Erstellt am 22. Oktober 2013, 11:33

Naturschutzgebiet geschädigt: Anzeigen!. Karlstifter Moor / Die Stadlberger Umweltorganisation „Protect“ deckte verbotene Entwässerungsmaßnahmen im Karlstifter Moor auf.

Die Entwässerungsmaßnahmen im Karlstifter Moor. Protect  |  NOEN
Von Johannes Bode

KARLSTIFT / Eine Anzeige der NGO „Protect“, eine weitere Anzeige vom Naturschutzbund und ein Schreiben der Umweltanwaltschaft an die Bezirkshauptmannschaft Gmünd: Das alles haben die „Eingriffe“ in das Naturschutzgebiet „Karlstifter Moore“ zur Folge.

Verstoß gegen mehrere Paragraphen

Bei diesen rund 15 Eingriffen, auf die die in Stadlberg ansässige Umweltorganisation Protect aufmerksam gemacht hat, handelt es sich vor allem um Entwässerungsmaßnahmen und Anschüttungen von mineralischem Material auf die Moorböden. „Wir nehmen an, dass die Maßnahmen von den Grundstückseigentümern durchgeführt wurden, wohl um auch noch aus diesen Flächen Produktiv-Fichtenmonokulturen zu machen. In intakten Mooren wachsen überhaupt keine forstwirtschaftlich verwertbaren Bäume, in Moorwäldern wachsen die Bäume sehr langsam“, so Protect-Obmann Thoren Metz. Nun reagierte auch der Naturschutzbund: „Unter den im Naturschutz agierenden und den mit Moorschutz befassten Personen ist die Betroffenheit ob dieser Eingriffe sehr groß und wir müssen uns alle die Frage stellen, wie so etwas passieren konnte“, äußert sich dazu Margit Gross, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes NÖ, der wie „Protect“ ebenfalls Anzeige wegen des Verstoßes gegen mehrere Paragraphen des NÖ Naturschutzgesetzes bei der Bezirkshauptmannschaft erstattete. Gross: „Die Eingriffe können als vorsätzlich bzw. fahrlässig bezeichnet werden, nachdem die Flächen bereits seit langer Zeit unter Schutz stehen und sich auch die Eigentumsverhältnisse nicht geändert haben.“

Moore von internationaler Bedeutung

Die Moore und Moorwälder bei Karlstift sind sowohl Natura 2000-Gebiete als auch Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung. In Naturschutzgebieten ist grundsätzlich jeder Eingriff verboten und sie dürfen nur auf den dafür bestimmten Wegen betreten werden. Ausnahmen können nur unter bestimmten Voraussetzungen bzw. Auflagen gestattet werden.

„Das Verfahren wird nun eingeleitet – ein Sachverständiger wird das überprüfen“, berichtet Bezirkshauptmann Johann Böhm. Die künftigen Maßnahmen seien natürlich von dem Ergebnis abhängig: „Es kann aber schon sein, dass die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes angeordnet wird.“ „Protect“ und der Naturschutzbund fordern nicht nur Strafen, sondern auch jene von Böhm angesprochenen Renaturierungsmaßnahmen. Und das sei dringlich: „Die Moorböden sind teilweise schon stark ausgetrocknet – und damit beginnt der Zersetzungsprozess im Moorboden.“ Eine weitere Forderung beider Organisationen sind Schutzgebietsbetreuer.