Stanek-Offensive: 4 Mio. Euro für Königsleitn-Rettung. Intendant will Litschauer Hoteldorf neues Leben einhauchen. 2020 als Übergangsjahr zum Neustart.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 11. März 2020 (06:22)

Mit großen Neuigkeiten lassen Zeno Stanek und die bisherigen Betreiber des Hoteldorfs Königsleitn, Riet und Harry Biemans, aufhorchen: Der Intendant von Schrammelklang- und Hin-&-Weg-Festival übernimmt das Hoteldorf gemeinsam mit Immobilien-Entwickler Günter Kerbler als Investor. Stanek will ab 2021 neben dem normalen Urlaubsbetrieb auch einen Theater- und Kulturschwerpunkt etablieren. Das Hoteldorf wird zum „Theater- und Feriendorf“.

Neue Theater-Workshops

„Die Frage für mich war, wie wir diese wunderbare Natur, die Landschaft um Litschau aber auch in Südböhmen, das ja touristisch noch wenig erschlossen ist, mit Kultur verbinden können“, erläutert Zeno Stanek sein Konzept für das Hoteldorf. „Dafür gibt es hier sehr viel Potenzial.“ Einerseits will er ein Angebot für Künstler und Künstlergruppen schaffen. „Wir können hier ganze Ensembles unterbringen.“ Andererseits auch Theater für jedermann zugänglich machen.

Ab Frühjahr 2021 sollen spezielle Theaterworkshops mit ausgebildeten Pädagogen für Schulen, aber auch für Unternehmen (Mitarbeiterschulungen), angeboten werden – alles in Verbindung mit der Natur (auch in Oxford-Englisch). „An der guten Luft, in schöner Natur, in aller Ruhe und Stille. Die Idee ist ja aus eigener Erfahrung geboren“, ergänzt der Wiener. „Diese Luftveränderung, wenn ich nach Litschau komme, ist gigantisch. Ich vergleiche eine Woche Proben in Litschau immer mit drei Wochen Proben in Wien. Das sind auch Reisen zu sich selbst.“

Zudem sollen neben den zwei Festivals auch gastronomische Events, immer in Verbindung mit Kunst, veranstaltet werden. Hintergrund des neuen Schwerpunkts sei nicht, aus allen Menschen Schauspieler zu machen, sagt Stanek: „Aber Theaterfertigkeiten – gutes Auftreten, Aussprache, vor Menschengruppen auftreten oder sich gut ausdrücken zu können – helfen auch im normalen Leben.“

Tennishalle soll umgebaut werden

Vor diesem Hintergrund soll es ab Herbst, also nach der Saison, einige Adaptierungen im Hoteldorf geben. Die größte wird der Umbau der Tennishalle zu vier Proberäumen, die dann auch für Chöre und Musicals genutzt werden können, sein. „Die Halle wird aktuell ohnehin sehr wenig genutzt und die Freiluftplätze bleiben erhalten“, erklärt Stanek, der selbst gerne Tennis spielt. Durch die Proberäume ergeben sich auch Nutzungsmöglichkeiten für größere Veranstaltungen bzw. Feiern.

Zudem soll sanft renoviert werden, etwa im Restaurant und im Haupthaus. Begegnungsräume sollen geschaffen werden. „Damit die Leute zusammen kommen, kommunizieren können“, sagt Stanek, der im Gespräch mit der NÖN auch immer wieder die Lagerfeuer-Romantik ins Spiel bringt. „Wo passiert denn Kommunikation? Beim Feuer, bei der Kochstelle.“

Am Erscheinungsbild des Hoteldorfs mit den 15 waldviertel-typischen Dreiseithöfen und 65 Appartements werde sich kaum etwas ändern. „Das ist ja in gutem Zustand, wurde vor 30 Jahren aus Top-Materialien gebaut“, sagt Zeno Stanek. „Und passt auch sehr schön in den Hügel, die Königsleitn.“

