Pläne für dreispurigen B2-Ausbau: Debatte um Schremser Stadtausfahrt

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:22
Lesezeit: 5 Min
Enormes Echo auf die NÖN-Exklusivstory über Pläne für einen dreispurigen Ausbau der Bundesstraße B2 zwischen Langschwarza und Schrems – inklusive der Vision für eine Radweg-Direktverbindung.
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Aus der Schremser Opposition kommen starke Bedenken an der Idee, den von Langschwarza aus ersten Abzweiger nach Schrems im Zuge der durch das Land NÖ geplanten Verbreiterung der B2 aufzulassen. Aber: Vor allem ein Linksabbieger mitten in eine dreispurige Trasse sei für Verkehrsplaner freilich keine Option, sieht SPÖ-Stadtchef Peter Müller die erhoffte Überholspur gefährdet. Die nächsten Tage sollen entscheidend sein.

Liegen auf der B41 zwischen Gmünd und Hoheneich vier Spuren, so hat die B2 auf ihren gut zehn Kilometern durch Schremser Gemeindegebiet nicht einmal eine dreispurige Passage. „Sinnvoll ist ein dreispuriger Ausbau, durch den dann abwechselnd einmal in jede Fahrtrichtung eine eigene Überholspur ermöglicht wird, aber offenbar erst ab einer Länge von durchgehend 2,5 Kilometern“, sagt Müller zur NÖN: „Der Bereich zwischen Langschwarza und Wirtschaftspark ist die einzige Option dafür.“

Stadtausfahrt „fällt auf jeden Fall“

Wegen der Überhol-Situationen komme eine Querung der Fahrbahn im betroffenen Bereich nicht infrage, daher falle die Schremser Ausfahrt über die Horner Straße in Richtung Langschwarza auf jeden Fall. Die erste Ausfahrt aus der B2 in Richtung Schrems sei verhandelbar, erklärt Müller: „Für das Land NÖ wäre es aber aus planerischer Sicht besser, wenn die Kreuzung komplett aufgelassen wird.“ Das Land will dafür wie berichtet den Knoten zum Wirtschaftspark und die dortige Verbindung ins Stadtzentrum baulich aufwerten.

Oppositioneller Gegenwind

In der SPÖ lege man sich noch nicht fix fest, sagt Peter Müller: „Wir könnten uns den Wegfall der Kreuzung in Verbindung mit einem Radweg nach Langschwarza aber gut vorstellen.“

Aus den anderen Parteien schlug ihm vorige Woche im via NÖN angekündigten Meinungsaustausch Gegenwind entgegen. „Für uns steht fest, dass die Einfahrt nach Schrems über die Horner Straße bestehen bleiben muss“, betont ÖVP-Obmann David Süß: Die Zu- und Abfahrt über den Wirtschaftspark sei keine adäquate Alternative, er werde „hoffentlich noch weiterwachsen, spätestens dann werden sich verkehrsmäßig Probleme ergeben. Aktuell verteilt sich der Verkehr über die unterschiedlichen Zufahrten ins Stadtgebiet sehr gut, das soll auch so bleiben.“

Kreisverkehr mitdenken?

Viktoria Prinz sieht es als Chefin der drittstärksten Liste ähnlich. Noch sei ja im Wirtschaftspark wenig los, das solle sich aber irgendwann ändern: „Dann wäre es so, als würde eine ganze Verkehrsachse direkt durch das Industriegebiet Kottinghörmanns führen. Das wäre unvorstellbar.“ Sie erinnert an den aktuellen Umfahrungsbau für Vitis-Großhaslau (B36) – danach soll der Lkw-Verkehr wie berichtet statt über Pürbach bzw. Kirchberg eben über Langschwarza und Vitis gen Zwettl und Krems rollen. Prinz: „Das Verkehrsaufkommen wird deutlich mehr, die Ausfahrt aus dem Wirtschaftspark könnte ein Unfall-Häufungspunkt werden.“ Etwa ein Kreisverkehr müsse also mitgedacht werden, wolle man die B2-Ostausfahrt aufgeben.

Ungefährlich sei die aktuelle Kreuzung der Horner Straße mit der B2 auch nicht, erinnert Stadtchef Müller an mehrere frühere Unfälle – darunter ein tödlicher, als ein Fahrer bei der Einfahrt raus wollte. Die Verkehrstafeln würden auch zu einem nicht sehr gut einsehbaren Kreuzungsbereich beitragen.

Die ÖVP steigert den von Müller gekommenen Vorstoß für einen Rad- bzw. Güterweg zwischen Schrems und Langschwarza – sie möchte ihn für die Sicherheit der „Landwirte und Naturbenützer“ entlang beider Fahrtrichtungen. „Auch die Anschlüsse der Begleitwege im Ortsgebiet sowie die gefahrlose Querung der Straße müssen noch thematisiert werden“, so Süß. Genauso gehe es um die Entwässerung angrenzender Wiesen und Felder.

Zeitdruck in Fahrbahnfragen, der Rest hat Zeit

SPÖ-Bürgermeister Müller: Dass die ÖVP auch eine „umfassende Einbindung“ der Bevölkerung von Langschwarza, der Anrainer beim Wirtschaftspark und in der Horner Straße fordert, könnte er unterstützen. Bloß: „Das wird schwer, wenn das Land eine schnelle Entscheidung in der Frage möchte, ob wir auf der B2-Ausfahrt beharren.“ Primär darum gehe es aktuell für die frühestens für 2023 angekündigte Fahrbahn-Verbreiterung, in deren Zuge wie berichtet auch ein Fahrbahnteiler bei der Ausfahrt von Langschwarza in Richtung Schrems kommen soll – damit dazu die Planungen anlaufen können. „Alle anderen Fragen müssen nicht vordringlich geklärt sein.“

Mahnung von Prähofer

„Jeder weitere Ausbau der B2 führt zu einer starken Zunahme des Transit-Lkw-Verkehrs“, hält der Pürbacher Landschaftsplaner Gerhard Prähofer generell fest: „Die Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene muss höchste Priorität haben, sonst kommt das Waldviertel im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder.“ Ein „zukunftsfähiges und nachhaltiges Waldviertel“ gebe es „nur bei Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene“, sieht er Bedarf für politischen Druck gegenüber Mobilitätslandesrat Schleritzko.

Wie soll es weitergehen?

Peter Müller kündigt noch Anrainer-Gespräche und eine nächste Gesprächsrunde mit allen Fraktionen an, für die Beantwortung von Fachfragen auch im Beisein des zuständigen Landes-Planers. Die Entscheidung, ob die B2-Abzweigung ganz fällt oder nicht, soll angesichts des Zeitdrucks aus dem Landhaus „in den nächsten ein bis zwei Wochen“ gefällt sein.

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