FJB: Breite Zustimmung im Gmünder Bezirk. Jubel, aber auch Appelle zur weiteren Zusammenarbeit bei VP & SP. Kritik von FP, Grüne wollen weiter gehen.

Von Markus Lohninger und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 14. September 2016 (04:37)
NOEN, NÖN
Foto: NÖN

Großteils fordernd optimistisch fallen die Reaktionen zur Ausbaustudie von ÖBB, Land NÖ und Verkehrsregion Ostregion (siehe Seiten 2/3) im Bezirk aus. Vor allem unsere ins Projekt involvierten Abgeordneten sprechen von großen Fortschritten.

„Gemeinsamer Wille zum ersten Mal klar erkennbar“

„Viele Forderungen von besseren Zuggarnituren über bessere Zugverbindungen bis zu baulichen Maßnahmen sind im Dreiphasen-Plan enthalten“, sagt etwa Landtags-Abgeordnete Margit Göll (ÖVP).

Ihre Bezirkspartei-Obfrau und Nationalrats-Abgeordnete Martina Diesner-Wais: „Der gemeinsame Wille ist zum ersten Mal klar erkennbar. Jetzt liegt erstmals ein konkreter Ansatz mit reell bezifferten Kosten einzelner Maßnahmen vor.“ Das Wissen darüber, was möglich ist und was es kosten wird, sei eine „wirkliche Basis“ für weitere Verhandlungen, „damit schließlich Geld in die Hand genommen wird.“

Konrad Antoni, Nationalrats-Abgeordneter und SP-Bezirkspartei-Vorsitzender, sieht die Studie als „riesige Chance für die Attraktivierung des Waldviertels und des Wirtschaftsstandortes“. Angesichts sehr langer Vorlaufzeiten für Neubauten sei sie besonders wichtig: „Man muss irgendwann den Start machen, und die Studie ist die fundierte Grundlage dazu.“

Auch Antoni sieht viele Ideen seiner Fraktion im Projekt. Die Studie sei ein großer Schritt zu seiner 2013 geäußerten Forderung nach einem Gesamt-Verkehrskonzept, Taktfahrplan und zeitlich gestaffelten Maßnahmen-Plan. Teils wieder zweite Gleise im Waldviertel und in Phase zwei eine Einbindung in die Westbahn würden die Strecke Wien-Gmünd nach entsprechenden Investitionen in 1:33 Stunden bewältigbar machen – und das, ohne Halte im Waldviertel opfern zu müssen.

Zielvision ist da, jetzt geht es ums liebe Geld

Nach dem Auftakt geht es nun um die Finanzierung. Dass das vor allem für die „dritte Phase“ mit Begradigungen unter anderem beim „Allentsteiger Knie“ (17 km Ersparnis) kein leichtes Unterfangen wird, ist klar. Die Phase macht mit 480 Millionen Euro fast drei Viertel der errechneten Gesamtkosten von 660 Mio. Euro aus – wobei die über Jahrzehnte erwartete Wertanpassung laut Studie Endkosten von 670 Mio. Euro nur für diese dritte Stufe erwarten ließe.

Göll warnt aber davor, locker zu lassen. „Die Maßnahmen müssen jetzt Zug um Zug umgesetzt werden, sonst werden wir nach den 30 Jahren Stillstand auf der Strecke unglaubwürdig“, sagt sie. Außerdem will sie alle Hebel in Bewegung setzen, um eine Verbindungslücke nachmittags von Sigmundsherberg nach Gmünd zu füllen, „das ist ein wichtiger, langersehnter Wunsch vieler Bahnkunden“.

Aus Antonis Sicht gilt es nun, in der Region fair und ehrlich zu informieren, Querschüsse vor den nächsten Projektschritten einzudämmen und auch in der ÖBB und bei den zuständigen Ministerien Überzeugungsarbeit zu leisten. Antoni: „Jetzt beginnt die Knochenarbeit!“

An sich als positiv bewertet der interimistische FPÖ-Bezirkschef Walter Hoffmann die Ausbaupläne, wirkliche Freude hat er aber nicht damit. „Vielleicht bringt das für Horn etwas, für die Region Gmünd-Schrems wird es keine spürbaren Änderungen geben“, meint er.

FP-Hoffmann pocht auf Straßenausbau

Er würde die Millionen lieber im Straßenausbau sehen. Ohnehin niedrige Fahrgastzahlen würden so nicht zu steigern sein, sagt er: „Wenn man bei einem Bahnschranken steht, sieht man nur leere Züge vorbeifahren. Für wen baut man also die Strecke aus?“ Positive Aspekte erwartet er sich eventuell für den Güterverkehr, allerdings sehe man „da ja auch nur böhmisches Holz und böhmischen Zement auf den Waggons“.

Grünen-Bezirkssprecher Manfred Stattler meint, dass sich die Pläne „teils mit den von uns seit Jahren eingeforderten Maßnahmen decken“. Zum Erhalt, zur Attraktivierung und Verstärkung der FJB brauche es aber mehr, vor allem den Willen der NÖ Volkspartei, sich dafür einzusetzen und Geld in die Hand zu nehmen. Er fordert für die FJB ein Maßnahmenbündel, damit Pendeln für alle angenehm und leistbar (365-Euro-Jahresticket) wird.

Und, in Richtung der ÖVP: „Solange sie für nur 50 km Umfahrungsstraßen rund 300 Mio. Euro ausgibt (173 für Zwettl, 125 für Mistelbach) während Anschlussbahnen, Regionalbahnen und Nebenbahnen geschlossen werden, ist das nicht glaubwürdig“, so Stattler.

Zitiert: „Geht um die Sache!“

„Die Studie stimmt mich sehr positiv, ich lese sehr viel Bemühen heraus – zumal die Landesräte Wilfing und Androsch eines klar signalisierten: Es geht jetzt rein um die Sache! Alles dauert seine Zeit und es ist wichtig, dass auch der Güterverkehr auf der FJB im Auge behalten wird. Aber ich glaube, dass die derzeitige Vision irgendwann umgesetzt sein wird.“ Helga Rosenmayer, Bürgermeisterin Gmünd (ÖVP)

„Jetzt darf es nicht nur bei der Ankündigung bleiben, es muss nach den Jahren des Dornröschenschlafs zügig an die Umsetzung gehen. Es ist positiv und wichtig, dass da alle Seiten an einem Strang ziehen. Wirkliche Auswirkungen wird allerdings wohl erst die nächste Generation spüren: Die Maßnahmen, die uns wirklich betreffen, liegen schon noch weit in der Zukunft.“
Karl Harrer, Bürgermeister Schrems (SPÖ)

„Phase drei ist eine Vision, die das Projekt beenden sollte. Wenn es in 20 Jahren abgeschlossen ist, dann werde ich mehr als glücklich sein. Wir müssen jede Option nutzen, um dieses Konzept umzusetzen.“
Abgeordneter Konrad Antoni (SPÖ)

„Oft gab es nur Ansätze, Wünsche für eine Beschleunigung. Jetzt treten Land, Bund und ÖBB zusammen – die Verhandlungen werden dauern, aber wenn sie durch sind, dann haben wir reelle Chancen. Ich bin felsenfest überzeugt davon.“
Abgeordnete Martina Diesner-Wais (ÖVP)

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