Schrems: Zukunft von Gasthaus Trinkl gesichert . Im zehnten Jahr nach Pensions-Antritt hat Maria Trinkl eine Wunsch-Lösung gefunden: Baumhaus-Schöpfer Franz Steiner übernimmt!

Von Markus Lohninger. Erstellt am 06. Januar 2021 (05:55)
Hingucker und gesellschaftliches Zentrum der Stadt Schrems: Das Wirtshaus „Zum Waldviertler Sepp“ geht von Maria Trinkl an Franz Steiner. Der will Bewährtes beibehalten und punktuell modernisieren, wobei „Lilly“ Trinkl zumindest bis Sommer als Mitarbeiterin bleibt.
Markus Lohninger

Fast schien die Nachfolgersuche der Schremser Wirtin Maria „Lilly“ Trinkl zur unendlichen Geschichte zu werden – dafür hat sie fast zehn Jahre nach ihrem Pensionsantritt nun sogar ihre Wunschlösung für die Zukunft des Gasthauses „Zum Waldviertler Sepp“ in der Schulgasse 5 gefunden. Franz Steiner, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, der unter anderem der Handschuhfabrik in der Schremser Mittelgasse einen hochwertigen Aufputz verpasst und mit der Baumhaus-Logde beim Naturpark Hochmoor ein touristisches Highlight der Region geschaffen hatte, hat die „Gasthaus zum Waldviertler Sepp GmbH“ gekauft.

Herzensangelegenheit für den neuen Eigentümer

Dem Kauf liegen keine wirtschaftlichen Absichten zugrunde, sagt Steiner, er habe auch lange mit der Entscheidung gerungen. „Was soll das für einen Sinn machen, wenn ein fast 65-Jähriger von einer fast 70-Jährigen den Betrieb übernimmt?“, schmunzelt er.

Der Schankbereich als Herz des Gasthofs „Zum Waldviertler Sepp“ einst...
privat, M. Lohninger

Es sei aber letztens eine Herzensentscheidung gewesen: „Der Waldviertler Sepp ist immer wie ein zweites Wohnzimmer für mich gewesen. Man trifft hier vom Arbeiter bis zum Manager immer Leute, die man kennt, bekommt gute, ehrliche und bodenständige Küche. Es ist einfach eine super Location.“ Sein Ziel ist es, das „gute Gastronomie-Konzept zu bewahren und ganz behutsam vielleicht noch etwas draufzusetzen“.

Sanfter Aufputz, und: Barrierefreiheit soll angegangen werden

Noch während des aktuellen Lockdowns will der neue Eigentümer eine sanfte Modernisierung vom Boden bis zur Beleuchtung und einem Schallschutz realisieren, ohne den Charakter des Hauses mit Gaststube, zwei großen Sälen, drei Stüberln und dem teilüberdachten Gastgarten mit Schank allzu stark zu verändern. Das größere Vorhaben von Franz Steiner betrifft das Thema Barrierefreiheit: Gelöst werden soll es noch im ersten Halbjahr durch einen zentralen Stiegengang mit Aufzug im Bereich zwischen Küche und hinterem Saal, durch den es runter ins erste Stüberl, in den Gastgarten und zu den Toiletten geht. „Damit könnte auch der Weg von der Küche in den Gastgarten als Juwel des Hauses optimiert werden“, glaubt er.

„Lilly“ Trinkl bleibt bis Sommer als Mitarbeiterin, langfristig wird Pächter gesucht

Steiner hält die Augen bereits nach einem Pächter offen, der sich kreativ einbringen und den Gastbetrieb im Sinne der Schremser fortführen will. „Er kommt in ein funktionierendes System, muss nichts neu aufbauen, und kann bei Bedarf auch eine hundert Quadratmeter große Wohnung im Obergeschoß bewohnen“, sagt der neue Eigentümer.

...und bei der Übergabe von Maria Trinkl an Franz Steiner.
Markus Lohninger

Die siebenköpfige Mannschaft hat Franz Steiner mit der GmbH übernommen, darunter auch die bisherige Chefin „Lilly“ Trinkl, die bei ihm zumindest einmal bis zum Sommer beschäftigt sein soll. Letzteres sehen beide als Win-Win-Option – er, weil damit die Kontinuität für die Gäste gewahrt ist, und sie, weil ihr damit ein unwürdiger Abgang mitten im Corona-Lockdown erspart bleibt. Sie freut sich daher, dass sie noch etwas bleiben darf. „Ich kann die Kundschaft noch ein halbes Jahr haben, kann es gut rübergleiten lassen“, sagt Trinkl. Der Kontakt zu ihren Stammgästen habe ihr auch rund um Weihnachten und Neujahr gefehlt: „Menschen begegnen einander in dieser Zeit mit großer Herzlichkeit. Das ging mir diesmal sehr ab…“

Nach 48 Jahren soll aber dann doch mal Schluss sein

Immerhin 48 Jahre ist es her, seit sie gemeinsam mit ihrem Gatten Werner das Wirtshaus der Schwiegereltern in der Schulgasse übernommen hat. Werner hatte die Gastwirtschaft im Blut: Das Lokal hatten schon seine Eltern von deren Eltern geerbt, er selbst hatte im Luxushotel Sacher in Wien Kellner gelernt und sich nach Wanderjahren für die Rückkehr in die Granitstadt entschieden. Seine Gattin Maria hatte eigentlich nie den Weg in die Gastronomie gehen wollen, blickt die heute als Vollblutwirtin geschätzte Trinkl zurück. Aber: „Man kann auch lernen, etwas gerne und gut zu machen.“

1972: Start mit einem Paukenschlag

Noch vorm Start hatte das Paar 1972 einen massiven Umbau eingeleitet, unter anderem die zwei Säle aufgestockt und im Hof – wo einst eine Schmiede und ein Altwarengeschäft waren – die drei Stüberl eingerichtet. Als Draufgabe starteten die Arbeiten für die charakteristische Fassade, die die Besonderheiten und Geschichte der Stadt Schrems und des Hauses darstellt (siehe Infobox!).

Heute ist der „Waldviertler Sepp“ – benannt nach dem hier aufgewachsenen Heimatdichter Josef Allram – unter anderem für gutbürgerlichen Mittagstisch, legendäre Dienstagabend-Veranstaltungen im Sommer und als größtes Schremser Lokal für Feiergesellschaften bekannt.

Bier soll stärker zum Thema werden

Am Programm will der neue Eigentümer nicht rütteln. Ihm schwebt nur vor, „vielleicht noch eine zusätzliche Linie reinzubringen“. So will er Schrems im Lokal stärker als Braustadt zum Thema machen. Intensivieren möchte er auch die Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn von der Fleischerei Rzepa.

Gasthaus, Schuhe und Altwaren Anton Trinkl in der ersten Generation in der Schulgasse 5 in Schrems ab dem Jahr 1932.
privat

Und: Auch mit seinem 2013 gestarteten anderen Herzensprojekt – der Baumhaus-Lodge im aufgelassenen Steinbruch oberhalb des Unterwasserreiches – lassen sich Synergien nutzen, etwa beim beliebten „Baumhaus-Dinner“. Die Einrichtung habe, wie er sagt, 2020 trotz der Corona-Turbulenzen und viereinhalbmonatiger Schließung das bereits sehr gute Ergebnis von 2019 übertroffen. Steiner sieht das als Verdienst des dreiköpfigen Baumhaus-Teams, das dem Virusfrust mit Begeisterung und Freude gekontert habe: „Diesen Spirit spüren die Gäste.“ Und das sollen sie nach dem Lockdown auch wieder im „Waldviertler Sepp“ tun.