Erstellt am 07. Januar 2015, 11:26

von Markus Lohninger

Horror made in Haugschlag. Nach "Im Keller" produzierte Ulrich Seidl im hohen Norden - Horrorthriller "Ich seh Ich seh" ist ein anspruchsvolles erstes Highlight im Gmünder Kinojahr.

Julia Gaugusch-Prinz (links) lädt ab 9. Jänner für eine Woche zu dem in Haugschlag gedrehten Horrorthriller »Ich seh Ich seh« ein. Etwas beschaulicher geht es im zweiten Tipp des Jahres des Filmforums zu: Obfrau Erika Hager freut sich auf »Das große Museum« über das Kunsthistorische Museum in Wien.  |  NOEN, M. Lohninger

Wer meint, in Haugschlag am nördlichsten Zipfel Österreichs würden einander Fuchs und Hase zwischen Wäldern und Kukuruzfeldern Gutnacht sagen, der kann sich ab 9. Jänner (Österreich-Start) in den Stadtlichtspielen Gmünd eines Besseren belehren lassen.

Umgebung „brutal, beklemmend, extrem isolierend“

Für „Ich seh Ich seh“ von Produzent Ulrich Seidl wird ein verlassenes Haus nahe Haugschlag zur Kulisse eines Horrorfilms, den die „New York Times“ als „unheimlichen Artfilm-Schocker“ und „Entdeckung aus Österreich“ feiert und der „Hollywood Reporter“ als „kultverdächtig“ einstuft. Beim Filmfestival in Ljubljana erntete er den Hauptpreis.

Ihrem Publikum kündigt Kinobesitzerin Julia Gaugusch-Prinz einen anspruchsvollen Horrorthriller an, in dem zwei zehnjährige Zwillinge ihre Mutter nach einer Schönheits-OP nicht nur optisch kaum mehr wiedererkennen: „Er ist extrem spannend, zu einem faszinierenden Thema.“

Haugschlag war für Susanne Wuest der richtige Ort, um sich in die Rolle der Hauptdarstellerin eines Horrorstreifens einzufühlen.

Die Umgebung sei „brutal, beklemmend, extrem isolierend“ gewesen, sagte Wuest der Wiener Zeitung: „Dort gibt es keinen Handyempfang, kein Internet und so gut wie keine Leute, sobald nach einem Arbeitstag alle wieder nach Hause gefahren sind. Ich war dort zweieinhalb Monate, ohne mit einer einzigen Person sprechen zu können, wenn ich gerade nicht am Drehort gewesen bin.“

Ausblick: 2015 wird Jahr der Fortsetzungen

Als Kassenknüller wird „Ich seh Ich seh“ für Gmünd, das die Produktion als erstes Kino im Waldviertel zeigt, trotz des Lokalkolorits nicht erwartet. In diese Kategorie werden eher „Fifty Shades of Grey“ (Februar) und „Disney‘s Cinderella“ (März) fallen. Ansonsten verspricht das Kinojahr vor allem Fortsetzungen von Blockbustern – von „Die Bestimmung 2“ (März) zu „Fast & Furious 7“ und „Avengers 2“ (April),„Ted 2“ (Juni), „Fack ju Göhte 2“ (September), „James Bond 007 Spectre“ und „Die Tribute von Panem 4 – Mockingjay 2“ (November) bis „Star Wars Episode 7“ im Dezember.

Der Rückblick auf 2014 fällt aus der Sicht der Waldviertler Kinos gedämpft positiv aus: Ein Besucherminus von 8 Prozent liegt im Durchschnitt einer Branche, die 2014 international als „Krisenjahr“ bilanziert.

In Gmünd war Fantasy vor Zeichentrick am beliebtesten, wobei auch 2014 ein Jahr der Fortsetzungen war: Die Top-5 waren allesamt Fortsetzungen, vier davon in 3D-Qualität. Erfolgreichster Film in Gmünd war mit 1.250 Besuchern „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ (Zwettl: 1.600 Besucher) vor „Hobbit 3“ (Nummer 1 in Deutschland), „Transformers 4“, „Tribute von Panem – Mockingjay 1“ und „Rio 2“. Noch auf Platz zehn landete der französische Überraschungs-Hit „Monsieur Claude und seine Töchter“.