Holzweber: „Das Becken ist unser Alleinstellungsmerkmal im Bezirk. Viele Leute kommen extra deswegen zu uns, weil es sonst nirgends so ein Angebot gibt.“ Eine Sanierung des Beckens sei für ihn der richtige Weg. BBL-Gemeinderat Roland Edinger schloss sich ihm an: „Wenn wir den Beckenbereich zerstören, zerstören wir damit eigentlich das komplette Strandbad.“

Bürgermeister Rainer Hirschmann (ÖVP) argumentierte dagegen klar mit den Kosten eines solchen Vorhabens, wies auf die Summen alleine schon für eine Technik-Sanierung hin. Man rede hier von 250.000 Euro, die in ein altes Becken gepulvert werden müssten, so Hirschmann. Ein Neubau sei da schon utopisch. „Niemand hat heutzutage mehr ein so großes Becken, weil es sich niemand leisten kann.“

Edinger: „Geld für Betriebsförderung, aber nicht für Sanierung?“

Das Strandbad sei zudem schon seit Längerem ein Minusgeschäft. „Man muss ganz ehrlich damit umgehen. Kein Freibad in Niederösterreich wird positiv geführt. Die Bäder, die vor 40 Jahren gebaut wurden, sperren jetzt alle zu“, erklärte Hirschmann. Über die vergangenen sechs Jahre habe man im Schnitt ein Minus von rund 40.000 Euro jährlich verzeichnet – und laufend in den Erhalt der alten Technik investieren müssen.

Darauf Edinger: Eine Auflassung des Beckens werde ein harter Schlag für alle touristischen Betriebe in der Gemeinde. Eben noch habe man als Sanierungsgemeinde 140.000 Euro an Betriebsförderung verschenken können, „aber für die Sanierung der eigenen Anlagen haben wir kein Geld?“ Ein Becken müsse für 250.000 Euro aufrecht erhalten werden können, schlug Edinger als mögliche Lösung eine Bürgerbeteiligung vor.

Hirschmann zeigte sich von der Idee nicht unangetan. Aber: Er bezweifle, dass man dadurch genug Mittel auftreiben könne. Unklar sei zudem, ob 250.000 überhaupt reichen. Der Austausch der Eisenträger des Beckens sei nicht miteinberechnet. Zusätzlich müsse durch die Nähe zum Hauptbecken auch das Kinderbecken umgebaut werden.

„Wie neue Reifen für ein altes Auto.“

„Die Techniksanierung für 250.000 Euro ist so, wie wenn du dir neue Reifen für ein altes Auto kaufst. Wir verstecken das Problem nur“, meldete sich auch ÖVP-Vizebürgermeister Johannes Heißenberger zu Wort.

Auch Hirschmann zeigte sich unglücklich über das drohende Ende des Beckens. Aber: „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir uns das als Sanierungsgemeinde nicht leisten können. Zusätzlich bräuchten wir die Zustimmung des Landes NÖ, einen defizitären Betrieb aufrecht zu erhalten.“ Niemand komme extra aus Wien, um in ein Becken zu können. Im Waldviertel gehe der Trend aber in Richtung Strandurlaub. „Du stößt die Litschauer damit vor den Kopf“, schnaubte Edinger. „Touristen kommen, weil sie im Strandbad eine Wahl bekommen. In der Gemeinde haben wir kein Problem, was Neues zu bauen, aber wenn es um eine Sanierung geht, stellt es uns jedes Mal auf“, klagte auch Gerhard Holzweber.

Investorensuche auch in Bevölkerung als letzter Anker

 Noch sieht Stadtchef Hirschmann eine minimale Chance: Man habe die Suche nach Investoren und Sponsoren gestartet. „Bevor diese Gespräche nicht abgeschlossen sind, möchten wir die Hoffnung nicht aufgeben“, erklärte er – und schloss die Debatte mit einem Abänderungsantrag zum Strandbad-Zukunftskonzept. Die Auflassung des Beckens wurde aus dem Konzept für das Areal ausgeklammert. Einerseits läuft die Investorensuche weiter, zugleich wurde SPÖ-Stadtrat Holzweber damit beauftragt, ein Modell für eine Bürgerbeteiligung auszuarbeiten. Scheitern beide Versuche, so wird am Abriss der Beckenanlage 2022 wohl kaum ein Weg vorbeiführen.

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