Ökostrom und wandernde Fische. Innovation der Firma Seidl aus Altweitra: Klein-Wasserkraftwerk für jedermann mit integrierter Fischwanderhilfe.

Von Karin Pollak. Erstellt am 17. Juni 2014 (11:47)
NOEN, Seidl
Diese patentierte Neuheit braucht wenig Platz, hat eine kurze Bauzeit, geringe Wartung und soll eine hohe Wirtschaftlichkeit garantieren: das Kleinwasserkraftwerk für jedermann mit integrierter Fischwanderhilfe.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt man mit dem neuesten Produkt der Firma Franz Seidl und dem Tochterunternehmen Alpin Umwelttechnik aus Altweitra: Man löst das Problem der erforderlichen Fischwanderhilfe bei Wehranlagen und produziert gleichzeitig Ökostrom mit Wasserkraft.

Vier Jahre wurde geforscht und entwickelt, jetzt kann das Kleinwasserkraftwerk mit integrierter Fischwanderhilfe bei der BIOEM der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese patentierte Neuheit braucht wenig Platz, hat eine kurze Bauzeit, geringe Wartung und soll hohe Wirtschaftlichkeit garantieren.

„Fakt ist, dass bestehende Wehranlagen laut EU-Wasserrechtslinie fischdurchgängig gemacht werden müssen. Gleichzeitig soll die Wasserenergie zur Stromerzeugung genutzt werden. Beides wollten wir verbinden und dies zu einem wirtschaftlichen Preis anbieten“, erklärt Firmeninhaber David Seidl.

Herausgekommen ist das Kleinwasserkraftwerk mit integrierter Fischwanderhilfe – verpackt in einem Beton-Fertigteil samt Turbine, Generator und Fischaufstieg. „Die Investitionskosten amortisieren sich je nach Standort in fünf bis 15 Jahren. Bei herkömmlichen Wasserkraftwerken dauert das bis zu 35 Jahren, dazu kommen noch die Kosten für den Fischaufstieg“, rechnet Seidl vor.

650.000 Euro in die Entwicklung investiert 

Die Höhe, die man mit der Fischwanderhilfe aus Altweitra überbrücken kann, ist eigentlich egal – dieses Produkt ist auch für Staukraftwerke geeignet. „Die modularen Fertigbetonbehälter werden je nach Gefällehöhe übereinandergesetzt“, so Seidl, der die Fischwanderhilfe bei Bedarf auch ohne Kleinwasserkraftwerk anbietet. Und dass dafür Bedarf vorhanden ist, zeigen die Zahlen, die von der Bezirkshauptmannschaft Gmünd bekannt gegeben wurden: Entlang der Lainsitz gibt es zwölf Wasserkraftwerke, die bis 2025 fischdurchgängig gemacht werden müssen. An der Braunau sind es drei Wasserkraftwerke und zwei Stauanlagen.

Für ein Kleinwasserkraftwerk samt Fischwanderhilfe benötigt man eine Fläche von 15 Quadratmetern inklusive Platz für den Zu- und Ablauf zum Gewässer.

Der Wirkungsgrad des Kleinwasserkraftwerks liegt laut Seidl bei 80 bis 85 Prozent – genau wie bei Großkraftwerken. „Natürlich richtet sich die zu produzierende Strommenge nach der Wassermenge und dem Gefälle“, erklärt der innovative Unternehmer, in dessen Firma die gesamte Anlage inklusive Technik entwickelt und gebaut wird. Die Fischwanderhilfe wurde gemeinsam mit Fischbiologen entwickelt, die das Projekt begleiteten.

Interessenten aus Österreich und dem Ausland

„Diese funktioniert ähnlich einer Schiffsschleuse: Die Fische schwimmen mit dem aufgestauten Wasser in die Höhe und brauchen dadurch nicht zu springen. Danach werden sie geschleust. Dazwischen finden sie Ruhezonen vor. Also überwinden sie die Wehranlage stressfrei und schonend“, erklärt Seidl, der sich über das Zeugnis der Fischbiologen für dieses Produkt besonders freut: „Es ist der fischfreundlichste künstliche Fischaufstieg und für alle Fische geeignet.“

Interessenten gibt es bereits aus ganz Österreich und auch aus dem Ausland. „Bei der BIOEM werden Delegationen aus Italien und Rumänien unser neuestes Produkt besichtigen“, verrät Seidl, der in die Entwicklung rund 650.000 Euro investiert und auch eine neue CNC-Fräse für Kunststoff- und Edelstahl angekauft hat. Damit werden die Einbauteile wie Turbinenhalterungen und Steuerkästen produziert.

„Selbstverständlich bieten wir unseren Kunden ein Rundum-Service an; Planung der Anlagen, Einreichungen bei den Behörden, Verträge mit den Stromanbietern gehören da dazu. Außerdem können wir den Wehrbesitzern auch ein Kauf- oder Beteiligungsmodell anbieten“, so Seidl, dessen Beton-Sonderbauteil-Produktion ebenso floriert. „Die Entwicklung geht dabei generell in technische Produkte und technische Einbauten wie Pumpschächte oder Kabelziehschächte. Derzeit liefern wir unsere Produkte vermehrt an EVN und Verbund für zahlreiche Umspannwerke.“