Tickets am Gmünder Stadtamt: Euphorie überschaubar. Zurückhaltende Reaktionen auf Rettungs-Aktion von Stadtgemeinde für ÖBB-Kartenverkauf. Primär überwiegt Ärger über Personenkassen-Ende ohne Alternative.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 16. Oktober 2020 (05:42)
Hauptbahnhof Gmünd
M. Lohninger

Die Stadtgemeinde Gmünd will den Fahrkartenverkauf der vor der Auflassung stehenden Personenkasse am ÖBB-Bahnhof übernehmen, um mangels anderer Alternativen zumindest die Option auf einen Kauf unabhängig von Internet oder Ticketautomat zu erhalten.

Der Beschluss passierte vorige Woche wie berichtet (siehe hier und unten) einstimmig den Gemeinderat, wobei die SP-Opposition Zweifel an der Aussicht auf Erfolg äußerte.

Diesen Zweifeln schlossen sich einige NÖN-Leser an, eine dahingehende Umfrage auf NÖN.at mit immerhin mehr als 600 Teilnehmern bestätigte die Skepsis: Bloß 6,2 Prozent davon sehen die Möglichkeit auf einen Ticketkauf am Stadtamt für sich persönlich als Option, 79,4 Prozent schlossen das klar aus.

Umfrage beendet

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Bahnaktivist Gerald Hohenbichler hält einen „Bahn- Store“ nach Vorbild von Mistelbach, Hollabrunn oder Melk, der an zentraler Lage bei längeren Öffnungszeiten auch Tickets verkauft, für erfolgversprechender.

„Katastrophenbilanz nicht schönzureden“

Einen solchen hatte ÖBB-Chef Andreas Matthä wie berichtet im Frühjahr in den Raum gestellt, als er bei der Übernahme von Unterschriftenlisten das Ende der Personenkasse mit Jahresende angekündigt hatte.

Das Angebot hätte massiv ausgebaut werden müssen, klagt Hohenbichler: „Die Lage würde sich als Knotenpunkt für Mobilitätsangebote zu touristischen Sehenswürdigkeiten, mit Ticketverkauf, Umstieg auf Bus, Taxi, Rad usw. anbieten. Hier könnten ankommende Zugreisende klimaverträglich weitertransportiert werden. Eine vergebene Chance!“ Vor allem ältere oder seltene Bahnreisende aus der Region kämen zum Handkuss.

Er wertet die Schließung als Mosaikstein einer „Katastrophenbilanz“ von ÖBB und Politik hinsichtlich FJB, „die man nicht schönreden kann“. Die Region werde weiter als Grenzregion behandelt – mit Versprechungen, die seit 30 Jahren gebrochen wurden: „Ich nenne nur ein paar aus den letzten fünf Jahren: Fahrzeitverkürzung auf 90 Minuten, neue Fahrzeuge, durchgehend Wlan, Aufwertung, Streckenausbau. Alles hat sich in modrig riechende Luft aufgelöst oder als mediale Mogelpackung herausgestellt.“ Mit der „Strategischen Prüfung-Verkehr“ des Bahn- und Straßen- ausbaus drohe bald die nächste Mogelpackung zu platzen.