Maulkorb lässt viele aufjaulen. Das neue Hundehaltegesetz scheidet „die Geister“. Von „untragbar“ bis „schützt Mensch und Tier“ wird argumentiert.

Von Karin Pollak. Erstellt am 13. November 2019 (03:05)
Beißkorb & Leine für alle Hunde im öffentlichen Bereich? Gesetz sorgt für heftige Debatten. Am Foto: Daniela Zwölfer mit Hund Dakota, Isabella
NOEN

Für einen Aufschrei sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

VP-Landtagsabgeordnete Margit Göll ist eine der Mandatare, die sich für dieses neue Gesetz gestimmt hat. Sie ist aber auch langjährige Hundehalterin. „Natürlich schlagen da zwei Seelen in meiner Brust, aber auch ich und mein Hund waren schon in brenzlichen Situationen, weil ein anderer Hundehalter seinen Vierbeiner nicht ordnungsgemäß geführt hat. Wir wollen Mensch und Hund schützen und gerade diese meist unfreiwilligen Begegnungen ausschließen“, betont Göll.

Dass Hunde bei Menschenansammlungen mit mehr als 150 Personen Leine und Beißkorb tragen müssen, diene der Sicherheit aller, meint Göll. „Es gibt auch Menschen, die keine Hunde mögen. Und das muss man respektieren. Hier braucht es einfach viel mehr Respekt füreinander“, sagt Göll.

Keinerlei Erfahrungswerte hat die Abgeordnete und Bürgermeisterin von Moorbad Harbach mit ihrem Hund, das wird auch so bleiben: „Mein Hund mag keine Stadt und schon gar keine Großveranstaltungen. Daher werde ich ihn, so wie bisher, bei derartigen Events zuhause lassen. Da geht es ihm besser.“

Ums „Bessergehen“ geht es auch dem Tierarzt und Obmann des Schremser Hundeclubs, Berhard Kammerer, der gegen dieses neue Gesetz wettert: „Ein braver Hund wird jetzt mit dem Beißkorb vergewaltigt. Besser wäre es, eine verpflichtende Erziehung für Hund und Hundehalter einzuführen.“ In seiner 17-jährigen Tätigkeit als Tierarzt hätte er noch nie eine Beißattacke von einem größeren Hund erlebt: „Meist sind es die Handtaschenhunde, die beißen.“ Kammerer sieht außerdem ein weiteres Problem in der geplanten Regelung: „Wir haben neun verschiedene Hundehaltegesetze in Österreich. Außerdem muss die Definition ‚Öffentlicher Raum‘ auch definiert werden. Wo fängt dieser an und wo hört er auf?“

Ausbildung für Hund und Herrl verpflichtend

Das neue Gesetz sei für Kammerer überhaupt nicht „tierschutzkonform“, denn: „Einem Hund im Hochsommer einen Beißkorb anzulegen, das ist schon grenzwertig. Warum fragt man nicht Experten, bevor man ein derartiges Gesetz beschließt.“ Das Tragen des Beißkorbes sollte trotzdem jeder Hund schon von klein auf lernen. „In gewissen Situationen braucht man ihn doch.“ Das soll einfach zur Ausbildung eines Hundes gehören, die laut Kammerer für alle Hunde gelten sollte, nicht nur für Listenhunde.

Für die verpflichtende Ausbildung von Hund und Herrl bzw. Frauerl spricht sich auch Bezirksjägermeister Ernst Strasser aus. „Diese Ausbildungen gehören wie bei Jägern oder Fischern verpflichtend“, fordert Strasser. Die Jagdhunde seien ausgebildet, daher würde für diese Hunde auch die angelegte Leine ausreichen. Ein Beißkorb sei unvorstellbar: „Das Schnuppern ist doch ein Teil eines Hundelebens.“

Jede Gemeinde kann zusätzlich zudem im möglichen neuen Gesetz noch „Hundesicherungszonen“ benennen. In der Bezirkshauptstadt Gmünd sei das derzeit aber nicht angedacht: „ Wir sehen die bisher im Gesetz geregelten Plätze für völlig ausreichend, derzeit ist in der Stadtgemeinde Gmünd nicht angedacht, zusätzliche sensible Hundesicherungszonen zu definieren. Wir arbeiten derzeit an einer Lösung bezüglich eigener Hundezonen, wir wollen dabei versuchen, zusätzliche bzw. eigene, eingezäunte Bereiche für Hunde bzw. den Hundeauslauf zu schaffen“, erklärt VP-Bürgermeisterin Helga Rosenmayer.

Anzeigen wegen der Nichteinhaltung des Hundehaltegesetzes hat es immer schon gegeben. Laut Bezirkshauptmann Stefan Grusch gab es im Vorjahr 42 Anzeigen, bei 30 davon wurden Strafen erteilt. „Heuer liegen wir bereits bei 37 Anzeigen. Ich rechne also mit einem Anstieg bei diesen Vorfällen“, sagt er.

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