Moorbad Harbach

Erstellt am 11. Januar 2017, 04:27

von NÖN Redaktion

Straßendienst: Auf Streutour mit dem Winterdienst. Auf Wintertour mit dem Straßendienst: NÖN-Mitarbeiterin Karin Pollak begleitete Harald Klein durch das Harbacher Gemeindegebiet.

Erst bei der Rückfahrt wird die Straße zwischen Harbach und dem Grenzübergang gestreut.  |  Karin Pollak

Schon das Einsteigen in das Streufahrzeug am Nachmittag des 5. Jänner beim Bauhof in Wultschau ist spannend. Die Fahrerkabine des im Sommer neu angelieferten Kommunalfahrzeugs „Aebi“ ähnelt dem Cockpit eines Flugzeuges. Joysticks, kleine Bildschirme, diverse Knöpfe und Schalter stechen ins Auge. Harald Klein ist seit zwölf Jahren im Bauhof angestellt und sorgt im Winter neben zwei weiteren Kollegen für den Winterdienst. Er erklärt, wie Streugut (Salz, Sand oder Splitt), Streubreite (bis zur Straßenbreite von zehn Metern) oder Streumenge eingestellt werden können.

Der allradbetriebene, zehn Tonnen schwere Aebi ist voll betankt, mit Ketten ausgestattet und mit drei Tonnen Riesel beladen. Los geht‘s auf unsere Tour durch Wultschau, Maißen, Lauterbach, Harbach und zum Mandelstein. Immer im Blick hat Klein die Rückfahrkamera, mit der er das auf die Straße fallende Streugut kontrolliert. Im Retourgang geht es bei Maißen durch eine enge Gasse. „Da können wir nicht umdrehen, daher fahren wir retour einige Gassen ab“, so Klein.

An guten Tagen bis zum Stockzahn sehen…

Auch in Lauterbach geht es durch kleinen Gassen, ehe es zur wichtigsten Strecke der Gemeinde geht: „Die Zufahrt zum Moorheilbad müssen wir mehrmals am Tag streuen und auch mehr Streugut aufbringen, damit Gäste aus dem ‚Flachland‘ auf dem steileren Stück nicht hängen bleiben oder ins Rutschen kommen“, weiß Klein aus seiner langjährigen Erfahrung.

Entgegenkommende Fahrzeug-Lenker weichen aus oder halten an, sie grüßen freundlich und lassen den Streuwagen vorbei. „Das ist nicht immer so“, sagt Klein: „Manche beharren auf ihre Weiterfahrt. Dann muss ich im Retourgang die Straße frei machen.“ Verstehen kann er diese Vorgangsweise nicht.

Weiter geht’s zum Grenzübergang im Wald bei Harbach. „Diese Strecke war früher im Winter gesperrt, seit der Grenzöffnung herrscht aber reger Verkehr“, klärt er auf. Tschechen kommen zur Arbeit nach Harbach oder bringen ihre Kinder in den Kindergarten. Eine Fahrt durch herrliche Winterlandschaft beginnt. Wir treffen einen Fußgänger. Auch er grüßt freundlich. Beim Grenzübergang wird gewendet. Drüben in Tschechien ist die Straße geräumt, bei uns wird jetzt am Retourweg Sand aufgebracht. Warum erst jetzt? Klein: „Wenn wir schon beim Reinfahren streuen, drücken wir beim Retourfahren das Streugut in den Schnee und es wirkt nicht mehr so gut.“

Eine herrliche Winterlandschaft bietet die Auffahrt zum Mandelstein. Auch diese Straße muss geräumt und gestreut werden.  |  Karin Pollak

Als Klein die Straße auf den Mandelstein auf ähnliche Weise befährt, wissen wir bereits, was jetzt kommt. Mit der kleinsten Stufe des Automatik-Getriebes und mit 20 km/h geht es Kurve um Kurve bis zum Parkplatz am Mandelstein. „Man muss ständig aufpassen, immer konzentriert sein und auch den Bereich neben den Straßen im Blick haben“, erklärt Klein. Warum? Es kommt vor, dass man Fahrzeuge entdeckt, die von der Straße abgekommen sind und Hilfe brauchen. Nicht nur einmal habe er Autos aus dem Graben gezogen oder Einsatzkräfte nach schlimmeren Ausritten holen müssen.

