"Vize" Karl Haumer hört auf: "Persönliche Entscheidung". 21 Jahre war Karl Haumer in der Gemeinde aktiv. „Das ist genug“, meint der Vizebürgermeister.

Von Karin Pollak. Erstellt am 21. Januar 2021 (04:45)
VP-Bürgermeisterin Margit Göll und VP-Vizebürgermeister Karl Haumer
Archiv, Gemeinde Moorbad Harbach

Der langjährige Vizebürgermeister der Gemeinde Moorbad Harbach, Karl Haumer, tritt zurück. „Das ist alleine meine persönliche Entscheidung. 21 Jahre im Gemeinderat, davon zehn Jahre als Vizebürgermeister, sind genug“, betont Haumer.

Spekulationen über Beweggründe

Schon vor der Gemeinderatswahl im Vorjahr habe er die Entscheidung getroffen, nicht mehr eine ganze Periode zu bleiben. „Jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen. Es gibt zahlreiche große Projekte, die anstehen. Bei der Organisation und Planung soll mein Nachfolger von Beginn an dabei sein. Wenn ich damit beginnen würde, wäre das unfair ihm gegenüber“, zeigt Haumer auf.

Der Schritt führt zu Spekulationen. „Karl Haumer war niemals ein stiller Hinterbänkler. Er war in seiner Fraktion sehr geschätzt, weil er Entscheidungen immer bedingungslos mitgetragen hat. Das dürfte für ihn aber in letzter Zeit immer schwieriger geworden sein“, heißt es auf der Homepage des Vereines zur Förderung der „Meinungsfreiheit und Informationsaustausches“, dem auch Markus Müller angehört. Müller, der einen Zusammenhang der Entscheidung mit Gemeindeamts-Neubauvisionen ortet, zur NÖN: „Karl ist ein guter Mensch, der nicht auf den eigenen Vorteil geschielt hat, allerdings war er immer ein braver Parteisoldat.“

Haumer widerspricht dem entschieden. „Ich bin sicher einer, der kritisch beurteilt, sich meistens viel zu viele Gedanken macht. Ich bin alles andere als ein braver Parteisoldat und bin auch kein typischer Politiker“, sagt er. Kritische Stimmen habe es von ihm laufend gegeben. Sein Rücktritt sei wohlüberlegt. „Ich will nicht so enden wie mein Vater, der jahrzehntelang Bürgermeister und Feuerwehrkommandant in Lauterbach gewesen ist. Ich werde im November 60, möchte nicht als längstdienender Vizebürgermeister in die Geschichte der Gemeinde eingehen.“ Die Arbeit in der Gemeinde habe er gerne gemacht, es sei eine „Aufgabe“ gewesen: „Es war fordernd, ich habe mir alles nicht einfach gemacht. Die Themen waren vielfältig und interessant, nicht immer war es lustig. Aber jetzt ist Schluss.“

„Er wird uns irrsinnig fehlen.“

Haumer habe bereits vor der Wahl 2020 bekannt gegeben, nicht für die ganze Periode zur Verfügung zu stehen, zeigt sich VP-Bürgermeisterin Margit Göll nicht vom Rückzug an sich, sehr wohl aber vom Zeitpunkt überrascht. „Zu Weihnachten hat er mich informiert, dass er über den Rücktritt nachdenkt. Jetzt ist es soweit“, so Göll. Sie dankt ihrem langjährigen Weggefährten: „Er wird uns irrsinnig fehlen. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, man konnte sich auf ihn verlassen. Viele intensive Projekte haben wir gemeinsam umgesetzt. Auch privat haben wir uns sehr gut verstanden.“

Nachfolger soll am 11. Februar gewählt werden

Karl Haumer will den Rücktritt in den nächsten Tagen auch schriftlich bekannt geben. „Wir haben die nächste Gemeinderatssitzung für den 11. Februar geplant. Dabei soll der neue Vizebürgermeister gewählt werden“, sagt Göll. Ein potenzieller Nachfolger sei bereits gefunden: „Den Namen werden wir noch nicht bekannt geben, zuerst muss Karl Haumer offiziell zurücktreten. Vielleicht überlegt er es sich nochmals.“

Das kann Haumer aber ausschließen. Er hat vor, sich nach der Arbeit in der Gemeinde vermehrt dem Sport, dem Fotografieren und der Feuerwehr Lauterbach zu widmen, der er bereits 42 Jahre angehört und wo er 35 Jahre Verwalter war.