Covid stoppte Höhenflug: Ein Drittel weniger Gäste. Gmünd verzeichnete 2020 ein Drittel weniger Gäste-Ankünfte und -28 Prozent Nächtigungen. Waldviertel kam insgesamt am besten in Niederösterreich davon.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 14. Februar 2021 (04:15)
Quelle: Stadtgemeinde Gmünd
Foto: Mascha Tace/Shutterstock.com, NÖN-Grafik: Gastegger

Angesichts der bundesweiten Lockdowns im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie mit monatelangen Schließungen der Nächtigungsbetriebe und des Sole-Felsen-Bades verzeichnete die Stadt Gmünd 2020 den zu erwartenden touristischen Knick: Nachdem 2019 ein Jahr der Rekorde bei Gästeankünften und -nächtigungen, im Solebad und auf der Waldviertelbahn gewesen war, setzte es 2020 ein Minus um 23.000 Übernachtungen bzw. 28 Prozent. Die Zahl der Gästeankünfte brach gleich um ein Drittel ein.

„Gmünd bräuchte zusätzliche Möglichkeiten auch der privaten Zimmervermietung.“ Helga Rosenmayer, Bürgermeisterin in Gmünd

Nicht nur Schatten habe es gegeben, blickt Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) aber zurück. Sie verweist auf kräftige Steigerungen gegenüber 2019 noch im Jänner und Februar, danach löste der Waldviertel-Boom im Juli ein stattliches Plus von 53 Prozent auf 11.769 Nächtigungen zu 2019 aus. Alleine der Campingplatz bei der Sole-Felsen-Welt brachte es am Ende auf ein Plus von mehr als tausend Nächtigungen. Ein zweistelliges Prozenteplus brachte auch noch der September, ehe der kräftige Anstieg der Infektionsfälle im Bezirk das Tourismusjahr schon vor dem zweiten Lockdown im November praktisch beendete.

„Finnen-Boom“ durch NBG-Großbaustelle

Insgesamt wurde 2020 laut Auskunft der Stadtgemeinde mit nicht ganz 60.000 Nächtigungen beendet, weniger hatte es zuletzt im Jahr 2013 geben (57.000).

Heftig brach der mühsam aufgebaute Zustrom an Touristen aus Deutschland ein (-45 % Nächtigungen, auf nun 2.450), genauso jener aus Tschechien mit minus einem Drittel (auf 1.102), aus den Niederlanden (-38 Prozent auf 122) oder Ungarn, das in zwei Jahren von 993 auf 131 abstürzte. Kanada, 2019 für 214 Übernachtungen gut, kam nur noch auf neun Nächte in Gmünd – weil ein kanadischer Mitarbeiter für den finnischen Anlagenhersteller beim NBG-Glaswerk im Einsatz ist.

Weil das Team des Anlagenbauers bei NBG wochenlang beim Aufbau half und übernachtete, stieg auch die Zahl der finnischen Nächtigungen im Vorjahr von neun auf 706.

Private Zimmervermieter gesucht!

Covid hat im Vorjahr nicht nur den Tourismus weltweit massiv beeinträchtigt, sondern im Sommer durch das stärkere Regionalbewusstsein auch praktisch allen Destinationen ihre Kapazitätsgrenzen aufgezeigt. Weil der Trend aller Voraussicht nach – zumindest vorerst – bleiben wird, appelliert Bürgermeisterin Rosenmayer an Gemeindebürger mit potenziellem Wohnraum, sich am Stadtamt zu melden: „Gmünd bräuchte zusätzliche Möglichkeiten auch der privaten Zimmervermietung.“

Waldviertel mit geringstem Minus aller NÖ-Tourimusdestinationen

Insgesamt war das Waldviertel jene Tourismus-Destination in Niederösterreich, die mit dem eindeutig geringsten Aderlass durch das Coronajahr 2020 kam: Landesweit gingen die Übernachtungen um 40,5 Prozent zurück, die Ankünfte gar um 48,7 Prozent – im Waldviertel gingen sie „nur“ um 28,0 (Übernachtungen) bzw. 30,8 Prozent (Ankünfte) zurück. Hinsichtlich Nächtigungen lag Gmünd somit exakt im Viertelstrend, bei Ankünften kam die Bezirkshauptstadt nur etwas schlechter weg.

Am schlimmsten erwischte es landesweit den Wienerwald und Donauraum mit -54 bzw. -47 Prozent an Übernachtungen.