Kein Mittel gegen Raser im Ortskern von Langschwarza. Ein Jahr nach NÖN-Bericht über Tempobolzer in Langschwarza kaum Besserung. SP-Harrer warnt vor Verschlimmerung.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:06)
Das Lächeln vom NÖN-Foto 2019 an der B2 in Langschwarza gefriert Bürgermeister Karl Harrer und Carina Fichtenbauer allmählich: Zuletzt schlug die Tempoanzeige innerhalb dreier Wochen 142 Mal bei 96 km/h oder mehr an – obwohl sie deutlich zurückversetzt wurde.
Archiv/ml

Ein Jahr, nachdem Bürgermeister Karl Harrer (SPÖ) und Ortsvorsteherin Carina Fichtenbauer via NÖN gegen „nicht mehr tragbare Zustände“ mit Rasern auf der Bundesstraße B2 durch Langschwarza protestiert hatten, hat sich nicht viel in der Schremser Katastralgemeinde geändert. Der Gemeindechef erneuert seine Forderungen um zumindest eine Radarstation: „Die Leute werden langsam wirklich sauer!“

 „Wir müssten darüber reden, welche Ideen und Optionen denkbar wären.“  Straßenplaner Christof Dauda sieht in Sachen Umfahrung die Gemeindeführung am Zug

 62 Prozent sind zu schnell

Um die Zahlen der gemeindeeigenen Messanlage bei der Einfahrt aus Schrems weg vom Freiland zu bekommen, wurde diese inzwischen deutlich in Richtung Ortszentrum versetzt. Dennoch kann zumindest aus dem letzten ausgewerteten Zeitraum vor Corona (27.1.-18.2.) von keiner Entspannung die Rede sein: 62 Prozent aller 75.000 Messungen auch von Rädern, Mopeds und Traktoren lagen über den erlaubten 50 km/h, 15 Prozent über 67. Fast 8.000 Mal wurden Werte über Tempo 70 gemessen, 142 Mal über Tempo 95.

Polizeipräsenz bringt nach Ansicht von Harrer langfristig wenig („natürlich gehen Leute runter vom Tempo, aber nur in dem Fall“), Abhilfe könne nur ein Radar schaffen. Einen solchen habe die Ortsbevölkerung bereits 1996 gefordert, bis auf zwei Einwohner hätten sich damals alle an einer Unterschriften-Aktion beteiligt, sagt Harrer. „Wir brauchen dringend einen Radar. Wenn man das dritte Mal gezahlt hat, wird man irgendwann langsamer“, setzt er auf den Erziehungseffekt.

Bezirkshauptmann: „Einfach ein längerfristiger Prozess“

Die Behörde prüft wie berichtet die Installierung mehrerer Radarstandorte im Gmünder Bezirk, Harrer geht das zu langsam. Dazu Bezirkshauptmann Stefan Grusch zur NÖN: Es habe bereits Verkehrszählungen und eine Verkehrsverhandlung gegeben, „es gilt aber, Maßnahmen nicht nur für Langschwarza zu treffen, sondern mehrere Hotspots im Bezirk festzustellen. Wir sind dran, aber es ist einfach ein längerfristiger Prozess – in dem auch berücksichtigt werden muss, dass die Wünsche nach Radarstellen landesweit sehr groß sind.“ Der Einsatz der finanziellen Mittel müsse sehr genau geprüft werden, zumal ein Radar nicht nur mit Einnahmen, sondern auch mit laufenden Kosten für Betrieb und Wartung verbunden sei – und für diese nicht die Bezirkshauptmannschaft, sondern das Innenministerium aufkomme.

Aktuell und auf nicht absehbare Zeit sei das Verkehrsaufkommen wegen Corona reduziert, sagt der Bezirkshauptmann, man solle Entscheidungen nicht übers Knie brechen.

Nach Lkw-Verbot in Kirchberg: „Haben wir ein echtes Problem“

Für den Schremser Bürgermeister Harrer wäre ein Radar aufgrund einer drohenden massiven Verschärfung des Lkw-Durchzugs ohnehin keine dauerhafte Lösung. Er beruft sich auf angeblich frühere Ankündigungen: Nach Fertigstellung der ortsdurchfahrtsfreien Verbindung zwischen Vitis und Zwettl – und dem dann geplanten Lkw-Verbot am Abstecher in Kirchberg – solle die dann mehrbelastete B2 zwischen Langschwarza und Scheideldorf genauso ortsdurchfahrtsfrei werden. Die Forderung nach einer Umfahrung Langschwarzas sei vor einigen Jahren parteiübergreifend über VP-Landtags-Abgeordnete Margit Göll ans Land herangetragen worden. Harrer: Auch in der Hinsicht habe sich nichts getan.

Die Zeit drängt. Diese Woche steht die Verhandlung über die Umweltverträglichkeitsprüfung für die letzte Umfahrungsstraße zwischen Vitis und Zwettl um die Orte Großglobnitz, Kleinotten, Mayerhöfen, Niederglobnitz, Wolfenstein, Kleinpoppen an, das 60-Mio.Euro-Projekt nimmt Gestalt an. Harrer: „Danach haben wir in Langschwarza ein echtes Problem!“

Sehr umfangreicher Forderungs-Katalog für den Bezirk

Abgeordnete Göll beteuert, sich seit Jahren stark um Verkehrsprojekte zu bemühen, auch hinsichtlich der Verbindung Zwettl-Weitra-Gmünd, die aber derzeit durch die Debatte um einen höherrangigen Ausbau im Waldviertel tangiert seien. Das Treffen, bei dem das gemeinsame Papier der Bürgermeister entstanden sei, habe sie einst selbst angeregt.

Das Problem, wie Christof Dauda als Leiter der Abteilung Landesstraßenplanung im Amt der NÖ Landesregierung gegenüber der NÖN festhält: Das Papier aus dem Gmünder Bezirk betreffe alle bestehenden Achsen und noch mehr, für die B41 sei daraus bereits ein Millionenpaket geschnürt worden. „Die Region müsste aber entscheiden, was sie prioritär möchte“, betont Dauda.

Umfahrung: Planung müsste bei Null beginnen

Aus Langschwarza habe er keine bisherigen Umfahrungs-Varianten in Erinnerung, man müsse in dem Fall mit der Planung von ganz vorne beginnen. Dass das angesichts der starken Ausdehnung des Ortsgebietes inklusive Kurzschwarza keine leichte Aufgabe sein kann, ist klar. An sich gebe es mit der Schremser Stadtführung eine konstruktive Zusammenarbeit, sagt Dauda, von hier müsse der Impuls ausgehen: „Dann müssten wir darüber reden, welche Ideen und Optionen denkbar wären. Vielleicht gäbe es bei ganzheitlicher Betrachtung sogar eine sinnvolle und dennoch entlastende Alternative zu einer Umfahrung.“