Erstmals weniger als 36.000 Einwohner im Bezirk Gmünd

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 04:08
Lesezeit: 5 Min
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Foto: NOEN
Zuzug macht Sterberate im Bezirk Gmünd nicht wett: Historischer Tiefstwert in Bevölkerungsbilanz mit Jahresbeginn 2023. Minus erstmals auch wieder bei Zweitwohnsitzern.
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Das Land im Gmünder Bezirk wird – zumindest statistisch gesehen – zunehmend weiter: Im Landstrich an der Grenze, den im vorigen Jahrhundert mal über 53.000 Menschen bevölkerten, wurde 2022 trotz Zuzugs auch etlicher Flüchtlinge aus der Ukraine erstmals die Zahl von 36.000 Hauptwohnsitzern unterschritten. Auch die Zahl der Nebenwohnsitzer, die 2021 im Schatten der Pandemie Rekordhöhen erreicht hatte, ging um immerhin 128 auf 10.441 zurück.

Nur noch 35.984 Hauptwohnsitzer zählte der Bezirk per 31. Dezember 2022, wie der NÖN-Rundruf unter allen 21 Gemeindeämtern ergab. Das sind um 174 weniger als am letzten Tag des Jahres 2021, und da waren es schon 168 weniger als zu Silvester 2020. Die Ursachen liegen bekanntlich weit in der Vergangenheit: Die einst massive Abwanderung junger Menschen wirkt heute in Form einer Überalterung nach.

Einziges nennenswertes Plus dank Ukrainern

Und so kann der Umstand, dass längst mehr Menschen zuziehen, als den Gmünder Bezirk durch Wegzug verlassen, das Minus nicht wettmachen. Ist die Zahl der Geburten nämlich seit vielen Jahren konstant und stieg 2022 sogar leicht auf 279 an, so verstarben im gleichen Zeitraum mehr als doppelt so viele Hauptwohnsitzer.

Mit Bad Großpertholz gewann im Vorjahr eine einzige Gemeinde im zweistelligen Bereich dazu, Bürgermeister Manfred Grill (SPÖ) führt das zum Großteil auf Schutzsuchende aus der Ukraine zurück. Zuzüge auch junger Familien habe es genauso gegeben, fügt er hinzu.

Nördlich der Bezirkshauptstadt gab es in den vergangenen Jahren die größten Verluste.

Heidenreichstein mit dem eindeutig stärksten Verlust

Brand-Nagelberg verlor etwa seit 2008 satte 14,8 Prozent, Eggern 11,4, Reingers 10,7. Daneben hält Eisgarn als einzige Gemeinde des Bezirkes ein Einwohnerplus, das mit 4,3 Prozent von damals 672 auf 701 sogar relativ hoch ausfällt. Heidenreichstein verlor seit 2008 „nur“ 8,8 Prozent der Hauptwohnsitzer, in nackten Zahlen aber 369. Sehr viel, wenn man bedenkt, dass der Burgstadt damit gut 300.000 Euro an Ertragsanteilen aus Bundeseinnahmen im Jahr entgehen.

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Gerhard Kirchmaier: Heidenreichstein hat nur noch 3.800 Einwohner.
Foto: Archiv

Heute steht sie bei nur noch 3.817 Einwohnern, in den 1970er Jahren waren es noch fast 6.000. Es sei schwer, dem Trend Einhalt zu gebieten, sagt Bürgermeister Gerhard Kirchmaier (SPÖ): Wohnangebot sei vorhanden, auch zwei Neubauprojekte stünden in Aussicht. Aber Heidenreichstein sei mit traditionell hohem Auspendler-Anteil auch Leidtragender des Wiener Parkpickerls, „das zieht Hauptwohnsitzer ab“.

Kirchmaier schätzt das Abwanderungs-Potenzial als hoch ein, vor allem bei jüngeren Interessenten an besser bezahlten Berufen. Die Geburtenzahlen an sich liegen in einem einst gar nicht mehr erwarteten Bereich, sagt er: Sei beim Kindergarten-Umbau die Frage des Bedarfs für eine sechste Gruppe diskutiert worden, so seien nun „alle sechs Gruppen voll, wir haben kein weiteres Potenzial mehr. Wenn künftig auch Zweijährige kommen, dann wird es in Richtung Ausbau gehen“.

Im Jahr 2022 war Heidenreichstein mit einem Verlust von 58 Haupt- und zusätzlich 96 Nebenwohnsitzern eindeutig die Gemeinde mit dem stärksten Aderlass im Bezirk, gefolgt von Schrems. Dort gab es ein Minus von lediglich fünf Neben-, aber 47 Hauptwohnsitzern – kein Wunder angesichts dessen, dass in der einwohnerstärksten Gemeinde des Bezirkes mit dem Pflegeheim fast dreimal mehr Menschen starben, als zur Welt kamen.

Bauland-Hortung hemmt in Schrems und Gmünd stark

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In Schrems beklagt Peter Müller dreimal mehr Todesfälle als Geburten.
Foto: Archiv

An sich sieht Bürgermeister Peter Müller (SPÖ) Schrems als Zuzugsgemeinde auch mit hoher Nachfrage nach Wohnraum. Im Wohnpark in der Budweiser Straße ist die nächste Reihenhaus-Anlage in Fertigstellung, der Baustart der letzten räumlich möglichen Anlage zeichnet sich ab. Zwei Einzelbaugründe seien hier noch frei, sagt Müller – nur deshalb, weil die Käufer diese angesichts der verschärften neuen Kreditvorgaben zurückgaben.

Verfügbarer Baugrund wird knapp, auch wegen privat gehorteten Baulandes. Es brauche einfach eine Handhabe, sagt Müller – die Heidenreichsteiner Straße sei etwa von Baulücken durchzogen, obwohl die Gründe allesamt gewidmet seien. Bei neuen Aufschließungen wie derzeit bei der ehemaligen Volksfestwiese – wo auch ein Reihenhaus geplant ist – und in Kottinghörmanns wird auch in Gemeinschaftsprojekten nur noch mit Bauzwang (fünf Jahre) und Rücknahmerecht verkauft.

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Hat in Gmünd vergleichbar gute Zahlen: Helga Rosenmayer.
Foto: Archiv

Nur minimal rückläufig war 2022 nach einigen harten Jahren die Hauptwohnsitzer-Zahl in der Bezirkshauptstadt Gmünd, auch weil hier mit 42 die meisten neuen Erdenbürger im Bezirk begrüßt werden konnten. „Es fällt einfach auf, dass junge Familien gerne herziehen, sich um Wohnmöglichkeiten bemühen, auch die neuen Chancen durch Berufe mit Homeoffice-Option nutzen“, freut sich Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP), „es ist ja schön, hier zu leben“.

Sie glaubt, dass die Not an verfügbarem Wohnraum leichter wird, neue Angebote kommen – auch wenn sie ein Schicksal des Schremser Amtskollegen teilt: dass sehr viele private Baugründe einfach nicht in den Verkauf gelangen, bebaubarer Platz damit knapp wird. Aus dem Grund steht nach den Parzellierungen in der Schulgasse auch die Aufschließung der kleinen Siedlung bei den Harabruckteichen, über die die NÖN exklusiv berichtet hatte, bevor.

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