Prostitution: Stadt wehrt sich. „Strich-Security“ / Stadtverwaltung von Ceské Velenice schaltet private Agentur zur Bekämpfung der Prostitution ein. In Ceský Krumlov und Dolní Dvoišt hat das bereits geklappt.

Von Alexandra Popel und Werner Grubeck. Erstellt am 17. Juni 2014 (11:35)
NOEN, M. LOHNINGER
In Ceské Velenice - dem ehemals dritten Stadtteil von Gmünd - soll endlich Ruhe einkehren: Die Stadtgemeinde beauftragte eine private Agentur damit, Vergehen gegen die Verordnung zur Prostitution zu verfolgen. Und sie verzeichnet erste Erfolge.

Seit 24 Jahren sagt die Stadt Ceské Velenice der Prostitution den Kampf an. Bis dato vergebens. Seit der Vorwoche läuft ein neuer Versuch, den mit der Grenzöffnung 1989 entstandenen Straßenstrich in Grenznähe zu unterbinden.

Prostitution ist in Tschechien an sich legal (siehe Infobox!), wurde in Ceské Velenice aber angesichts des sich entwickelnden Problems per Stadtverordnung verboten. Das Verbot wurde bisher nicht respektiert, eine Videokamera-Überwachung war zahnlos, da Zeugen fehlten. Doch nun gibt es ein Rezept, das in Städten wie Dolní Dvoišt (zwischen Freistadt und Ceské Budéjovice) oder Ceský Krumlov bereits erfolgreich läuft: Die Stadtverwaltung beauftragte die private Agentur HG Security für einen Monat damit, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Agenturleiter Petr Remiáš erzählt, dass als erstes Flugblätter an Prostituierte am Straßenstrich verteilt werden, die darüber informieren, dass die Stadtordnung verletzt wird und die Prostituierten nach ein paar Tagen die Stadt verlassen müssen – wenn sie nicht Gemeindebürgerinnen sind. „Unsere Arbeit besteht darin, dass wir mit dem Auto und einer Kamera durch das Gebiet fahren. Wenn wir sehen, dass sexuelle Dienste angeboten werden, halten wir an und informieren diejenige, dass sie damit gegen die Verordnung handelt. Falls die Prostituierte dies nicht akzeptiert, wird das Material ans Stadtamt übermittelt“, sagt Remiáš der NÖN. „Alles wird gefilmt, damit die Prostituierten bei der nächsten derartigen Tätigkeit nicht sagen können, dass sie von nichts gewusst haben.“ Die Agentur tritt wenn nötig auch als Zeuge auf.

Auch Alkoholverbot und Nachtruhe kontrolliert 

Sie befasst sich aber auch mit Kunden. Falls ein „sexwilliger“ Kunde bei einer Prostituierten anhält, wird er darauf aufmerksam gemacht, dass er gegen die Verordnung verstößt. Am Tag nach Beginn der Aktion wurden, so Petr Remiáš, bereits um die zehn Prostituierte angehalten, am Tag darauf nur zwei. Prostituierte wurden auch bereits der Stadt verwiesen.

Auf den Erfolg der Agentur wird es ankommen, ob die Aktion nach dem Probemonat verlängert wird, sagt Vizebürgermeister Miroslav Kotr– immerhin sei es auch eine Frage des Stadtbudgets.

Die Agentur ist täglich von Mittag bis Mitternacht tätig. Außerdem werden auch die Nachtruhe und die Einhaltung des Verbotes von Alkoholkonsum kontrolliert, ergänzt Remiáš.

In Dolní Dvoišt hat sich dieses Pilotprojekt seit Mai bestens bewährt. „Binnen eines Tages verschwanden die Prostituierten“, sagt die dortige Bürgermeisterin Helena Panská zum Onlineportal „idnes.cz“. Einen ähnlichen Effekt erwartet sich Rathaussekretärin Hana Dvoraková nun in Ceské Velenice.