Schwester von Bräutigam: „Werden auf Straße beschimpft“. Riesenwirbel nach Bekanntwerden des ersten Coronaclusters im Gmünder Bezirk infolge einer großen Hochzeitsfeier: Meldungen über rassistische Diskriminierung, Bezirkshauptmann ruft zur Deeskalation auf.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 22. September 2020 (17:45)
Symbolbild
Erwin Wodicka

Wir hatten berichtet:

Wilde Diskussionen beschränken sich offenbar nicht nur auf das Internet, berichtet die Schwester des Bräutigams im NÖN-Telefonat. Ihr seien mehrere Meldungen von offener rassistischer Diskriminierung zu Ohren gekommen: „Leute werden in der Arbeit, beim Einkaufen und auf der Straße beschimpft – auch kleine Kinder.“  

Stadtgemeinde wusste Bescheid

Der Gmünder Bezirkshauptmann Stefan Grusch hatte gegenüber der NÖN angegeben, dass seine Behörde über die Feier nicht informiert gewesen sei. Die Anruferin betont aber, dass die Feier trotzdem legal war: „Sie wurde bei der Stadtgemeinde Schrems angemeldet. Der 12. September wurde uns nach einer Verschiebung des ursprünglichen Termins im Frühling zugesagt.“  

Der Schremser Bürgermeister Karl Harrer bestätigt das. Er beteuert, dass die Mieter über die Covid-Vorgaben informiert worden seien – auch hinsichtlich des damals gültigen Limits von etwa 350 Gästen. Sein Informationsstand sei, dass diese Zahl tendenziell nicht erreicht wurde.

Das sagt auch die Schwester des Bräutigams, die zudem von Fiebermessungen beim Eingang, von der Aufnahme von Namen und Kontaktdaten aller Gäste spricht. Unter anderem wegen Anmeldung des Konvois sei auch die Polizei über die Feier informiert gewesen.

Bezirkshauptmann: Kein Anlass für Verunsicherung

Bezirkshauptmann Stefan Grusch ruft jedenfalls zur Besonnenheit auf und warnt vor einem „Bashing“ von Mitmenschen. Es habe schwarze Schafe gegeben, die nicht kooperierten bzw. bewusst falsche Angaben über ihre Kontakte machten - und damit die Arbeit der Behörde unnötig verzögerten. Er streicht aber auch hervor, dass sich die meisten Teilnehmer, nachdem sie die Dringlichkeit der Situation erkannt hatten, rasch bei 1450 gemeldet haben haben. Die NÖN-Anruferin betont, dass der Polizei mittlerweile eine vollständige Gästeliste übergeben worden sei.  

Insgesamt hält der Bezirk per 22. September, 17 Uhr, bei 53 bestätigten CoV-Infektionen - 25 mehr als noch drei Tage zuvor. „Wir hoffen, dass wir die Hochzeits-Gesellschaft inzwischen erhoben haben, alle positiven Fälle abgesondert sind und sich keine weiteren Fälle mehr auftun“, sagt der Bezirkshauptmann jedoch. Er streicht auch hervor, dass für eine Verunsicherung in der Bevölkerung absolut kein Anlass bestehe: „Wir haben die Situation im Griff.“