Eisdiele & Lounge: Strandbad-Resti wird reaktiviert. Nach Jahren des Leerstands: Litschauer Strandbad erhält Mix aus Eisdiele und Lounge. Start im April.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:33)

Jahrelang war das verlassene Strandbad-Restaurant beim Herrensee eines der großen Sorgenkinder der Stadt Litschau gewesen, jetzt hat sich aber sogar eine echte Aufwertung für das Areal angebahnt: Anita Kunz aus Schwarzenberg bei Pfaffenschlag will wieder Leben in die markante Immobilie an einem der großen Waldviertler Sommerfrische-Orte bringen – und bereits im April mit einer attraktiven Mischung aus Eissalon mit Terrasse und chilliger Lounge durchstarten.

Dass es zwölf Jahre nach Aufgabe des bis dato letzten dauerhaften Pächters so weit kam, ist einer Reihe an Zufällen zu verdanken… vor allem dem Coronavirus, das Kunz noch im Vorjahr an den Rande ihrer beruflichen Existenz gebracht hatte.

Job, aber keine Arbeit: Zufälle über Zufälle

Im ersten Lockdown im März 2020 war sie nämlich als Betreiberin des „Towerstüberls“ im Heidenreichsteiner Wirtschaftspark über Nacht ohne Arbeit dagestanden. Kochen und Ausliefern war mangels Kochs keine Option, die Wahl fiel auf eine Eis-Auslieferung. Dann der nächste Zufall: Regionale Eisversorger sagten ab, aber über die Bekanntschaft eines früheren Lebensmittelinspektors kam sie auf die Italo-Wiener Eislegende Paolo Bortolotti. Der Inspektor habe gesagt: „Ich bin dort in 30 Jahren nie gefragt worden, ‚warum wollen Sie goldene Türgriffe, sondern wie lange habe ich Zeit‘. Die waren qualitativ immer an der Spitze.“

Das Bortolotti-Eis habe vom ersten Tag an eingeschlagen. „Eine Erfolgsgeschichte hat begonnen. Die Leute sind bereit, für gutes Eis 50 Kilometer und mehr zu fahren – ich habe 2020 nur dadurch wirtschaftlich überlebt“, sagt Anita Kunz heute. Im Juni startete sie auch die Kreation von Eisbechern, dann begann sie, im Litschauer Strandbad mit Eis auszuhelfen.

Mit Eisdielen-Idee in Arbeitsgruppe zu Strandbad-Zukunft geplatzt

In der Schrammelstadt hatte sich wie berichtet 2020 eine sehr breit aufgestellte Arbeitsgruppe zur Zukunft des Strandbad-Areals auch mit Fokus auf das verwaiste Restaurant gebildet. Diese hatte nach ewiger Polit-Debatte eine frühere Arbeitsgruppe abgelöst, den Neustart der Anlage bis 2023 ins Auge gefasst und auch die Bevölkerung eingebunden. Der Weg zur Eisdiele – nicht als neue Konkurrenz, sondern als zusätzliche Attraktion – war nicht mehr weit.

Der nächste Zufall wollte es, dass die Idee für die alten Beton-Gemäuer – der klassisch-italienische Eisdielen-Stil der 1950er Jahre – aufgewertet wurde. Am 28. Dezember stieß Kunz bei der Einrichtungssuche auf ein Angebot für die hochwertige, wenige Jahre alte Lounge samt Schank eines Amstettner Lokals. Der Betreiber hatte aufgehört, das Lokal war bis 4. Jänner zu räumen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden ein Konzept für die Integration des Mobiliars mit Neuwert von über 170.000 Euro ins Strandbad-Resti ausgetüftelt, der Kauf fixiert, die Lounge abgebaut.

Gemeinderat plötzlich vor einem Luxusproblem

Die Stadtgemeinde hatte, nachdem das in ihrem Eigentum befindliche Haus seit 2009 ohne festen Pächter dagestanden war und vor sich hin gealtert war, ohne Ausschreibung plötzlich ein Luxusproblem: Neben Kunz hatte auch der Litschauer Kultur- und Tourismus-Impulsgeber Zeno Stanek Interesse an einer Reaktivierung des Restaurants bekundet.

Eine rasche Entscheidung musste her, um den Start angesichts des aktuellen Waldviertel-Hypes im Frühjahr zu ermöglichen – und die traf der Gemeinderat am 13. Jänner: Er beschloss einstimmig, das Gebäude flott zu machen und maximal 50.000 Euro für die baulichen Maßnahmen zumindest zur Wiedererlangung einer gewerbebehördlichen Bewilligung bereitzustellen. Die Stadt will unter anderem Strom-, Kanal- und Wasseranschluss schaffen, Toiletten, Gast- und Personalraum sanieren. Kunz soll als Pächterin des Erdgeschoßes für Inneneinrichtung und Außenbereich-Gestaltung aufkommen. Ein Vertrag soll dem Gemeinderat am 31. März zur Abstimmung vorgelegt werden.

Mit der Bestandsaufnahme, Einreichplanung und Bauführung wurde die Litschauer Firma Kuben beauftragt (Kosten: 2.485 Euro vor Steuer). Die Auftragsvergabe für die Gewerke obliegt wegen der Dringlichkeit VP-Bürgermeister Rainer Hirschmann, er muss sich mit ArGe-Vorsitzendem Matthias Eschelmüller absprechen und um maximale Förderungen bemühen.

Was der Deal für Strandbad, Theater & Towerstüberl bedeutet

Anita Kunz möchte das Towerstüberl Heidenreichstein weiter mit eigenem Personal betreiben. Für die Monate April bis Ende Oktober will sie parallel dazu den Litschauer Standort bewirtschaften, und darauf zum Start freilich ihr Hauptaugenmerk legen. Innen sind in der gut 90 m 2 großen Lounge etwa 40 Sitzplätze, auf der Terrasse etwas mehr als 40 weitere Plätze vorgesehen.

„Die Vision ist, dass man hier eine schöne Zeit mit Blick auf den herrlichen See verbringen, außergewöhnliches Eis oder einen echt hervorragenden Kaffee mit Mehlspeise genießen kann“, sagt Kunz. Angedacht ist zudem ein Abendbetrieb von Donnerstag bis Samstag, regelmäßig auch mit Live-Musik oder einer Pool-Party. Sie will Badegäste genauso ansprechen wie Kulturfreunde, Urlauber vom nahen „Theater- und Feriendorf Königsleitn“, Radler, Ausflügler und natürlich alle Litschauer.

„Frischer Wind zum richtigen Zeitpunkt."

Hocherfreut über die gefundene Lösung zwei Jahre vor Ende der selbst auferlegten Frist ist Stadtchef Rainer Hirschmann. Er spricht von einem „frischen Wind genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir wollen die Ausgaben in einem vernünftigen, verantwortbaren Rahmen halten. Frau Kunz hat ein tolles Konzept, es kann aufgehen.“ Ziel sei noch die Abstimmung mit Zeno Stanek – um den reibungslosen gemeinsamen Betrieb bei Veranstaltungen und die Nutzung von Synergien auch hinsichtlich des Herrenseeplatzls sicherzustellen.