Vier-Millionen-Investition: „Abfall wird nicht weniger“. Ausbau bei Rammel in Nondorf ist abgeschlossen. Über Pläne, Rohstoffmangel und eine Krise, die fürs Unternehmen keine war.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 23. Juni 2021 (03:50)
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Hinter dem bestehenden Betriebsgelände der Rammel GmbH ist in den vergangenen Jahren eine riesige Lagerfläche mit drei Flugdächern entstanden. Letzte Baustellenreste erinnern noch an die Arbeiten.
Anna Hohenbichler

Viel hat sich in den vergangenen fünf Jahren im Unternehmen von Alexander Rammel getan: Die Büroräumlichkeiten bekamen einen Zubau, es entstanden eine 1.200 m² große Halle und ein großer Lagerplatz mit drei Flugdächern. Einige Baustellenreste erinnern noch an die im Jahr 2016 angelaufenen Ausbauten. Denn vor Kurzem gingen die Arbeiten in die Endphase. Die NÖN war im Abfallimperium zwischen Nondorf und Groß-Höbarten zu Besuch.

Eine Baustelle für zehn Sachverständige. Vom Elexenweg aus sieht man nur einen Teil des Betriebsgeländes, der große neue Lagerplatz befindet sich im hinteren Teil. Dort, wo vorher ein Wald gestanden und auf Luftaufnahmen digitaler Karten noch eine Baustelle zu sehen ist. Der Wald wurde gerodet, die Fläche angeglichen: „Auf der einen Seite haben wir zehn Meter abgegraben und auf der anderen Seite etwa genauso viel aufgeschüttet, um eine Ebene zu erhalten“, erzählt Alexander Rammel. Für den Zubau wurde auch ein Graben umgelegt, er wäre mitten durchs Firmengelände geflossen. „Sonst hätten wir nicht vernünftig arbeiten können“, sagt Rammel.

Fast ein Dutzend Sachverständige seien eingebunden gewesen. Die Vorarbeiten mit der Behörde haben, blickt er zurück, etwa ein Jahr gedauert. Trotzdem dankt Rammel nun für den reibungslosen Ablauf – sowohl der Bezirkshauptmannschaft als auch der Gemeinde Waldenstein. Seine neuen Lagerflächen befinden sich nämlich auf Waldensteiner Gemeindegebiet, der Verwaltungstrakt hingegen auf Hoheneicher. Dort entstanden übrigens neue Büroräume, ein großzügiger Besprechungs- und Aufenthaltsbereich.

Ringen um Rohstoffe. Das vielerorts angesprochene Problem der Material- und Rohstoffknappheit merkt auch Rammel. Ein Beispiel sind die Preise, die das Unternehmen für Autowracks bietet: Bot man im Mai für Wracks mit Motor und Kat noch 160 Euro pro Tonne, sind es nun im Juni schon 210 Euro. „Der Rohstoff wird ganz dringend gebraucht“, sagt Rammel.

Sind die Preise für Alteisen höher, kommt auch mehr Material ins Recyclingunternehmen – das hat auch in den Vorwochen Wirkung gezeigt, es sei mehr Schrott hereingekommen. Momentan sei zu wenig Alteisenschrott am Markt, für die Erzeugung von Neueisen werde das allerdings dringend benötigt, erklärt er. Und: Auch an einigen Kunststoffen mangelt es. Die steigenden Preise für Rohstoffe sieht Alexander Rammel als zunehmendes Problem, fürchtet dadurch allmählich einen Dämpfer für die Wirtschaft.

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Auch eine 1.200 m² große Halle ist neben dem Elexenweg entstanden.
Anna Hohenbichler

Abfall wurde in der Pandemie nicht weniger. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir – anders als andere Branchen – unter der Krise nicht gelitten haben“, erzählt er. Verschiedene Branchen seien gut ausgelastet gewesen und hätten mehr Abfall verursacht. Obwohl: Abfall ist für Rammel kein Müll, sondern wertvoller Rohstoff. Sogar der Restmüll, „der Abfall wird nicht weniger.“ Was die Arbeit erleichtert, sei die Tatsache, dass Müll heutzutage sorgfältiger getrennt wird als früher.

Das Spektrum an Materialien, die im Recyclingunternehmen landen, ist breit: Fast alles wird angenommen, betont Rammel, „wenn gearbeitet wird, gibt es immer Abfall. Es ist sinnvoll, wenn man ihn verwertet und etwas Neues daraus macht.“

Zwischen Bodenversiegelung und Umweltschutz. Platz für all das gibt es jetzt genug. Das Firmengelände erstreckt sich auf etwa vier Hektar, rund vier Millionen Euro hat Alexander Rammel im Ausbauschritt der vergangenen Jahre investiert. Nun wird schon am nächsten – wenn auch nicht ganz so großen – Projekt gearbeitet: Eine 4.500 m² große Fläche, die bisher als Containerabstellplatz genutzt wurde, wird nun befestigt, teilweise auch überdacht und dann als weitere Lagerfläche für all die unterschiedlichen Materialien genutzt.

Ganz schön viel Bodenversiegelung, oder? Das bestreitet Alexander Rammel nicht. Aber: In der Recyclingbranche brauche man verdichtete Flächen – sonst würden Altstoffe die Umwelt erst recht beeinträchtigen, etwa weil Substanzen ins Grundwasser gelangen, sagt er: „Es ist unser Ziel, dass die Umwelt nicht geschädigt wird. Auch für die anderen Lagerplätze haben wir nur so viele Flächen in Anspruch genommen wie nötig.“

Gibt es nach all den Investitionen noch Pläne? „Viele unbebaute Flächen haben wir nicht mehr“, schmunzelt Rammel: „Ein Platzproblem bekommen wir in den kommenden Jahren nicht.“ Eine gewisse Reserve sei in den Zu- und Umbauten einkalkuliert. „Ideen gibt es immer. Aber was zu groß wird, ist dann nicht mehr so einfach“, sagt er. Schon jetzt kommen Abfälle auch aus umliegenden Bezirken, alles andere werde logistisch herausfordernder. Was in zehn oder 15 Jahren ist, könne man heute aber freilich noch nicht sagen.

Genug Arbeit für das 19-köpfige Team dürfte es nämlich auch in Zukunft geben – und sich somit auch in den nächsten Jahren wieder einiges im Betrieb von Alexander Rammel tun.