Karriere in der Gastronomie: Von Litschau über Miami in die Schweiz

Erstellt am 14. Mai 2022 | 04:52
Lesezeit: 5 Min
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Die Faszination für die Gastronomie ist bei Nicole Mayrböck groß und wurde ihr in die Wiege gelegt: „Ich war immer schon eine leidenschaftliche Gastgeberin“, sagt sie.
Foto: privat
Nicole Mayrböck und ihr Weg vom Restaurant der Mutter bis nach Zürich.
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Ein prüfender Blick wandert durch die Gaststube. „Es ist alles sauber, riecht gut und überall stehen Kerzen. Das ist schön“, sagt Nicole Mayrböck. Dass sie vom Fach ist, fällt gleich in den ersten Minuten des Gesprächs auf. Die 36-Jährige ist in Litschau aufgewachsen und leitet aktuell das Hotel St. Georg in Einsiedeln bei Zürich. „Meine vier Brüder und ich sind in die Gastronomie hineingewachsen und alle in der Branche geblieben. Ich glaube, das ist ziemlich selten“, schmunzelt sie.

Klingeln wird es bei Litschau-Kennern erst bei ihrem gebürtigen Namen: Nicole Mayrböck hieß vor ihrer Hochzeit Gloser – und in die Gastronomie „hineingewachsen“ ist sie dank des Restaurants der Mutter. Dort hat sie schon in jungen Jahren mitgeholfen, während der Ausbildung an der Hotelfachschule Krems zusätzlich Praktika im Golfhotel Haugschlag absolviert. Als Gastronomen-Kind sei das Aufwachsen ganz anders, blickt sie zurück: „Am Wochenende ins Kino zu gehen, gab es fast nicht.“ Als Bruder René das mütterliche Restaurant übernommen hatte, war es für Nicole Mayrböck „Zeit, mal abzuhauen. Ich dachte, wenn ich jetzt nicht gehe, gehe ich gar nicht“. Und sie ging – nach Miami im US-Bundesstaat Florida. Sie blieb ein Jahr, danach folgte ein Job im Bregenzerwald für eine Saison.

Unterdessen hat Nicole Mayrböcks Bruder René das Restaurant in Litschau geschlossen, er ging für ein Jobangebot nach Zürich. Als die Schwester zu Besuch kam, fand sie Gefallen an der Stadt. „Ich durfte direkt ein Restaurant miteröffnen, nach einem Jahr haben wir einen Stern bekommen“, sagt sie. Für zweieinhalb Jahre war Mayrböck dort als Restaurantleiterin tätig: „Es war Gastronomie pur, von der Früh bis am Abend und teilweise haben die Arbeitstage 14 Stunden gedauert. Wir haben uns den Stern hart erarbeitet.“

In der Schweiz auch das private Glück gefunden

Aus der Zeit geblieben sind nicht nur berufliche Erfahrungen: In dem Restaurant hat sie ihren Gatten Reinhard kennengelernt, Weinberater und gebürtiger Oberösterreicher.

Die nächste berufliche Station: ein neu eröffnetes Hotel beim Züricher Bahnhof. „Dort hat man mit den Gästen mitgelebt“, erzählt Nicole Mayrböck. Denn: Das Hotelkonzept sah ein „Wohnen mit Service“ und einen Mindestaufenthalt von einem Monat vor. „Alles, was den Alltag erleichtert, haben wir gemacht“, sagt sie.

Nicole Mayrböck lebt mit ihrer Familie – vor wenigen Wochen wurde Tochter Marie geboren – in einem Haus am Zürichsee. Beruflich hat es sie schließlich aus Zürich weggezogen: Sie leitet nun das Hotel St. Georg in Einsiedeln, bekannt für das Benediktiner-Kloster und gut 30 Autominuten von Zürich entfernt. Seit zwei Jahren führt die gebürtige Litschauerin das Haus mit 15 Mitarbeitern und knapp 50 Zimmern. „Jetzt bin ich wieder voll in der Hotellerie und fühle mich dort total wohl. Es ist ein schöner kleiner Ort, ähnlich wie Litschau“, schmunzelt sie.

Mit ihren Geschwistern verbindet Nicole Mayrböck nicht nur die Liebe zur Gastronomie: Drei der vier Brüder leben ebenfalls in der Schweiz. René, der einst das Restaurant in Litschau übernommen hatte, ist erfolgreicher Küchenchef, Pascal und Patrick Hoteldirektoren. Nur Georg ist der Schrammelstadt treu geblieben, arbeitet aber ebenfalls in der Gastronomie. „Meine Mama hätte nie gedacht, dass wir alle in der Branche bleiben“, lacht die Wahl-Schweizerin.

Selbständigkeit? Vielleicht sogar in der Heimat

Was ihr an der Gastronomie gefällt? „Es ist so einfach, neue Menschen kennenzulernen und du kannst arbeiten und reisen gleichzeitig“, sagt Nicole Mayrböck. Außerdem: „Ich war immer schon eine leidenschaftliche Gastgeberin. Ich mache Menschen gerne Freude und mir geht es immer erst gut, wenn es den anderen gut geht. Es ist ein wahnsinnig schöner und erfüllender Beruf.“

Die persönliche Dienstleistung in der Gastronomie und Hotellerie sei kaum zu ersetzen, auch wenn die Digitalisierung langsam Einzug hält.

Bei so vielen Erfahrungen und einer so großen Begeisterung für die Branche: Gibt es Gedanken an die Selbständigkeit? Vorstellen könne sie es sich schon, sagt Nicole Mayrböck. Zuerst müsse es allerdings einen finanziellen Grundstock geben. Zu oft habe sie gesehen, wie schwierig es ohne dem werden könne. Je mehr sie – in der angenehmen Atmosphäre der Gaststube mit gutem Duft und Kerzenlicht – darüber nachdenkt, umso mehr scheint die Idee zu wachsen: „Etwas Kleines mit Wein, gutem Kaffee und regionalen Produkten. Wenn, dann würde ich es wahrscheinlich daheim machen. Ich könnte mir nie vorstellen, alt zu sein und einfach nichts zu tun.“

„Daheim“, das ist irgendwie immer noch Litschau

Vor allem seit es Tochter Marie gibt. Erinnerungen an ein Aufwachsen mit hohem Bezug zur Natur werden wach. „Wir haben es wirklich schön in Zürich, aber mich zieht es immer mehr heim – außer es ist nur eine Phase“, lacht Nicole Mayrböck.

Weil ihre Brüder auch in der Schweiz leben, sei die Familie zumindest nicht ganz so weit weg. Ganz besonders spannend werde es, wenn alle gemeinsam in ein Restaurant gehen, erzählt sie: „Jeder von uns ist vom Fach, mir tun die Wirte fast schon leid.“ Dann dürfte es also nicht nur einen prüfenden Blick durch die Gaststuben geben.

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