Schremser SPÖ-Stadtchef Harrer vor Rückzug . Schremser Bürgermeister kommentiert Gerüchte nicht, lässt aber anstehende Entscheidung durchklingen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:08)
Karl Harrer: „Jetzt ist mal Sommer, im Herbst schauen wir, wie es weitergeht.“ Stadtpartei-Vorsitzender Peter Müller: „Weiß nichts von angeblichem Sitzungstermin.“ Klubchef Michael Preissl gilt als einer der Nachfolge-Kandidaten.
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Offiziell will noch niemand Details bestätigen, aber in der einwohnerstärksten Stadt des Gmünder Bezirkes zeichnet sich ein Bürgermeisterwechsel ab: Glaubt man auch vertrauenswürdigen Quellen, so bereitet der Schremser Bürgermeister Karl Harrer (SPÖ) noch für den ausklingenden Sommer seinen Rücktritt vor.

Schon in den nächsten Tagen sollen sich zuständige Gremien in vorgezogenen Sitzungen erstmals konkret der Nachfolger-Frage widmen, heißt es.

„Sind auf einem guten Weg, aber es drängt nicht.“ „Klar gibt es Gerüchte, und die nehme ich zur Kenntnis“, will sich Harrer im NÖN-Telefonat zunächst nicht zur Sache äußern, „bevor die innerliche Entscheidung getroffen ist“. Dann lässt er sich doch etwas in die Karten schauen: „Es wird mehrere Sitzungen geben, die Weichen sind ja an sich gelegt und wir sind auch auf einem guten Weg. Aber es drängt uns nichts – wir werden in Gremien darüber beraten, wie die Zukunft aussehen könnte. Jetzt ist mal Sommer, und im Herbst schauen wir, wie es weitergeht.“

Stadtpartei-Chef Müller: Zuerst intern beraten. Klubchef Michael Preissl äußert sich auf NÖN-Nachfrage zu den aktuellen Vorgängen nicht. Stadtpartei-Chef Peter Müller schließt sich dem Gesagten von Harrer an: Eine Ablöse sei langfristig ein Thema, aktuell aber noch nicht spruchreif. Zumindest in der Stadtpartei müsste er als Vorsitzender von einem Sitzungstermin wissen, das sei nicht der Fall. „Es ist Karls eigene Entscheidung, zu welchem Zeitpunkt er seine Funktion zurücklegt. Wenn es so weit ist, werden wir das Thema intern in den dementsprechenden Gremien klären und erst dann damit in die Öffentlichkeit gehen“, sagt Müller.

Nachfolger-Frage schon bei Orts-Sitzungen ein Thema? Kolportiert wird jedenfalls eine angelaufene Nachfolger-Suche, die etwa Thema bei Sitzungen in mehreren Orts-Organisationen gewesen sein soll. Diesen drei Genossen werden dabei Chancen auf höhere Aufgaben eingeräumt:

Peter Müller: Der Stadtpartei-Vorsitzende ist seit 2000 im Gemeinderat, langjährig erfahren als Finanz-Stadtrat und seit Harrers Gang an die Spitze auch Vizebürgermeister.

Michael Preissl: Der AK-Bezirksstellenleiter für Gmünd ist seit 26 Jahren im Gemeinde- und seit 16 Jahren auch im Stadtrat, zudem langjähriger Gemeinderatsklub-Chef der SPÖ.

Franz Ableidinger: Vor drei Jahren in den Gemeinderat und 2020 schließlich in den Stadtrat eingezogener Enkelsohn des gleichnamigen früheren Bürgermeisters, wird als einer der jungen Aktivposten im Team der Sozialdemokraten genannt.

Eines der letzten aktiven SPÖ-Urgesteine im Bezirk. Der heute 67-jährige Karl Harrer, Parteimitglied sei 1972, ist eines der letzten noch aktiven Urgesteine der Sozialdemokraten im Gmünder Bezirk. Seit 31 Jahren ist er im Gemeinderat, seit 1993 im Gemeindevorstand, zwischen 1993 und 2014 war er Stadtparteichef.

Von 1995 bis 2015 war er auch Vizebürgermeister, ehe er 2015 Reinhard Österreicher als Stadtchef sowie Bezirksvorsitzender im „roten“ Gemeindevertreterverband ablöste. Der Wechsel war nicht unspektakulär verlaufen: Harrer hatte den amtierenden Bürgermeister 2014 im Vorfeld der Gemeinderatswahl zur Kampfabstimmung herausgefordert – enttäuscht räumte Österreicher freiwillig das Feld. Gerüchte über ein Schreiben aus der SP-Landespartei, den Schritt zu überdenken, wurden dementiert. Bei der Wahl 2015 verlor die SPÖ drei ihrer bis dahin 19 Mandate.

Politisch turbulente Jahre – auch in der SPÖ. Politisch löste Harrer im zweiten Jahr als Stadtchef erstmals einen Sturm der Entrüstung aus. Damals hatte er den „Tumulus“ – eine bei Mystikern als ehemalige Grab- bzw. Kulturstädte beliebte Steinformation im Stadtpark – wegen angeblicher Einsturzgefahr unangekündigt abtragen lassen.

Danach stand der Krach politisch fast an der Tagesordnung, erfasste auch die eigene Reihe – bis hin zum Zerwürfnis mit Viktoria Prinz, der ein Stadtrat-Posten zugesagt und dann verweigert worden sein soll. Schließlich schaltete Klubchef Preissl selbst die Landespartei ein: Es gebe in der Schremser SPÖ kein Miteinander mehr, die absolute Mehrheit im Gemeinderat drohe flöten zu gehen. Er hatte Recht, mit Harrer als Spitzenkandidat wurden bei der Wahl 2020 zwei weitere Mandate und die „Absolute“ eingebüßt.

Selbst der an sich sehr gelungene Umbau des Stadtamtes geriet zum Streitfall, genauso wie zuletzt innovative Projekte zur Umgestaltung von Hauptplatz und Stadtpark (im Zuge des Hochwasserschutz-Projektes).

Erste Rücktrittsgerüchte machten im Herbst 2020 nach Harrers Performance um den „Hochzeits-Cluster“ die Runde. Jetzt scheint es sich tatsächlich abzuzeichnen – in auffälliger zeitlicher Nähe zur „Protokoll-Causa“ Ende Juni. Die NÖN berichtete über das in keinem Punkt mit dem Antragstext übereinstimmende Protokoll einer Gemeinderats-Sitzung – die am virtuellen Umlaufweg lief, obwohl zeitgleich physisch eine Festsitzung mit Ehrungen stattfand. Der Umlaufweg schließt die Option, auf den Antrag einzuwirken, aus. Die SPÖ boxte aber, mit Ausnahme von Anwalt Marcel Hobbiger, das von Harrer vorgelegte Protokoll nach heftiger Debatte durch. Danach legte nicht nur die nunmehrige Listenchefin Prinz eine Aufsichtsbeschwerde ein: Es soll auch in der SPÖ kräftig gerauscht haben.