Demo gegen Post-Aus in Schrems. An einer Protestaktion gegen die Schließung des Schremser Postamtes beteiligten sich heute Nachmittag etwa 300 Menschen vor dem Amt im City-Center.

Von Martina Hofer. Erstellt am 07. Februar 2020 (17:21)

Bürgermeister Karl Harrer wies darauf hin, dass sich der Protest alleine gegen die „Profitgier der österreichischen Post - AG“ richte. „Das Postamt soll geschlossen werden, weil es angeblich nicht kostendeckend geführt werden kann. Schrems ist die einwohnerstärkste Gemeinde mit über 6000 Einwohnern, Großindustrie und viele Groß- und Kleinunternehmen am Standort, die alle die Dienstleistungen der Postfiliale in Schrems dringend benötigen, genauso wie die Verwaltung der Stadtgemeinde Schrems“, so Harrer, der die Vorgehensweise der Post scharf kritisiert.

Im Jahr 1995 wurde das Postamt am Hauptplatz neu gebaut und eröffnet. Nach 16 Jahren geschlossen und ins City-Center übersiedelt. Das Gebäude stand neun Jahre leer und wurde in dieser Zeit voll beheizt und gewartet. „Diese Doppelkosten schlagen sich zu Buche bei den sogenannten Abgängen“, meint Harrer. Die Unterlagen, die ihm am 5. Februar vorgelegt wurden, weisen daher „Rote Zahlen“ aus. Das Kerngeschäft der Post-Erträge aus Postdienstleistungen sei seit 2016 stabil und sogar leicht steigend. Der Ertragrückgang aus den Handelswaren sei darauf zurückzuführen, dass ein Bediensteter alle Aufgaben machen soll, was zeitmäßig im Kundenaufkommen gar nicht möglich sei.

Harrer findet es erschütternd, wie mit dem ländlichen Raum umgegangen wird. „Wir als Stadtgemeinde sind fast ohnmächtig gegen diese Vorgangsweise, aber wir werden alles tun, um unseren Menschen und Firmen die Postdienstleistungen in Schrems zu erhalten.“

"Post muss nicht kostendeckend sein"

„Die Aktionäre werden gefüttert und die Regierung verhindert die Schließung nicht, obwohl der Bund einen Anteil von über 50 Prozent bei der Post hat“, sagt ÖGB-Regionalsekretär Reinhold Schneider im Gespräch mit der NÖN. „Mangelnde Kostendeckung wird als Grund genannt, aber die Post ist ein Infrastrukturunternehmen, das muss nicht kostendeckend sein.“

Auch Stefan Findl, der seit 50 Jahren in Schrems wohnt, hält nichts von den Plänen der Post. „Zuerst die Bank und jetzt auch noch das Postamt. Es kann doch nicht sein, dass der eine Mann nicht bezahlt werden kann. Es ist eine Unverschämtheit, dass man wegen jedem RSb-Brief mit dem Bus nach Gmünd fahren soll. Ich habe kein Auto.“

Hartmut Otto berichtet: „Schrems hat seit 1650 eine Poststation und jetzt wollen sie uns das wegnehmen. Schrems war immer ein Zentralpunkt im Waldviertel, aber die Infrastruktur wird zerstört.“

Diesner-Wais will Änderung des Postmarktgesetzes

„Es ist eine Frechheit“, so Josef Nicht, Gemeinderat von der SPÖ. „Die mangelnde Kostendeckung ist hausgemacht, wenn die Leute bis auf die Straße stehen, weil nur noch ein Mitarbeiter beschäftigt wird. Wenn sich die Post einmietet, kostet das ebenso viel.“

Unter den Protestanten mischte sich auch Martina Diesner-Wais, Nationalratsabgeordnete der ÖVP. „Die Schließung ist nicht angebracht“, sagt sie. Zudem sei die Post ein Dienstleister und dieser Aufgabe solle sie auch nachkommen. Diesner-Wais hat deshalb auch vor, sich in den Gremien für eine Änderung des Postmarktgesetzes einzusetzen.

Schon während der Protest-Kundgebung wurden laut Bürgermeister Harrer etwa 300 Unterschriften gegen die Schließung gesammelt. Unterschriftenlisten liegen noch die ganze nächste Woche auf der Stadtgemeinde Schrems zu den Öffnungszeiten im Tourismusbüro auf und werden dann der Post AG übergeben.

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