Flüchtlings-Haus schließt: Mitarbeiter verlieren Job. 24-Stunden-Einrichtung für minderjährige Flüchtlinge in Neu-Nagelberg endet mit Jahresende: Auslastung sank wegen rückläufiger Einwanderung.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. Dezember 2017 (04:15)
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Mit Jahresende endet das Flüchtlingsprojekt in der Hans-Czettel-Jugendherberge in Nagelberg.

Etwas mehr als zwei Jahre nach dem von teils energischen Protesten begleiteten Start der 24-Stunden-Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in der Hans-Czettel-Jugendherberge in Neu-Nagelberg steht das Projekt vor dem Aus: Mangels Auslastung wird die Betreuung bereits mit Jahresende aufgegeben, bestätigt der pädagogische Leiter des Kidsnest-Projektes, Reinhold Klauner, auf NÖN-Nachfrage.

Die Zahl der jugendlichen Flüchtlinge sei einfach stark zurückgegangen, erklärt Klauner. Waren es anfangs 24 unbegleitete Flüchtlinge zwischen 14 und 18 Jahren, so werden ihm zufolge aktuell nur noch sieben Burschen betreut werden. Diese werden nach Wiener Neustadt bzw. Korneuburg umgesiedelt, zumal sie in Korneuburg ein spezielles Ausbildungsmodul für den Gastronomie-Bereich mitmachen können. Der Rückgang verwundert nicht – bundesweit ist die Zahl der Asylanträge heuer kräftig gesunken, laut Innenministerium in den ersten drei Quartalen um 43,3 Prozent gegenüber den Monaten Jänner bis Oktober des Jahres 2016 auf nun 21.130 Anträge.

Reinhold Klauner selbst kehrt von der Flüchtlingsarbeit als Mittelschul-Lehrer in Gmünd in den Lehrberuf zurück. „Die zehn Mitarbeiter großteils direkt aus der Region verlieren aber ihre Arbeitsplätze“, beteuert er.

Wird Haus künftig wieder Jugendherberge?

Im Sommer 2015 hatten die via NÖN an die Öffentlichkeit geratenen Pläne über die Einrichtung der Unterkunft in der Jugendherberge für heftige Unmuts-Bekundungen einzelner Bürger von Brand-Nagelberg gesorgt. Probleme durch Beschädigungen, Drogen und Vergewaltigungen waren durch die ausnahmslos männlichen Jugendlichen befürchtet worden.

Die Horror-Szenarien sind nicht eingetreten, der Wind hat sich gelegt. Nennenswerte Vorfälle rund um die Jugendlichen sind nicht dokumentiert. Vielmehr sind große Teile von ihnen freiwillig zu außerordentlichen und teils auch ordentlichen Schülern in verschiedenen Einrichtungen der Bezirke Gmünd, Waidhofen und Zwettl geworden und haben unter anderem beim Fußballverein mitgemacht. Einige Jugendliche haben aus dem Projekt heraus auch zu Lehrberufen in den Waldviertler Werkstätten, in einem großen Möbelhaus sowie in einem Tourismus-Betrieb im Bezirk Zwettl gefunden und sind teils auch aktuell am Sprung zu Lehrbetrieben.

In „Mangelberufen“ wie in Tourismus und Gastro dürfen Flüchtlinge ja – wenn es nicht genug Inländer gibt – mit Genehmigung des AMS eine Lehrausbildung machen.

„Es hat keine wirklichen Probleme gegeben, hat auch ein positiver Austausch mit der Bevölkerung stattgefunden“, zieht Klauner eine sehr positive Bilanz über die vergangenen mehr als zwei Jahre: „Die Jugendlichen sind sehr traurig, dass diese Zeit nun zu Ende geht.“

Bürgermeister Franz Freisehner (SPÖ), der in den Anfangstagen zwischen den Fronten der Projekt-Gegner und -Befürworter gestanden war, sieht das Ende der Einrichtung eher gelassen. „Wir können mit und ohne sie leben“, sagt er. Unfrieden habe es jedenfalls keinen gegeben.

Freisehner hofft aber, dass Jugendherbergs-Verband und Kinderfreunde das Haus künftig wieder als Jugendherberge verwenden wollen. „Dafür müssten sie aber investieren, das Haus auf den Stand der Zeit bringen.“