Die Fahrt auf den Mandelstein ist eine seiner Lieblingstouren. Wunderbare Sonnenaufgänge oder das Wild in unmittelbarer Nähe zur Straße hat er hier bereits erlebt. Heute sehen wir davon nichts. Also geht es mit Stufe zwei und 25 km/h den Berg hinunter. Die Kollegen aus der Gemeinde Unserfrau-Altweitra haben die andere Seite des Mandelsteines noch nicht gestreut.

Bald geht es bereits rechts ab zum entlegendsten Haus der Gemeinde. Der Aebi kämpft sich wieder den Berg rauf am Scheiberleitenweg, der zum Grenzübergang führt. Der Ausblick ganz oben vom letzten Haus ist gewaltig. „Manchmal sieht man sogar den Arbesbacher Stockzahn von hier“, sagt Klein.

Start im Räumdienst morgens um 3.30 Uhr

In Harbach erwartet uns noch ein Nervenkitzel. Ganz eng geht es zwischen einem Wohnhaus und einem Stadel runter. Für Klein ein Kinderspiel. Gekonnt lenkt er uns durch die Engstelle. „Sind die Schneewechten höher, dann wird es schwieriger.“ Der Straßenabschnitt in Richtung Wultschau gehört nun zum Einsatzgebiet der Straßenmeisterei Weitra und wird auch von dieser gestreut.

Insgesamt vier Stunden dauert eine Streutour in Moorbad Harbach, an normalen Wintertagen steht jeweils eine ab 5 Uhr morgens und eine am Abend an. Klein ist aber auch mit dem Schneepflug unterwegs. „Da beginnen wir schon um 3.30 Uhr. Daher bin ich am Vortag meist schon um 20.30 Uhr im Bett – das brauche ich.“

Hochkonzentriert lenkt Harald Klein den Aebi bei den Streutouren durch die Gemeinde Moorbad Harbach.  |  Karin Pollak

An manchen Tagen müssen drei Durchgänge gefahren werden, sagt er: „Eine Tour wird dann in zwei Etappen durchgeführt. Zuerst kommen der Nebelstein und die Schwarzau mit einem Gefälle von etwa 17 Prozent dran. Dann geht es zurück zum Bauhof, um wieder Streugut aufzuladen.“ Danach kommt die Route, die Klein in NÖN-Begleitung gefahren ist.

Ob und wie oft geräumt und gestreut wird, entscheidet der jeweilige im Winterdienst befindliche Bauhofmitarbeiter selbst. „Wir informieren uns natürlich über das Wetter. Im Zweifel fahre ich einmal mit meinem Privat-Pkw aus und schaue, wie die Verhältnisse sind – lieber einmal zu oft, als einmal zu wenig räumen und streuen.“

Eine Tour endet – die nächste kündigt sich an

Arbeitsintensiv seien die letzten intensiven Wintertage gewesen, bestätigt er. Daran wird sich laut Wetterprognose nichts ändern: „Es ist aber ein normaler Winter, den wir halt jetzt schon länger nicht mehr gehabt haben“, sagt Klein, der gerade die vorherrschenden Straßenverhältnisse mag: „Wenn frisch geräumt ist, der Schnee auf der Fahrbahn glitzert und es nicht gleich wieder schneit, dann herrschen für das Streuen ideale Bedingungen.“ Die Begeisterung an der Arbeit spürt man.

Unsere Tour endet wieder im Bauhof von Wultschau. „Schauen wir mal, wann ich wieder ausrücken muss“, meint Klein beim Abschied.
Es beginnt wieder kräftig zu schneiden. Wir ahnen, dass die Pause nur kurz sein wird – und Harald Klein oder einer seiner Kollegen bald wieder auf Achse sein werden.