Ärzte-Duo aus Heidenreichstein stößt an seine Grenzen. Binnen vier Jahren halbierte sich die Zahl der Heidenreichsteiner Praktiker, Situation im Umland erschwert die Lage.

Von Franz Dangl. Erstellt am 29. April 2021 (03:24)
Trotz des täglichen Stress herrscht bei den Ärzten in Heidenreichstein – rechts im Bild Clemens Binder – noch immer Zuversicht und gutes Einvernehmen mit den Patienten.
Franz Dangl/Archiv, Franz Dangl/Archiv

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte die Bevölkerung aus Heidenreichstein und Umgebung noch die Leistungen von vier Praktischen Ärzten in der Gemeinde in Anspruch nehmen. Jetzt zwickt es sprichwörtlich an allen Ecken und Enden – zumal auch Versorgungsprobleme in Nachbargemeinden massiv in die Burgstadt ausstrahlen.

Ab 2017: Vieles in Bewegung. Los ging es in Heidenreichstein selbst im Jahr 2017, als Fritz Obenaus in den Ruhestand wechselte. Ein Jahr später folgte ihm sein Kollege Gustav Zimmermann, der durch die Praxiseröffnung von Clemens Binder nahtlos einen Nachfolger fand. Als sich vor etwa zwei Monaten Stefan Hammer aus der Burgstadt verabschiedete, standen mit Binder und Alexander Gabler aber plötzlich nur mehr zwei Allgemeinmediziner in Heidenreichstein für einen großen Patientenstamm zur Verfügung.

Alexander Gabler übernahm im Jahr 2008 die Ordination seines Vaters Karl Gabler.
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Bedingt durch das weitläufige Einzugsgebiet und die Vielzahl der Patienten aus den Nachbargemeinden kann es da schon mal zu Engpässen bei der Vergabe von Terminen kommen.

Einer, der mit Leib und Seele seinen Arztberuf ausübt, ist Clemens Binder, der neben seinen Stammpatienten auch viele weitere Hilfesuchende von aufgelassenen Arztpraxen zur Behandlung aufgenommen hat.

Fünf Praktiker hörten auf, nur einer kam mit vollem Kassenvertrag nach. Aber, so Binder: „Ich bin mittlerweile seit Ende 2017 in Heidenreichstein. Von diesem Zeitpunkt an bis jetzt haben sich im Großraum Heidenreichstein-Litschau insgesamt fünf Kassenärzte verabschiedet, nur für einen konnte ein Nachfolger gefunden werden. Natürlich haben meine Kollegen und ich viele Patienten zur Behandlung übernommen, aber allmählich sind unsere Kapazitäten erschöpft.“

Der Mediziner betont, dass Notfälle sowie akut auftretende Probleme bei Neupatienten natürlich weiterhin Betreuung finden, bei der Aufnahme von Dauerpatienten treten jedoch Probleme auf. „Wir haben oft Tage, wo wir die Anliegen von bis zu 200 Personen erledigen müssen, und da sind natürlich auch meine Assistentinnen an der Schmerzgrenze angesiedelt“, so Binder, der auf der Suche nach Verstärkung in Form einer Ordinationsgehilfin ist.

„Die meisten Menschen zeigen ja Verständnis dafür, wenn wir nicht immer gleich telefonisch erreichbar sind oder keinen Termin mehr frei haben. Trotzdem kommt es ab und zu vor, dass wir uns mit unzufriedenen Äußerungen konfrontiert sehen“, so Karin Höfler, die doch immer Ruhe bewahrt und im Vorzimmer organisatorisch bei Anmeldung und vielen anderen Dingen für den reibungslosen Ordinationsablauf sorgt.

Gabler: Woche begann gleich mit 243 Patienten in der Ordination. Genauso wie sein Kollege sieht auch Alexander Gabler, der seit 2008 in Heidenreichstein seine Praxis betreibt, die momentane Lage der ärztlichen Versorgung in und rund um die Burgstadt. Auch er hat viele Patienten von geschlossenen Arztpraxen übernommen und sieht seine Kapazitäten erschöpft. „Wir stoßen schön langsam an unsere Grenzen. 12-Stunden-Tage kommen immer öfter vor. Besonders der Montag sowie der Mittwoch sind jedes Mal besonders fordernd“, so der Mediziner. Er verweist auf den vergangenen Wochenanfang, wo die Anliegen von 243 Patienten – dank der Mithilfe der Assistentinnen – erledigt werden konnten.

„Gesundheitskasse gefordert.“ „Hier wäre auch mal die Gesundheitskasse gefordert, dass sie junge Kolleginnen und Kollegen mehr unterstützt und Anreize zur Selbstständigkeit bietet“, findet Praktiker Gabler. Vor allem auch die Häufigkeit und das große Einzugsgebiet bei Wochenenddiensten zehrt an den Kräften der Mediziner, die beide die selbe Meinung vertreten: „Wir wollen für unsere Patienten da sein, sie gut versorgen, uns für ihre Anliegen Zeit nehmen und sie keinesfalls abfertigen.“

Stadtchef Kirchmaier: Aussicht auf Verstärkung. Einen Hoffnungsschimmer und Licht am Ende des Tunnels sieht Bürgermeister Gerhard Kirchmaier (SPÖ). „Die Stadtgemeinde Heidenreichstein steht derzeit in Verhandlungen mit einem Allgemeinmediziner, der Interesse an der Praxis von Dr. Hammer in der Bahnhofstraße zeigt. Seitens der Gemeinde sichern wir dem Interessenten unsere Unterstützung zu und hoffen, dass bis Juli dieses Jahres alles unter Dach und Fach gebracht werden kann.“

Lücke auch beim Zahnarzt-Thema. Punkto der Nachbesetzung der ebenfalls vakanten Zahnarzt-Kassenstelle von Rudolf Gloser hingegen gibt es keine Neuigkeiten. „Obwohl wir die Stelle mehrfach ausgeschrieben haben, gibt es bis jetzt keinerlei Rückmeldungen“, so der Bürgermeister, der aber weiterhin auf Bewerber hofft.