Frust nach „Party“ in Gmünder ÖBB-Halle. Ohne Maske & Abstand, aber mit Pizza & Bosheiten: Pensionistin beklagt Zustand in Bahnhofshalle.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 29. April 2021 (04:14)
Markus Lohninger, Markus Lohninger

Klar, die langsam zu Ende gehende Zeit des scharfen Lockdowns ist eine schwere Beeinträchtigung der Sozialbedürfnisse. Bei der Gmünder Avia-Station musste Andreas Weber einen großflächigen Bereich unübersehbar sperren, um verbotene Menschenansammlungen zu unterbinden. In der Bahnhofshalle gelingt das – angesichts der Glasfront weithin mitverfolgbar – offenbar nicht immer. Eine NÖN-Leserin erhebt schwere Vorwürfe.

Nach Jahrzehnten in Wien einiges gewohnt. Nach fast 38 Jahren als Hauptschul-Lehrerin in Wien habe sie gedacht, dass sie „nichts mehr erschüttern kann“, zumal sie immer Verständnis für Kids und Jugendliche aufgebracht und versucht habe, sich an die sich „schnell verändernde Welt anzupassen“, schreibt die Frau mit Jahrgang 1947. Eine Begebenheit in der Gmünder Bahnhofshalle habe vor wenigen Tagen, als sie wegen einer Krebs-Kontrolluntersuchung am AKH Wien mit dem Zug habe anreisen müssen, aber ihr Weltbild auf den Kopf gestellt.

Sie schildert, wie in der Halle an einem Nachmittag von einer zumindest 15-köpfigen Gruppe Jugendlicher, „die sicher keine Bahnkunden waren und offensichtlich Party machten“, auf alle Regeln hinsichtlich Abstandhalten oder Masketragen gepfiffen wurde. Einige hätten Pizza gegessen, was während des Lockdowns im Umkreis von Lokalen gar nicht gestattet ist.

„Zustände weniger die Ausnahme als die Regel.“ Wie andere ältere Personen musste sie in die Halle, um am Kassenautomaten ans Ticket zu kommen. „Ich machte den Fehler, einen Jugendlichen, der vor meinen Augen einen Zigarettenstummel auf den Boden warf, zu fragen, ob das notwendig sei“, sagt sie. Darauf sei sie von zwei Mädchen angepöbelt worden, was sie sich als „Alte“ einbilde, zu stänkern. Sie habe die Halle rasch verlassen. Eine andere junge Dame habe für sie das Ticket gekauft – und erklärt, dass die „Zustände weniger eine Ausnahme als die Regel sind.“

Draußen am Bahnsteig habe sie zwei junge Polizisten auf die Zustände angesprochen – die erklärt hätten, nur für die Kontrolle der aus Tschechien Einreisenden zuständig zu sein. „Wenn das keine richtigen Polizisten waren, sollte man vielleicht auf die Aufschrift ‚Polizei‘ auf den Uniformen verzichten, um die Bevölkerung nicht zu verwirren“, findet die Frau, die sich ihren vollen Namen nicht zu nennen traut und via NÖN als „Franziska“ in Erscheinung tritt. Sie sieht den Bezirkshauptmann in der Pflicht, wo dieser doch den Behördenapparat zur Verfügung habe und laufend zur Einhaltung der Covid-Maßnahmen aufrufe.

Bereits einige Anzeigen am Bahnhof. Bezirkshauptmann Stefan Grusch beteuert auf NÖN-Nachfrage, den Bereich schon verstärkt auch zu verschiedenen Tageszeiten überwachen zu lassen. Eine Problemzone sei das Areal rund um die Bahnhofshalle allemal, räumt Bezirkspolizei-Kommandant Wilfried Brocks ein: „Wir glauben, dass Gespräche, Erklärungen und Aufforderungen der richtige Weg sind – das Gros der Menschen ist immer noch bereit, die Covid-Maßnahmen mitzutragen. Aber wenn‘s jemand sehr genau wissen will, greifen wir natürlich durch.“

Genau das erfolge beim Bahnhof, der ein „Hotspot“ von Jugendlichen sei, hält Wolfgang Widhalm für die Gmünder Polizeiinspektion fest: „Wir haben bereits einige Anzeigen erstattet und auch Organmandate eingehoben.“

Polizeichef: „Bitte 133 rufen, die nächste Streife ist in wenigen Minuten vor Ort!“ In die Aufgaben der Grenzkontrollen als Unterstützung für die Gesundheitsbehörde sind laut Widhalm keine Beamten der PI Gmünd involviert – sie werden derzeit durch die Grenzdienststelle von Polizeischülern und neu ausgebildeten Beamten aus Nieder- sowie teils Oberösterreich wahrgenommen. Brocks: Die seien an sich natürlich genauso für Ereignisse abseits der Schienen zuständig.

Widhalm und auch Bezirkspolizeichef Brocks raten belästigten oder gefährdeten Mitmenschen explizit, zum Telefon zu greifen: „Wenn es ein Problem gibt und sich niemand verpflichtet fühlt, dann rufen Sie bitte 133 – die nächste Streife ist in wenigen Minuten vor Ort!“

ÖBB wollen „Bestreifung“ verstärken. Bezirkshauptmann Grusch sieht die Verantwortung auch bei der Bahnhofsverwaltung: „Wenn die nicht mehr Herr der Lage ist, kann sie sich an die Polizei oder die Gesundheitsbehörde wenden. Wenn im Eingangsbereich der Bezirkshauptmannschaft 15 Jugendliche auf die Vorgaben pfeifen, dann muss ich genauso handeln.“

Für die ÖBB hält Sprecher Christopher Seif fest, dass zum Bahnhof Gmünd keine diesbezüglichen Beschwerden vorliegen. Anlassbezogen werde die „Bestreifung“ des Bahnhofes aber mit eigenen Sicherheitsmitarbeitern verstärkt und auch mit der Polizei in Kontakt getreten, „um gegebenenfalls Maßnahmen zu koordinieren“.

Seif weist auf die generelle FFP2-Pflicht an den ÖBB-Bahnhöfen und -Bahnsteigen hin: „Unsere Sicherheitsmitarbeiter sind dazu angehalten, diese zu kontrollieren und Kunden, die sich nicht daran halten, darauf hinzuweisen. Sollten sich Personen als nicht kooperativ erweisen, werden diese des Bahnhofes verwiesen. Sollte der Aufforderung nicht Folge geleistet werden, wird gegebenenfalls die Polizei zur Unterstützung angefordert.“

Insgesamt bewertet Polizeichef Brocks die Disziplin der Menschen im Bezirk als durchaus hoch. Zuletzt sei aber das Bedürfnis junger Menschen, sich zu treffen, mit dauerhaft schlechter Wetterlage und Schnee bis weit in den April hinein kollidiert, „dann ist eine windgeschützte, warme Stelle wie die Bahnhofshalle vermutlich plötzlich interessant. Trotzdem ist sehr viel Fingerspitzengefühl unserer Einsatzkräfte gefragt – ich wünsche mir auch keine Überreaktionen in einer solchen Situation.“