Markus Fuger: Als Programmierer und Physiker weltweit unterwegs

Nach Physik- und Informatik-Studien hat es Markus Fuger bis nach Shenzhen in China gezogen. Jetzt arbeitet er in Kärnten.

Erstellt am 08. Januar 2022 | 05:49
Lesezeit: 4 Min

Physik und Programmieren: So unterschiedlich sich diese Mischung von zwei Fachrichtungen anhört, so spannend hat sie den Berufsweg von Markus Fuger gemacht. Der 38-Jährige ist in Niederschrems aufgewachsen und hat sich nach der Matura am Gymnasium Gmünd für die ungewöhnliche Kombination entschieden, die ihn bis nach China brachte. Der NÖN erzählte er, was das mit Kulturschocks, einem „Ja“ zu Chancen und Sesshaftigkeit zu tun hat.

In seinem Lebenslauf hat Markus Fuger viele Projekte stehen, an denen er beteiligt war – vor allem auch auf selbständiger Basis. Das begann bereits während des Studiums an der TU Wien. „Und daran war Ronald Binder stark beteiligt“, blickt er zurück. Markus Fuger war nämlich Schüler des heutigen Gym-Direktors, die beiden sind auch nach Fugers Matura noch in Kontakt geblieben.

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Für EU-Projekt: Bindeglied im Bildungsbereich

„Wenn mir neue Möglichkeiten angeboten wurden, habe ich immer ‚Ja‘ gesagt.“ Markus FugeR

Dadurch hat er von einem EU-Projekt im schulischen Bereich erfahren und dafür eine Software erarbeitet – die tatsächlich genutzt wurde. Fuger war somit als Student auch noch selbständiger Programmierer mit Physik-Bezug. „Ich war sicher ein gutes Bindeglied in dem Projekt“, sagt er. Das war nur der Grundstein für Neues: Weitere Unternehmen wurden auf ihn aufmerksam, Fuger betreute unter anderem auch Sportartikelhersteller Head am Standort in Schwechat.

In der Studienzeit durfte Markus Fuger zudem an zwei Projekten am Atominstitut in Wien mitarbeiten. Seine Diplomarbeit ist in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Moeller entstanden: Es ging um die mathematische Erfassung von magnetischen Vorgängen vor allem in FI-Schutzschaltern. Über die Universität kam er auch mit großen Festplatten-Herstellern in Kontakt. Mehr als das: Er absolvierte bei einem von ihnen ein mehrmonatiges Praktikum in Kalifornien.

Fuger beschäftigte sich in seinen Projekten zwar viel mit dem Programmieren, sein Physik-Studium habe ihm bei alldem aber geholfen, meint er rückblickend. Das war auch so, als es ihn nach dem Studium nach Deutschland zog und er bei Miele in der Testautomatisierung angedockt hat: „Wenn man Haushaltsgeräte testet, gehört auch ein Physik-Verständnis dazu.“ Bis eines Tages ein Anruf vom ehemaligen Vorgesetzten aus Kalifornien kam.

Mit dem Angebot, nach Shenzhen in China zu gehen, dort ein neues Team aufzubauen und die Beteiligten mit den Computerprogrammen vertraut zu machen. „Das hat mich sehr geehrt, es war eine Once in a lifetime-Chance. Und deshalb habe ich angenommen“, sagt Markus Fuger. In eineinhalb Jahren hat er neben den neuen beruflichen Aufgaben auch die „besonders junge und niemals schlafende“ Stadt Shenzhen kennengelernt. Englisch sei privat kaum gesprochen worden, dafür hat er sich Chinesisch-Kenntnisse angeeignet. „Ich dachte, es würde ein Schock werden. Aber den richtigen Kulturschock hatte ich erst beim Heimkommen“, schmunzelt er. Manches war bei den chinesischen Kollegen aber doch anders: „Sie waren alle sehr wissbegierig – wahrscheinlich mehr als bei den meisten Betrieben in Europa, mit denen ich gearbeitet habe.“

Deshalb seien auch die von ihm angebotenen Programmier-Schulungen gut angenommen worden, sagt Fuger. Was ihn beim Arbeiten in China in den Jahren 2014 und 2015 noch aufgefallen ist: „In unserem Betrieb war der Männer- und Frauenanteil recht ausgeglichen – obwohl es sich um den MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Anm.) gehandelt hat.“ Und sonst? „Der Volkssport ist Basketball, das wurde in jeder Mittagspause gespielt“, erzählt er.

Mehr Projektmanagement, weniger Physik bei Miele

Im Herbst 2015 ging es zurück nach Europa – und zurück zu Miele. „Ich bin fast wieder am selben Bürostuhl gesessen“, sagt Markus Fuger. Sein neuer Aufgabenbereich war die Software-Entwicklung. Nun aber mit weniger Physik, dafür mehr Projektmanagement. Gestört hat ihn das nicht: „Ich bin getrieben von der Lust auf Veränderung. Wenn mir neue Möglichkeiten angeboten wurden, habe ich immer ‚Ja‘ gesagt.“

Neue Chancen ergaben sich auch vor etwa zwei Jahren: Er ist nach Österreich zurückgekehrt, hat seine Lebensgefährtin kennengelernt, ist mit ihr nach Klagenfurt gezogen und Anfang Dezember sind die beiden Eltern geworden. Bis auf die Besuche in der Waldviertler Heimat – mit der ihn vor allem die Familie verbindet – sei er, wie Markus Fuger selbst sagt, nun in Kärnten privat und beruflich sesshaft geworden. Sein neuer Arbeitsplatz ist ein Unternehmen in Althofen.