Leopoldine Anibas: „Zum 100er starte ich ein neues Projekt“

Leopoldine Anibas aus Litschau wünschte sich einen Brunnen – in Burkina Faso.

Erstellt am 28. November 2021 | 06:28
Lesezeit: 3 Min

„Ich glaube, diese großartige Frau würde einen weiteren Beitrag in der NÖN verdienen“, stand in einer Mail, die die NÖN anlässlich eines Beitrages zum 100er der Litschauerin Leopoldine Anibas in der Vorwoche erreichte. Absender war der private Verein „Burkina Faso – Hilfe direkt“, dem die Jubilarin bereits zum zweiten Mal eine hohe Spende hat zukommen lassen. Dahinter verbirgt sich tatsächlich eine sehr spannende Geschichte…

Anzeige

Erstmals hatten sich die Wege von Anibas und Vereinsfunktionären erst vor vier Jahren gekreuzt. „Da hat sie anlässlich ihres 96. Geburtstages Kontakt zu uns aufgenommen, um Besuch gebeten und eine Überraschung angekündigt. Sie hatte auf Geburtstagsgeschenke verzichtet, mit Familie und Freunden einen Brunnen für Burkina Faso gespendet“, erzählt Kassier Toni Jandrisits. „Wenn Sie 100 werden, kommen wir nochmal“, habe Obmann Franz Grandits, mittlerweile selbst 84-jährig, angekündigt – so kam es. Das Duo aus dem Südburgenland stattete Anibas vor wenigen Tagen im Pflegeheim Litschau einen Besuch ab – und erhielt prompt die Spende auch für den Bau eines zweiten Brunnens.

„Meine Mutter sieht nicht mehr und hört schlecht, ist geistig aber völlig klar. Sie interessiert sich dafür, was in der Welt passiert, besonders Kinder und Schulbildung sind ihr ein großes Anliegen“, berichtet Tochter Andrea Weinstabl.

„Brunnen hat Bestand, wenn ich einmal nicht mehr da bin“

Über persönliche, vertrauenswürdige Kontakte habe sie vom Verein „Hilfe direkt“ des ehemaligen Tischlermeisters Franz Grandits aus Stinatz erfahren, der seit 25 Jahren Hilfsprojekte in Burkina Faso organisiert. Mindestrentnerin Anibas wolle nachhaltig etwas Gutes bewirken: „Der Brunnen hat Bestand, wenn ich einmal nicht mehr da bin“, darüber freue sich ihre Mutter sehr, so Weinstabl.

Leopoldine Anibas weiß, was es bedeutet, mit wenig durchkommen zu müssen, wie ihre Tochter erzählt: „Meine Eltern sind in äußerst bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Die Zeiten waren schwierig, für vier Jahre Arbeit als Magd hat meine Mutter einen Kopfpolster verdient! Mein Vater hatte als Kriegsversehrter nur noch ein Auge. Die beiden haben den Unterhalt für sich und die sechs Kinder mit einer kleinen Landwirtschaft in Wielandsberg schwerst verdient.“

Der Lockdown im Frühjahr stellte die Pensionistin, die seit 2013 im PBZ Litschau lebt, vor neue Herausforderungen: Ihr Hörapparat wurde nicht gewartet, somit der Kontakt zur Umgebung noch schwieriger. Dazu hatte sie trotz erster Teilimpfung eine Corona-Erkrankung zu überstehen. Doch Leopoldine hatte ein Ziel: „Zum 100er starte ich wieder ein Projekt!“, und Vorhaben wie dieses geben ihr Kraft, ist Andrea Weinstabl überzeugt: „Am liebsten hätte sie auf ein neues Hörgerät verzichtet, um auch mit diesem Geld den Brunnen in Burkina Faso zu sponsern. Zwei Geschwister meiner Mutter leben noch, die Schwester hat gleich 500 Euro beigesteuert, und so haben wir, Familie und Freunde, als Geburtstagsgeschenk wieder zusammengelegt.“

51 Schulen, sieben Mädchenheime, drei Kirchen, vier Waisen- und drei Krankenhäuser, zwei Tischlereien und Schlossereien, zwei Nähschulen, 98 Brunnen und 33 Brunnenreparaturen hat „Hilfe direkt“ seit 25 Jahren im westafrikanischen Burkina Faso finanziert.

Nachhaltige Hilfe im ärmsten Land Afrikas

„Wir geben auch Essen an Straßenkinder und junge Geflüchtete aus. Alle Vorstands-Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, Reise- und Aufenthaltskosten in Burkina Faso werden aus der eigenen Tasche bezahlt“, erläutert Jandrisits. Vor Ort koordiniere der Deutsch sprechende Schuldirektor die Projekte, die Verwendung jedes Euro sei einsehbar. Das Leben der Menschen müsse nachhaltig verbessert werden, dazu komme Hilfe in Notsituationen.

Stolz ist nicht nur die Oma auf ihre 14 Enkelkinder und 22 Urenkerl: Zum 100. Geburtstag schrieb eine Enkelin in ihrer Instagram-Story: „Meine Oma gibt mir starke Wurzeln!“