Regisseurin Schubert und Schauspieler Kuste im Gespräch. Regisseurin Schubert und Schauspieler Kuste im Gespräch über das Morden am Theater und das Spielen im Hoftheater.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 30. April 2019 (05:25)
J. Bode
Spielt heuer nicht nur auf Schloss Weitra, sondern auch im Hoftheater: Ronald Kuste

Die Komödie „Mörderkarussell“ feiert am 3. Mai im Wald4tler Hoftheater Premiere. Regisseurin Viktoria Schubert und Schauspieler Ronald Kuste im Gespräch mit NÖN-Mitarbeiter Johannes Bode.

NÖN: Eine Frau, zwei Männer - das Stück „Mörderkarussell“ klingt auf den ersten Blick nach klassischer Dreiecksgeschichte. Was ist das Besondere?

Viktoria Schubert: Die Figuren gehen so weit in ihrer Verliebtheit und Verzweiflung, dass sie keine andere Möglichkeit mehr sehen, als den Dritten zu beseitigen. Das Lustige in dem Stück ist, dass es immer der Dritte ist – wer auch immer das ist. Wer als Dritter empfunden wird, ist das störende Element.

Ronald Kuste: Und das Schöne ist auch, dass die Rollen austauschbar werden. Wer jetzt nicht gestört hat, stört im nächsten Akt.

Schubert: Einer von den Dreien hat in jedem Bild – das Stück läuft ja in drei Bildern ab – das Heft in der Hand. Der andere wird zum Mitläufer. Das Stück umspannt fast ein ganzes Jahr an Verwicklungen.

Ihr beide wart als Schauspieler und Regisseur tägig – ist das hilfreich in der jeweils anderen Rolle? Was macht ihr lieber?

Schubert: Es ist absolut hilfreich. Ich glaube, ich bin die wesentlich diszipliniertere Schauspielerin geworden, seitdem ich Regie führe, weil ich weiß, wie es dem Regisseur geht. Umgekehrt würd ich sagen, als Regisseurin kenne ich alle Ablenkungsmanöver der Schauspieler, um nicht arbeiten zu müssen – weil ich sie von mir selbst kenne. Was ich lieber mache, kann ich nicht sagen. Es gibt Rollen, die ich wahnsinnig gerne spiele. Aber wenn ich kurz antworten muss, sage ich immer: Mir ist lieber, der Schauspieler macht meine Fehler, als ich mache als Schauspielerin die Fehler des Regisseurs.

Kuste: Ich stell mich als Schauspieler gerne dumm und lass mich von der Regie führen. Die Arbeit als Regisseur ist eine immens kraftzehrende, verantwortungsvolle Aufgabe. Das ist für mich nicht immer leicht, da ist der Schauspieler doch irgendwie in einer besseren Situation.

Schubert: Das Wort „spielen“ drückt eigentlich alles aus. Regie dagegen ist eine sehr einsame Position. Am Anfang hängen die Schauspieler an deinen Lippen, später hassen sie dich, bei den Aufführungen ignorieren sie dich, und am Ende heißt es: Wenn es gut war, waren sie es selber, wenn es schlecht war, war es der Regisseur.

Gibt es ein bevorzugtes Genre?

Schubert: Ich liebe es, Komödien und Musiktheater zu machen. Ganz einfach, weil man sich als Schauspieler von dem, was man stundenlang auf der Bühne macht, in Wahrheit nicht trennen kann. Ich hab vor vielen Jahren ein Stück im Volkstheater gespielt, in dem ich in einer Szene geschlagen wurde. Und bei den Proben wiederholt man das ewig, und wenn man sechs Stunden geschlagen wird, geht man nicht nach Hause und ist glücklich. Da reagiert das Unterbewußtsein, auch wenn der Verstand sagt: Das ist nicht echt.

Kuste: In einem Raum gemeinsam lachen zu können, auch mit fremden Leuten – das schafft ein Gemeinschaftsgefühl, man ist plötzlich nicht mehr alleine. Das ist ein wichtiger Moment.

Ihr seid beide an vielen Häusern tätig, etwa am Volkstheater, in der Josefstadt, am Raimundtheater, Ronald Kuste, Sie auch im Metropol oder in Weitra. Was schätzt ihr am Hoftheater?

Schubert: Als Harry Gugenberger das Hoftheater gegründet hat, gab es hier Leute, die tatsächlich im Alter von 80 Jahren zum ersten Mal im Theater waren. Das war eine Pionierarbeit. Ich hab viel am Hoftheater gemacht, bin sehr jung her gekommen – ich schätze, dass ich vor 26 Jahren zum ersten Mal hier gespielt habe. Im Vergleich mit einem großen Theater, das ganz starke Strukturen braucht, gibt es hier die Möglichkeit, offen über alles zu fantasieren und sich Möglichkeiten offen zu lassen. So werden Dinge möglich, etwa, eine Idee bei der Generalprobe doch noch schnell umzusetzen, was an einem großen Theater unmöglich ist, wo jeder wie in einer Fabrik seinen Teil erfüllt. Hier hilft quasi jeder bei allem mit. Und man kommt hier mit dem Publikum ins Gespräch.

Kuste: Die Atmosphäre hier ist einmalig, vor allem wenn es warm ist - das ist wie eine Sommernachtsparty.

Schubert: Theater entsteht im Moment und ist so unmittelbar – das Publikum kann die Schauspieler richtig durch den Abend tragen. Das ist eine Wechselwirkung: Die Freude des Publikums zu spüren, beflügelt.