Ende des Feriendorfes „wäre eine Katastrophe“

 „Ich bin seit meiner Studienzeit mit Theatersachen in Litschau, das Hoteldorf war schon immer ein wichtiger Partner“, erzählt Stanek. „Künstler waren dort untergebracht, Theatergäste haben im Feriendorf genächtigt. Das Szenario, dass es dieses Feriendorf nicht mehr geben würde, wäre eine Katastrophe. Das ist ein Leitbetrieb für das gesamte Waldviertel.“

Und doch stand es im Raum. Riet und Harry Biemans wollen nach zehn Jahren als Betreiber ihre Pension antreten, das Feriendorf in neue Hände geben. Die Nachfolgersuche dauerte. Vor zwei Jahren winkte auch Stanek schon ab. „Ich habe mich nicht als Touristiker gesehen.“ Der Ehrenpreis für Tourismus des Landes NÖ 2018 ließ ihn umdenken. Er sei zum Schluss gekommen, dass Theater und Tourismus „doch nicht so weit auseinander liegen“.

 4 Mio. Euro für Kauf und Renovierung

 Er kontaktierte die Bie-mans‘ und ging auf Investorensuche, die bei seinem langjährigen Bekannten Günter Kerbler endete. „Ich habe ihm eher beiläufig von meiner Idee erzählt. Plötzlich sagt er, das könnte ihn interessieren“, erinnert sich Stanek. „Ich denke, er sieht darin mehr eine Kunstförderung als eine Immobilieninvestition.“

Der Horner Kunst- und Theaterliebhaber stellt satte 4 Millionen Euro als Gesamtinvestitionssumme für Ankauf und Renovierung auf die Beine. Kerbler leitet die Eigentümergesellschaft, Stanek die Betreibergesellschaft. Die Übergabe war bereits.

Nach Übergangsjahr: Stanek soll Geschäftsführer werden

Damit kann das Ehepaar aus den Niederlanden beruhigt seine Pension antreten – allerdings nicht sofort. Denn 2020 wird ein Jahr des Übergangs werden, den die Bie-mans‘ noch als Leiter mitbegleiten wollen – und in dem die Anlage auch weiter unter Hoteldorf Königsleitn laufen wird. „Wir werden nebeneinander arbeiten, um Einblick zu bekommen, alles zu lernen. Im Herbst kommt die endgültige Übergabe“, sagt Stanek, der die Geschäftsführung dann selbst übernehmen will.

„Dieser sanfte Übergang war uns auch sehr wichtig“, ergänzt Riet Biemans. „Wir sind seit zehn Jahren da. Viele Stammgäste sind heute wie eine Familie für uns, die wir nicht von heute auf morgen einfach verlassen möchten, sondern sie auf die Änderung langsam vorbereiten möchten, auch die neuen Eigentümer vorstellen.“

Familien weiter willkommen, mit Kultur zum Ganzjahresbetrieb

In der zu Ostern startenden Saison 2020 läuft der Betrieb noch ganz normal weiter. Ab 2021 soll das neue Konzept integriert werden – unter neuem Namen „Theater- und Feriendorf“ und mit neuem Außenauftritt.

„Der normale Betrieb für Familien, die hier Urlaub machen, läuft natürlich auch 2021 ganz normal weiter. Sie sind herzlich willkommen“, betont Stanek. „Zusätzlich gibt es dann den Kulturschwerpunkt.“ Der soll zunächst die Vor- und Nachsaison besser beleben. Langfristig ist ein Ganzjahresbetrieb das Ziel. „Das Potenzial ist auf jeden Fall da. Wir wollen zunächst die Schülergruppen verstärken, mehr Seminare anbieten.“ Das werde sich auf die gesamte Region auswirken, ist Zeno Stanek überzeugt.

Die Stadt Litschau habe einen hohen Bekanntheitsgrad, durchaus verbunden mit nostalgischen Emotionen, verdeutlicht er: „Viele Leute hören den Ortsnamen und denken sich: ‚Jö, da war ich als Kind beim Schulausflug im Feriendorf‘. Auf der anderen Seite gibt es das Schrammelklang-Festival und das Hin-&-Weg-Theaterfestival. Jetzt verbinden wir diese beiden Felder.“